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Gruppendynamiken: Grundwissen für Ihre Teamarbeit

Lesezeit: 5 Min.

Gruppendynamiken werden vor allem in der Sozialpsychologie erforscht. Theorien über Gruppendynamiken erklären, wie unser individuelles Verhalten durch eine Gruppe verändert werden kann. Gerade im Bereich Teamarbeit spielen Gruppendynamiken eine wichtige Rolle und gehören zum Grundwissen für jeden, der regelmäßig mit anderen zusammenarbeitet. Wir haben in diesem Artikel alle grundlegenden Gruppendynamiken zusammengefasst und erklären, wie man Teamarbeit trotz (oder viel mehr mit ihnen) erfolgreicher gestalten kann.

Gruppendynamiken: der Ursprung

Gruppendynamiken sind gerade im Bereich Teamarbeit negativ besetzt. In der Regel werden sie mit wenig wünschenswerten Beispielen erklärt und man gewinnt schnell den Eindruck, Gruppen und Teamarbeit sind wenig sinnvoll. Aber warum finden sich Menschen so oft in Gruppen zusammen, wenn diese doch zu schlechteren Ergebnissen in der Teamarbeit führen? Um Gruppendynamiken wirklich greifen zu können, müssen wir erst verstehen, warum sich Menschen in Gruppen aufhalten. Der Grund ist einfach: unsere Vorfahren konnten leichter überleben, wenn sie sich in Gruppen verbündeten. Das Bedürfnis der Menschen nach stabilen sozialen Beziehungen ist eines der wichtigsten überhaupt. Auch wenn wir heute nicht mehr gemeinsam um ein Feuer sitzen und uns den erlegten Elch teilen, haben Gruppen immer noch eine große Bedeutung für uns. Wir brauchen Gruppen, um uns sicher zu fühlen und uns entfalten zu können. Sie helfen uns, eine Identität zu finden, sie bieten uns Orientierungsmöglichkeiten in schwierigen Situationen und noch vieles mehr. Gruppen und auch die Gruppendynamiken bieten für uns Menschen also viele Vorteile, da sie unser Leben zum größten Teil leichter machen. Aber gerade in der Arbeitswelt und innerhalb der Teamarbeit können sie auch negative Auswirkungen haben.

Gruppendynamiken: unsere Top 3

Gruppendynamiken werden als Gruppenphänomene bezeichnet. Wir Menschen tendieren dazu, uns als sehr selbstbestimmt wahrzunehmen. Wir haben nicht das Gefühl, dass wir durch die Personen in unserer Umgebung in unserem Verhalten beeinflusst werden. Allerdings trügt uns unsere Einschätzung leider sehr. Sogar so manchem US-Präsidenten wurden bestimmte Gruppendynamiken zum Verhängnis. Damit Ihnen das in Zukunft nicht mehr passiert und Sie schlechten Ergebnissen in der Teamarbeit vorbeugen können, folgen unsere Top 3 der Gruppendynamiken.

1.  Gruppendenken

Gruppendenken („Groupthink“) ist eines der bekanntesten Gruppenphänomene. Als Beispiel wird meist die Schweinebuchtinvasion unter dem US-Präsidenten Kennedy genannt. Ein Team von Experten hatte sich für den Angriff auf Kuba entschieden. Dieser endete in einem politischen Debakel für die Vereinigten Staaten. Wie kann es sein, dass ein ganzes Team an Experten am Ende völlig unvorteilhafte und schlechte Entscheidungen trifft? Die Antwort hierauf ist Gruppendenken. Gruppendenken tritt auf, wenn den einzelnen Personen einer Gruppe die Harmonie und Übereinstimmung bei Entscheidungen wichtiger ist, als die realistische Einschätzung von Alternativen. In der Entscheidungsfindung im Team wird mehr darauf geachtet, einen gemeinsamen Konsens zu finden, als alle möglichen Alternativen durchzudenken. Harmonie wiegt höher als ein qualitativ hochwertiges Ergebnis. Sie glauben, das trifft auf Sie nicht zu? Denken sie mal an die letzte Teamarbeit mit Personen, die Sie sehr geschätzt haben. Wie schnell haben sie Vorschläge bejaht, die sie in einer Situation alleine vielleicht ganz anders bewertet hätten. Sie wollten aber wegen der guten gemeinsamen Basis mit den Kollegen nicht unbedingt ein Gegenargument bringen. Gruppendenken passiert innerhalb der Teamarbeit schnell und oft. Deshalb sollte man diese Gruppendynamik immer ein bisschen im Hinterkopf behalten. Wenn Sie den Eindruck haben, bei der Teamarbeit mit Ihren Mitarbeitenden könnte Gruppendenken öfter auftreten, versuchen Sie doch mal verschiedene Rollen zu verteilen. Kritiker, Kreative, Moderator, Optimist (Sechs Hüte Technik).

2.  Gruppenpolarisierung

Die zweite bedeutsame Gruppendynamik innerhalb der Teamarbeit ist die Gruppenpolarisierung. Wenn eine Gruppe bereits eine vorherrschende Einstellung hat, kann diese durch eine Diskussion noch extremer werden. Stellen Sie sich vor, sie führen ein Gespräch zur momentanen Umstrukturierung in Ihrem Team. Grundsätzlich ist die Einstellung tendenziell negativ, nur die wenigsten finden die Veränderung im Unternehmen sinnvoll. Die Gruppe startet nun eine Diskussion über diese Umstrukturierung. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Meinung des Teams am Ende nicht nur tendenziell negativ, sondern sehr negativ ausfällt. Aber was kann man machen, damit das nicht passiert? Gespräche und Diskussionen über bestimmte Themen einfach vermeiden? Es ist sinnvoll, vor der Diskussion zuerst ein Stimmungsbild durch die Befragung der einzelnen Personen vorzunehmen. Hier bietet sich die Arbeit mit zweikern Analytics an. So können die Mitarbeitenden ihre Meinung erstmal abgeben, ohne vorher von der Gruppe stark beeinflusst zu werden. Danach wird in Teamarbeit über das Thema diskutiert. Sollte sich die Meinung in ein Extrem bewegen, kann auf die Ergebnisse der Befragung verwiesen werden. Das sorgt für eine höhere Qualität innerhalb der Diskussion und ermöglicht Selbstreflexion innerhalb des Teams.

3.  Soziale Konformität

Die Nummer drei unserer Top Gruppendynamiken innerhalb der Teamarbeit ist die soziale Konformität. Der Einzelne passt sein Verhalten oder Denken so an, dass er mit dem Standard innerhalb der Gruppe konform geht. Die Krux an der Sache ist, dass wir uns dieser Anpassung nicht bewusst sind. Es gibt zwei Arten von sozialer Konformität. Die erste Art entsteht durch den Wunsch einer Person, Zustimmung zu bekommen und Ablehnung zu vermeiden. Die zweite Art durch die Bereitschaft eines Menschen, die Meinung anderer über die Wirklichkeit anzunehmen. Ein berühmtes Experiment dazu stammt von dem Psychologen Asch. In seinem Experiment gab es eine Versuchsperson, die mit anderen Personen in einen Raum gebracht wurde. Der Versuchsperson wurde mitgeteilt, dass die anderen Personen ebenfalls am Experiment teilnahmen. Diese waren allerdings „eingeweihte“ Personen. Den Teilnehmenden wurden drei Linien gezeigt, bei denen eine Linie eindeutig kürzer war, als die anderen zwei. Die Personen im Raum wurden gefragt, ob sie einen Unterschied in der Länge der Linien feststellen könnten. Die eingeweihten Personen behaupteten einstimmig, dass alle drei Linien gleich lang seien. Sie machten also eine falsche Angabe. Das überraschende Ergebnis des Experiments war die Antwort der wirklichen Versuchspersonen: ein großer Teil von ihnen gab an, dass die Linien gleich lang seien - obwohl das überhaupt nicht stimmte. Sie passten ihr Verhalten und Denken an den Standard der Gruppe an und änderten ihre Meinung in die falsche Richtung. Wenn diese Gruppendynamik schon bei einer so einfachen Fragestellung wie der Länge von drei Linien auftritt, wie ist das dann erst bei komplexeren Aufgaben der Fall? Der Einfluss kann noch gravierender sein. Am Ende führt das zu schlechter Qualität in den Ergebnissen der Teamarbeit. Fehler, die vermieden werden könnten. Um soziale Konformität und damit qualitativ schlechtere Ergebnisse im Unternehmen zu vermeiden, setzt man am besten an der Unternehmenskultur an. Fördern Sie individuelle Meinungen innerhalb der Mitarbeitenden und führen Sie eine offene Fehlerkultur ein. Wenn unterschiedliche Meinungen und Fehler erlaubt oder sogar positiv bewertet werden, trauen sich die Mitarbeitenden eher, die eigene Meinung zu vertreten. Selbst wenn diese von den Ansichten und Standards der Gruppe abweicht. Das kann die Qualität innerhalb der Teamarbeit deutlich steigern.

Das waren unsere Top 3 der Gruppendynamiken. Wir hoffen Sie konnten Ihr Grundwissen über Gruppendynamiken auffrischen oder sogar erweitern. Sie finden Teamarbeit spannend und wollen wissen, wie Sie Teammeetings effizienter gestalten können? Lesen Sie hier weiter!

 

Wir brauchen die ganze Truppe, jeden Spieler des Teams, wenn wir erfolgreich sein wollen. 

Von Pep Guardiola

 

Literatur

Myers, D. G., Hoppe-Graff, S., & Keller, B. (2014). Psychologie, 3., vollst. überarb. und erw. Aufl. Berlin ua: Springer.

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