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Auf den Kern gebracht #9: Moderation

Lesezeit: 5 Min.

In Organisationen wird heute täglich moderiert. Das ist essentieller Bestandteil unserer heutigen Führungs- und Unternehmenskultur. Ungefragt wählen wir einen Moderator aus, weil es einfach zum guten Ton gehört, ohne dabei zu hinterfragen, ob es eigentlich nützlich ist, eine Moderation zu haben. Wir haben nur das Gefühl, dass eine Gruppe mit Moderator Vorteile bringt. 

Aber wie ist Moderation überhaupt entstanden? Was leistet sie und welche Methoden und Instrumente sind wissenschaftlich fundiert anwendbar? Und wie praktiziere ich eigentlich die Moderatorenrolle? Diese Fragen sollen im zweikern Artikel dieser Woche geklärt werden.

Die Entstehung der Moderation

Zunächst sollte man sich ansehen, vor welchem Hintergrund die Moderation überhaupt entstanden ist. In den Demokratisierungsbemühungen der Nachkriegszeit entwickelte sich ein starkes Bedürfnis nach Demokratie und Mitspracherecht, was aber in starkem Kontrast zu den hierarchischen Bedingungen in Unternehmen und Organisationen stand. Diese neue emanzipatorische Grundhaltung der 1960er- bis 1970er-Jahre forderte, dass Probleme unterschiedliche Antworten ermöglichen sollten und aufgrund dessen nur im Diskurs, also in einer gemeinsamen Diskussion gelöst werden können. Diese „soziale Innovation“ der Moderation forderte also neue kommunikative Regeln und Lösungen zu Unternehmenskonflikten.

Moderation war in der Lage, für neue Anforderungen der sozialen Umwelt kreative Antwortmöglichkeiten zu bieten. 

Moderation knüpft an vielerlei psychologische Theorien an, die auch in der Beratungsliteratur zu finden sind. Allerdings gibt es keine kohärente Theorie der Moderation, sodass es wenig evidenzbasierte Ergebnisse zu Moderationsmethoden gibt. Dennoch gibt es empirisch gestützte Theorien, auf die auch die Moderation basiert. 

Außerdem zeigen Studien, dass Gruppen mit Moderatoren bessere Ergebnisse hinsichtlich ihrer Problemlöseleistungen erzielten, als Gruppen, die sich keiner Moderationsmethoden bedienten.

Eine Definition von Moderation

Moderation ist abzugrenzen von dem Begriff der Mediation, obwohl dies im Common Sense oftmals bunt durcheinandergemischt wird. Moderation im deutschsprachigen Raum gilt als ein - im Gegensatz zu amerikanischen Formen - offenes Verfahren. Moderation versteht sich als Prozessberatung.

Die Moderation hat zudem zwei Aufgabenbereiche

  1. Die Problemlösung (die Hinführung zu Ergebnissen inkl. deren visuell gestalteten Fortschritten, sowie das Anleiten der Gespräche durch systematische und zielorientierte Fragen)
  2. Die Förderung der Reflexion (z. B. durch die Förderung der Feedbackkultur)

Ziel der Moderation ist es, Gruppen zu unterstützen und zu leiten, damit sie bestmögliche Ergebnisse bei einer konkreten Problemstellung erreichen.

Ablauf der Moderation

Die Moderation sollte stets in mehrere Phasen eingeteilt werden: (Dauscher 2006)

  1. Einstieg
  2. Themensammlung
  3. Themenauswahl
  4. Themenbearbeitung
  5. Maßnahmenplanung
  6. Abschluss

 

Jede dieser Phasen kann durch unterschiedliche Methoden und Instrumente unterstützt werden. 

Aufgaben eines Moderators

ModeratorInnen sollten im Vorfeld an eine Gruppendiskussion gemeinsam mit den TeilnehmerInnen Regeln und Werte herausarbeiten, wie miteinander während der Gruppendiskussion kommuniziert werden soll.

Des Weiteren muss der/ die ModeratorIn allparteilich sein. Das heißt dass der/ die ModeratorIn eine gewisse Empathie für sämtliche GruppenteilnehmerInnen haben muss und bereit ist, sich mit allen Gruppenmitgliedern zu identifizieren. Kann er/ sie das nicht, sondern versucht die Diskussion in eine Richtung zu drängen oder lässt keinen Raum für Diskus, so sollte ein/e andere/r ModeratorIn gewählt werden. ModeratorInnen sollten also ein hohes Maß an Selbstreflexion mitbringen, da sie sich während des Prozesses immer in der Position des Beobachters wiederfinden. Nämlich einmal als Beobachter der Gruppe(-nprozesse) und als Selbstbeobachter (ob die Gestaltung der Moderation zielführend ist und ob die Gruppe erfolgversprechend arbeitet).

Der/ die ModeratorIn ist also ein Begleiter des Gruppenprozesses. Er/ sie ist verantwortlich für den Prozess sowie deren eingesetzte Verfahren.

ModeratorInnen sollten außerdem in der Lage sein, aktiv zuzuhören, um zu verstehen, was hinter den Gruppenbeiträgen steckt. Nach dem Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick besteht Kommunikation ja bekanntermaßen nicht nur aus der sachlichen Aussage, sondern auch beispielsweise aus einer emotionalen Botschaft.

Um Gruppenphänomenen entgegenzuwirken, sollten die Gruppen zunächst so heterogen wie möglich durchmischt werden. Das heißt also, dass aus allen Bereichen, Abteilungen und hierarchischen Positionen verschiedene Akteure in einer Gruppe zusammenfinden. Damit es nicht dazu kommt, dass Gruppenmitglieder Heuristiken anwenden, um zu Entscheidungen zu gelangen, sollte der/ die ModeratorIn zum ruhigen Nachdenken anregen und genügend Zeit zur Diskussion einräumen. Der/ die ModeratorIn sollte außerdem TeilnehmerInnen bremsen, die vorschnelle Lösungen für komplexe Sachverhalte anbieten, ohne die Rahmenbedingungen vorher überprüft zu haben. 

Methoden und Instrumente der Moderation

Eine klassische Methode in der Moderation ist die Kartenabfrage, in der die Teilnehmenden zu einer spezifischen Frage (Erwartungen, Ziele, Wünsche) Antworten auf Karteikarten notieren und dann an eine Wand heften. Diese Karten können dann anschließend geclustert werden (also in Gruppen zusammengefügt). Diese Sammlung von Ideen ist eher anonym und individuell.

 

Im Gegensatz dazu gibt es die Zuruffrage, in der die Frage öffentlich gestellt wird und durch Zurufen einzelne Themen gesammelt werden können. Vorteile dieser Methode sind einerseits, dass der/ die ModeratorIN bereits innerhalb der ersten Antwort sehen kann, wie sich die Teilnehmenden aufeinander beziehen und welche Gruppenstrukturen sich herausbilden (Hierarchien, aktive und schüchterne Teilnehmer etc.).

 

Ein weiteres Instrument der Moderation ist die sogenannte Formale Moderation in der Gruppenmitglieder zunächst eigenständig die Problemstellung definieren und anschließend zur Abstimmung in der Gruppe präsentieren. Diese Vorgehensweise fördert mehr kreative Lösungen und minimiert das unbewusste „Abgucken“ bei anderen Teammitgliedern.

 

In der Moderation kommen zudem auch so genannte Themenkarten zum Einsatz. Themenkarten sind ein Instrument der Selbstmoderation. Das heißt, dass eine Gruppe sich "selbst moderieren" kann, ohne externen Moderator. Typische Themenkarten, die jeder Teilnehmer zur Verfügung hat, sind beispielsweise die Pause-Karte, die Fast-Forward-Karte und die STOP-Karte.

Die Pause-Karte kann man als Gruppenteilnehmer zeigen, wenn man das momentane Thema in der Gruppe weiter vertiefend diskutieren will.

Die Fast-Forward-Karte kann man zeigen, wenn man das Gefühl hat, dass man das Thema schon mehrmals bearbeitet hat. Diese Karte dient dazu, Diskussionsthemen beiseite zu legen und an einem anderen Punkt neu anzuknüpfen.

Die STOP-Karte kann gezogen werden, wenn man sich als einzelner Teilnehmer unwohl fühlt, die Diskussion vom Thema abweicht, oder man anderweitige Bedenken mit dem diskutierten Sachverhalt hat.

Die Eigenmoderation einer Gruppe hat nur dann Wirkung, wenn den Moderationshilfen ein direkter Aufforderungscharakter innewohnt. Ein Moderator ist daher in der Verantwortung diese Instrumente einzuführen, deren Regeln zu erläutern und die Einhaltung dieser durchzusetzen. Ungeachtet der Position des Gruppenteilnehmers innerhalb des Unternehmens (z.B. CEO, Führungskraft etc.), sollten Themenkarten ohne Bedenken gezogen werden können. Nur dann erhalten diese Moderationshilfen den nötigen Einfluss auf eine Diskussion.

 

Fazit

 

Ein/e gute/r ModeratorIn ist also genau der- oder diejenige, der/ die sich selbst in Gruppenprozessen zurücknehmen kann, allparteilich ist und die Gruppe durch geschickte Fragen und Maßnahmen auf das zuvor definierte Ziel hinarbeiten lässt. Es ist definitiv schwer, eine solche Rolle in einer Gruppe zu übernehmen, aber auch eine bedeutungsvolle Aufgabe. ModeratorInnen schaffen es, das gemeinsame, übergeordnete Ziel dadurch zu erreichen, dass sie den allgemeinen Konsens herausarbeiten und für alle sichtbar fixieren. Die so gefundene Einigung zu einem bestimmten Thema bedeutet ein hohes Mitarbeitercommitment und eine große Zufriedenheit in der Gruppe.

 

"With great power comes great responsibility“

von Onkel Ben (Spiderman)

 

Literatur

Dauscher, U. (2006). Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt (3. Aufl.)

Freimuth, J., Barth, T. (2014). Handbuch Moderation: Konzepte, Anwendungen und Entwicklungen

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