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Unternehmenskultur: Der Fingerabdruck eines Unternehmens

Lesezeit: 5 Min.

Jedes Unternehmen hat eine Kultur. Welche, entscheidet jede Organisation und deren Mitglieder selbst. Eine positive Unternehmenskultur aufzubauen und aufrechtzuerhalten ist ein schwieriges und langwieriges Verfahren. Denn hinter der Entwicklung einer positiven Unternehmenskultur steckt viel mehr als man denkt. Man kann sie weder greifen noch messen aber doch ist sie spürbar - in jedem Winkel des Unternehmens und noch viel weiter.

Bereits Mitte der 70er Jahre bis Anfang der 80er wird der Zusammenhang zwischen kulturellen Aspekten eines Unternehmens und dessen Erfolg diskutiert. Über die Zeit hinweg werden viele verschiedene Theorien dazu aufgestellt und auch der Blick auf die Unternehmenskultur wandelt sich ständig. Aus diesem Grund gibt es auch keine einheitliche Definition des Begriffes Unternehmenskultur oder auch Organisationskultur.

Begriffserklärung: Unternehmenskultur

Ed Schein gilt als "der“ Wegbereiter des Forschungsfeldes Organisationskultur. Er definiert Organisationskultur als

„ein Muster gemeinsamer Grundprämissen,
das die Gruppe bei der Bewältigung ihrer Probleme,
externer Anpassung und interner Integration erlernt hat,
das sich bewährt hat, und das somit als bindend gilt;
und das daher an neue Mitglieder als rational und emotional korrekter Ansatz
für den Umgang mit Problemen weitergegeben wird.“

Quelle: Edgar H. Schein: Organisationskultur. EHP Bergisch Gladbach, 2003.

Laut Wirtschaftslexikon besteht eine Unternehmenskultur aus Denk- und Verhaltensmuster, Werte und Normen, die im Laufe der Zeit im Unternehmen entstanden sind und in ihm gelten. Ein System von Wertvorstellungen, Orientierungsmustern, Verhaltensnormen, Denk- und Handlungsweisen, das von den Mitarbeitern im Unternehmen erlernt und akzeptiert wird. Sie prägt das Verhalten, wie die im Unternehmen tätigen Menschen ihren täglichen Aufgaben nachkommen, Entscheidungen treffen und durchsetzen, Konflikte bewältigen sowie miteinander und mit Außenstehenden umgehen.

Praktiker und Wissenschaftler sind sich allerdings einig, dass Unternehmenskultur ein komplexes Konstrukt darstellt, das potenziell hohen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg hat und veränderbar sowie entwickelbar ist. Darüber hinaus findet Unternehmenskultur auf bewusster und auch unbewusster Ebene statt. Bewusst sind uns z.B. die Ziele des Unternehmens oder auch der Umgang untereinander, unbewusst sind uns z.B. die grundlegenden Überzeugungen und Normen.

Verständnis von Unternehmenskultur

Zu diesem Thema wurde im Jahr 2009/10 eine sehr interessante Studie von der Kienbaum Management Consultants GmbH in Kooperation mit dem Harvard Business Manager veröffentlich, die die Rolle und Bedeutung von Unternehmenskultur erforscht.

Die Studie wurde in 157 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus verschiedenen Branchen durchgeführt. Die Stichprobe bestand aus Teilnehmern verschiedenster Ebenen der Unternehmen - 17 % Vorstände und Geschäftsführer, 21 % Führungskräfte aus dem mittleren Management und 49 % aus Mitarbeitern der Personalabteilung.

81 % der Befragten sehen als Kern der Unternehmenskultur grundlegende Überzeugungen und das Selbstverständnis (für was das Unternehmen steht) und 80 % die Werte des Unternehmens (was dem Unternehmen wichtig ist).

55 % sehen die Vision und Mission als wichtigsten Bestandteil und 54 % die Normen, Regeln und Leitlinien. In Hinblick auf die Leitlinien des Unternehmens wurden die Kunden (77 %), die Führung (76 %) und die Zusammenarbeit (71 %) am häufigsten genannt. Des Weiteren wird betont, dass der Fokus auf dem tatsächlich gelebten Verhalten in Unternehmen liegt, nicht auf einer definierten „Soll-Kultur“.

Darin liegt auch bereits die erste Problematik: Inwieweit ist es möglich festgelegte Vorstellungen, die z.B. in Leitbilder festgehalten werden in Strukturen, Prozessen und Systemen zu integrieren und, dass diese Kultur auch tatsächlich von dem Mitarbeitern gelebt wird? Viele Unternehmen gaben zwar an, einzelne Kultur Elemente definiert zu haben, allerdings ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema noch zu gering, um ein einheitliches Verständnis zu schaffen.

Die Bedeutung und Nutzen für Unternehmen

Das Interesse der Unternehmen eine angemessene Kultur zu etablieren ist bereits seit einigen Jahren vorhanden, dennoch wird die Bedeutung dieses Faktors immer weiter steigen.

Dazu schätzen laut der oben genannten Studie von Kienbaum rund 70 % der Befragten die Bedeutung von Unternehmenskultur für wirtschaftlichen Erfolg als hoch oder sehr hoch ein. Des Weiteren zeigen die Ergebnisse, dass die Bedeutung von Unternehmenskultur zunimmt. Rund 94 % der Befragten schätzen diese in der Zukunft als hoch oder sehr hoch ein.

Neben der Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg wurde auch der geschätzte Nutzen von Unternehmenskultur abgefragt. Dabei zeigte sich, dass der größte Nutzen in unternehmensinternen Themen wie z.B. das Mitarbeiter-Engagement, die Identifikation mit dem Unternehmen und die Bindung von Mitarbeitern, gesehen wird. Neben diesen personalbezogenen Bereichen wird auch die Gewinnung von Leistungsträgern, die Kundenzufriedenheit und der Aufbau einer Unternehmens- „Marke“ als großen Nutzen eingeschätzt.

Des Weiteren fördert eine positive Unternehmenskultur die Kreativität der Mitarbeiter und die Arbeitszufriedenheit. Auch das Wachstum der Organisation wird gefördert, da die Mitarbeiter motiviert werden, ihre Ideen oder auch Verbesserungsvorschläge vorzutragen, erst dann kann eine Innovationskultur entstehen.

Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt stellt die Anerkennungs- und Wertschätzungskultur im Unternehmen dar. Diese kann im Rahmen der Unternehmenskultur etabliert werden. Sie bestimmt wie wertschätzend Führungskräfte und Mitarbeiter miteinander umgehen und inwieweit sie erbrachte Leistungen loben und diese anerkennen. So kann auch in sehr arbeitsintensiven Zeiten eine positive Atmosphäre entstehen.

Um das Unternehmen sowie die Mitarbeiter weiterentwickeln zu können, ist eine Feedbackkultur von großer Bedeutung. Diese ermöglicht eine offene Kommunikation und konstruktive Kritik zwischen Mitarbeitern sowie zwischen Führungskraft und Mitarbeiter.

Fehlt hingegen eine positive Unternehmenskultur, so kann dies den Unternehmenserfolg gefährden. Wenn sich die Mitarbeiter nicht trauen, offen ihre Meinung zu äußern oder auch Kritikpunkte anzubringen bleibt das Unternehmen im Entwicklungsprozess stehen. Des Weiteren sinkt das Engagement und die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter, sowie die Identifikation mit dem Unternehmen. Die Folge davon können ideenlose, festgefahrene Teams sein und frustrierte Führungskräfte, die keine gute Arbeit mehr leisten können. Auch die Zunahme der Fluktuationsrate und ein Anstieg an Krankenständen können Auswirkungen von einer nicht zufriedenstellenden Unternehmenskultur sein.

Die Unternehmenskultur stellt also einen sehr bedeutenden Faktor dar, mit dem sich Unternehmen genauer beschäftigen sollten. Durch die schwammige Formulierung, den unterschiedlichen Möglichkeiten der Umsetzung und auch durch die Unterschiede in den Bedürfnissen der Mitarbeiter und Führungskräfte verschiedener Sparten, ist es unmöglich die perfekte Unternehmenskultur zu beschreiben. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger sich mit den Bedürfnissen aller Bereiche des Unternehmens auseinanderzusetzen und an einer individuellen Kultur zu arbeiten.

Mit der Frage, wie sich eine positive Unternehmenskultur im Unternehmen etablieren lässt und welche Unterschiede es in den Unternehmenskulturen in verschiedenen Branchen gibt, beschäftigen wir uns in der kommenden Woche.

 

Kultur isst die Strategie zum Frühstück
von Peter F. Drucker

 

Literaturverzeichnis

  • Kienbaum Management Consultants in Kooperation mit dem Harvard Business Manager und Prof. Sonja Sackmann/ Institut für Entwicklung zukunftsfähiger Organisationen. Unternehmenskultur – Ihre Rolle und Bedeutung, 2009/2010.
  • L. Becker,: „Ein einzelner Chef kann keine Firmenkultur vorgeben“ ZEIT ONLINE, 2014.
  • Edgar H. Schein: Organisationskultur. EHP Bergisch Gladbach, 2003.
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Portrait Carina Andorfer

Autor

Carina Andorfer
Psychologin

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