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Unternehmensziele: Der Transfer in den Alltag

Lesezeit: 5 Min.

Unternehmensziele, Visionen, Agenden 202X – Strategien und Ziele zu entwerfen steht mittlerweile auf der Tagesordnung von vielen Unternehmen. Besagt eine mittlerweile bekannte Faustregel doch, dass sich mit klaren Zielsetzungen so gut wie alles erreichen lässt. Hinter den Unternehmenszielen und -visionen steckt eine gerechtfertigte Idee. Doch leider gelingt die Umsetzung oft mehr schlecht als recht. Führungskräfte stehen vor dem Problem, dass die Mitarbeitenden die Ziele im Alltag nicht annehmen. Der Transfer der Unternehmensziele gelingt nicht. Wir decken auf, welche Gründe dahinterstecken und wie der Transfer in den Alltag gelingen kann.

Unternehmensziele: ManagerInnen vs. Mitarbeitende?

Um das grundlegende Problem zu verstehen, schauen wir uns doch mal zwei Personen des Unternehmens XYZ an, das gerade in einer Umstrukturierungsphase steckt.

Die Managerin

Frau Dr. Huber, eine ambitionierte 45-jährige Managerin, hat vor einem Jahr die Leitung des Unternehmens XYZ übernommen. Zum Zeitpunkt der Übernahme schrieb das Unternehmen rote Zahlen und Massenentlassungen drohten. Das wollte Frau Huber unbedingt verhindern und ordnete eine umfassende Umstrukturierung an. Mit den Führungskräften des Unternehmens und einer externen Unternehmensberatung entwarf sie ein Strategiepapier, das Unternehmensziele für das Jahr 2022 enthielt. Das obere Management hatte viel Zeit und Energie in diese Ziele investiert. Damit die Angestellten die Zielsetzungen nachvollziehen können, wurden sie grafisch in einem PDF-Dokument dargestellt und genau erklärt. Das sollte den Angestellten per Mail zugeschickt werden. Frau Huber und ihre Führungskräfte blicken der Zukunft optimistisch entgegen.

Die Mitarbeitende

Frau Maier ist 35 Jahre alt und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Ihr Alltag ist voll mit Herausforderungen und Aufgaben, die sie in ihrem Leben meistern muss. Einkaufen, zum Sport gehen, den Kindern bei den Hausaufgaben helfen. Eigentlich wäre das an sich schon ein Vollzeitjob. Aber Frau Maier muss Geld verdienen, um mit ihrer kleinen Familie um die Runden zu kommen. Sie hat nach ihrem Realschulabschluss eine Ausbildung zur Bürokauffrau im großem Unternehmen XYZ gemacht. Früher hat ihr diese Arbeit viel Spaß gemacht, im Laufe der Zeit ist sie immer mehr in den Hintergrund gerückt. Mittlerweile ist sie von den ständigen Umstrukturierungen ihres Arbeitgebers zunehmend genervt. Außerdem ist sie mit der Angst konfrontiert, ihre Arbeitsstelle zu verlieren. An einem Mittwochvormittag kommt sie (wiedermal) gestresst an ihren Arbeitsplatz. Sie öffnet das E-Mail-Programm und viel zu viele ungelesene Mails blinken auf. Darunter eine mit dem Betreff „Unsere Unternehmensziele bis zum Jahr 2022“. Frau Maier rollt die Augen. Hat sie doch gerade mehr als genug damit zu tun, ihre Arbeit überhaupt zu schaffen. Sie markiert die Mail als „Gelesen“ und beginnt ihre Arbeit.

Das Problem der Unternehmensziele

Sicher merken Sie schon beim Lesen, dass hier Welten aufeinandertreffen. Oben das Management, das (aus gutem Grund) vor allem die negativen Jahresabschlüsse der Firma im Blick hat. Ihm ist bewusst, dass sich dringend etwas ändern muss. Sie investieren viel Geld, zeitliche Ressourcen und persönliche Energie in die Umstrukturierung und die Unternehmensziele – wollen sie doch Massenentlassungen vermeiden. Weiter unten die „normalen“ Mitarbeitenden, die oftmals von ihrem persönlichen Alltag gestresst sind und nun auch noch mit der Angst ihren Job zu verlieren konfrontiert werden. Es herrscht zunehmender Leistungsdruck die Aufgaben zu erfüllen. Da hat ein merkwürdiges Strategiepapier mit Unternehmenszielen kaum Platz – und das ist nicht böse gemeint. Wieso der Transfer nicht gelingt hat einen eindeutigen Grund: die fehlende Kommunikation.

Transfer von Unternehmenszielen

Damit der Transfer von Unternehmenszielen in den Alltag gelingen kann, muss schon von Beginn an auf wichtige Punkte geachtet werden. Bereits fertig entworfene Unternehmensziele, die mit den Angestellten letzten Endes nichts zu tun haben, werden nicht zum gewünschten Erfolg führen.

Inhalt der Unternehmensziele

Damit der Inhalt der Unternehmensziele in den Alltag übertragen werden kann, muss er dort entstehen, wo er wirken soll. In diesem Fall ist das nicht das obere Management eines Unternehmens, das mit Hilfe einer externen Beratung ein kompliziertes Strategiepaper ausarbeitet. Sie entstehen im Gespräch mit den Angestellten, im Alltag des Unternehmens. Schauen Sie sich in Ihrem Unternehmen einmal um. Wo sind Menschen, die schon sehr motiviert sind? Die den Eindruck erwecken, einen Sinn hinter ihrer Arbeit zu sehen? Welche Ziele verfolgen Sie? Gehen Sie ins Gespräch. Hier schlummert großes Potential und wichtige Informationen – und der Beginn einer gelingenden Kommunikation. Würde Frau Dr. Huber (Managerin) in unserer Geschichte das Gespräch mit Frau Maier (Mitarbeitende) suchen, könnte sich Frau Maier an die Zeit erinnern, in der ihr die Arbeit viel Freude bereitet hat. Mit Sicherheit würden ihr einige für sie wichtige Ziele einfallen und sie hätte das Gefühl, miteinbezogen zu werden

EIN übergeordnetes Unternehmensziel finden

Bevor Sie mit der Ausarbeitung mehrerer Unternehmensziele beginnen, sollten Sie ein übergeordnetes Ziel finden. Wo steckt der große Sinn hinter der Arbeit, die Ihre Mitarbeitende täglich ausführen? Im besten Fall haben Sie diese Info schon aus den Gesprächen oder der Zusammenarbeit mit Ihren Angestellten bekommen. Wichtig ist, dass sich wirklich jeder einzelnen Mitarbeitender in dem Ziel finden kann. So wird die Motivation im Unternehmen nachhaltig gesteigert. Diesem Ziel können dann weitere Unternehmensziele untergeordnet werden. Achten Sie hier darauf, die Anzahl auf drei bis fünf Ziele zu beschränken. Ansonsten verliert sich die Wirkung wieder. Das Unternehmen XYZ hilft durch die Produktion von Medikamenten beispielsweise vielen Menschen tagtäglich dabei, ihr Leben zu meistern. Ist sich die Angestellte Frau Huber dem bewusst, wird sie Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit und den Unternehmenszielen empfinden.

Veröffentlichung der Unternehmensziele

Damit der Transfer der Unternehmensziele in den Alltag gelingt, muss die Veröffentlichung mehr sein, als eine PDF-Datei mit netten Grafiken. Hier bieten sich zum Beispiel Workshops mit den einzelnen Teams an. Die Führungskräfte können gemeinsam mit den Mitarbeitenden überlegen, wie sie als Team und jedes einzelne Mitglied zur Erreichung der Ziele beitragen können. Dies kann in symbolischen Verträgen festgehalten werden. Sie sehen, hier geht es wieder um gelebte Kommunikation und das Miteinbeziehen der Angestellten. Sie bekommen nicht irgendwelche Ziele von oben „aufgedrückt“, sondern sie wurden von Beginn an aktiv miteinbezogen. Das erhöht automatisch das Commitment für die Unternehmensziele. In unserem Beispiel würde die Angestellte Frau Maier nicht genervt die Mail wegklicken, sondern in einem Workshop gemeinsam mit der Führungskraft die Ziele kennenlernen.

Nachhaltiger Transfer

Mit der Kommunikation und Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden bei der Entstehung und Einführung der Unternehmensziele ist schon ein wichtiger Grundstein für den Transfer in den Alltag gelegt. Allerdings müssen die Ziele weiterhin gelebt werden. Hier bieten sich regelmäßige Mitarbeiterbefragungen mit zweikern Analytics an. Es kann erhoben werden, ob die Unternehmensziele bereits beim Angestellten angekommen sind, oder ob es noch weitere Maßnahmen und Informationen braucht. So halten Sie weiterhin die enge Kommunikation zu Ihren Mitarbeitenden und die Unternehmensziele geraten nicht in Vergessenheit. Die Managerin Frau Huber würde in diesem Fall immer wieder erfahren, ob die Unternehmensziele bei ihrer Angestellten Frau Maier immer noch präsent sind und ob sie für sie nach wie vor Sinn machen.

Fazit

Um einen nachhaltigen Transfer der Unternehmensziele zu ermöglichen und diese erfolgreich für das Unternehmen nutzen zu können, braucht es Kommunikation und das Miteinbeziehen der Angestellten. Kommen vom oberen Management nur leere Floskeln, wird das Commitment der Mitarbeitenden kaum vorhanden sein. Der erfolgreiche Transfer von Unternehmenszielen basiert darauf, dass sie zur Unternehmenskultur passen und gelebt werden können. Wenn Sie sich für die Bedeutung eines grundlegenden Fundaments interessieren, finden Sie hier einen spannenden Artikel von Andreas.

 

Es ist besser hohe Grundsätze zu haben, die man befolgt,
als noch höhere, die man außer Acht lässt.

von Albert Schweizer

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