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Digital Detox: Der Verzicht der „Droge Handy“ am Arbeitsplatz

Lesezeit: 5 Min.

Dopaminkick Handy: Studien zufolge berühren wir unser Handy am Tag im Schnitt ca. 2.600 Mal. Schuld, dass wir uns in die Abhängigkeit unseres Smartphones begeben, ist das Hormon Dopamin, das uns mit jedem Klick ein wohliges Gefühl verschafft. In diesem Artikel plädiere ich für einen Digital Detox am Arbeitsplatz, denn der Verzicht auf die „Droge Handy“ bringt viele Vorteile mit sich.

Aufmerksamkeitsräuber Handy

Angelehnt an meinen letzten Artikel, ergab sich die Fragestellung, wie gesteigerte Produktivität am Arbeitsplatz gelingen kann und wie die Voraussetzungen für ein erhöhtes Wohlbefinden mit einer verbesserten Work-Life-Balance aussehen. Wie bereits in meinem letzten Artikel erwähnt, sind neue Arbeitsmodelle in aller Munde. Grund der Debatte um die erfolgreichsten Arbeitsmodelle sind neue Studien die zu belegen scheinen, dass der mediale Mensch im 21. Jahrhundert eine immer kleiner werdende Aufmerksamkeitsspanne hat. Der Januskopf unserer Zeit ist dabei, dass uns einerseits das ständige „task-switching“ abverlangt wird. Instant Message Programme wie Whatsapp suggerieren uns, dass wir sofort auf eine soeben erhaltene Nachricht antworten sollten, Push Benachrichtigungen weisen freundlich daraufhin, dass die Welt nicht stillsteht, während unser Handy in der Tasche schlummert. Andererseits ist die Aufmerksamkeit ein Muskel, der trainiert werden will. Denn ohne, dass man sich ohne jegliche Ablenkung hinsetzt, verkümmert die Aufmerksamkeitsspanne regelrecht, sodass man es über kurz oder lang nicht mehr schafft, sich über mehrere Minuten mit nur einer Aufgabe intensiv auseinanderzusetzen. Im Internet kursiert sogar eine angebliche Studie darüber, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne geringer ist, als die eines Goldfisches. Die Glaubwürdigkeit dieser Studie können Sie sich selbst ausmalen, jedoch stimmt der Grundtenor hinter dieser Aussage: Wir sind heute zu unfokussiert, zu abgelenkt, zu zappelig- unsere Aufmerksamkeitsspanne sinkt!

Was ist eigentlich Aufmerksamkeit?

Aufmerksamkeit lässt sich als eine Ressourcenaktivierung beschreiben, die darauf abzielt, bewusst aus einem Reizangebot einzelne Stimuli auszuwählen und dabei irrelevante Reize auszublenden.  In der Kognitiven Psychologie nennt man dies auch selektive Aufmerksamkeit. Bei zwei gleichzeitig auftretenden relevanten Reizen (z.B. wenn meine Kollegin mit mir spricht, während ich am Telefon ein Kundengespräch führe), muss ich meine Aufmerksamkeit teilen. Je ähnlicher sich die beiden Aufgaben sind, desto schwieriger wird es für mich, meine Leistung in beiden Aufgaben abzurufen. Wenn ich also gleichzeitig ein Hörbuch höre und währenddessen eine Email schreiben muss, werde ich höchst wahrscheinlich auf große Schwierigkeiten stoßen, beide Aufgaben so zu lösen, wie ich es tun würde, wenn mir nur eine der beiden Aufgaben gestellt werden würde. Wenn ich allerdings ein Hörbuch höre, während ich auf dem Heimtrainer sitze, werde ich meine Aufmerksamkeit leichter auf die Geschichte fokussieren können, weil das Hören des Hörbuchs meine kognitiven Ressourcen fordert, das Radeln allerdings lediglich routinierter Ablauf bedeutet.

Whatsapp, Facebook und Co. haben deutlich zu der Entwicklung beigetragen, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne abnimmt. Im Durchschnitt aktivieren wir unser Handy am Tag ca. 80 Mal. Und sind rund 3 Stunden pro Tag am Handy aktiv. Dabei benutzen wir keineswegs unser Telefon dazu, wofür es einmal gedacht war. Wir benutzen unser Handy um Musik zu hören, Spiele zu spielen, checken unsere Banking App und tracken unsere Sportaktivitäten. Über 50% der Zeit nutzen wir es für Spiele und Social Media. Laut einer Studie lassen wir uns bei der Arbeit rund alle drei Minuten ablenken, dabei eingerechnet sowohl freiwillige Ablenkung (z.B. wenn der Kollege ein lustiges Bild per Whatsapp sendet), als auch unfreiwillige, durch die Arbeit bedingte Ablenkung (z.B. durch einen Anruf).

Dopaminkick Handy

Wieso wir uns so leicht von Sozialen Medien ablenken lassen ist für Hirnforscher klar: Grund für eine regelrechte Abhängigkeit vom Smartphone ist das Hormon Dopamin. Dieses wird jedes Mal ausgeschüttet, wenn unsere Push Benachrichtigungen am Handy aufleuchten oder wenn wir beispielsweise in einem Feed scrollen. Der überraschende Moment kickt. Wer sein Handy übermäßig viel nutzt und sich dabei erwischt, wie man beim Entsperren des Handys immer dieselbe Fingerbewegung zu seiner liebsten App macht oder morgens nach dem Aufstehen direkt seinen Social Media Feed checkt, der sollte sich darüber Gedanken machen, mal eine App zur Nutzungszeit zu installieren (gibt es beispielsweise von „Menthal“, die die Daten dazu nutzen, Statistiken über das Nutzungsverhalten aufzustellen).

Immer mehr Menschen entdecken die Vorteile von einem "Handy-Detox". Detox bedeutet dabei beispielsweise für 30 Tage keinen Social Media Konsum, oder 30 Tage lang keine Handyspiele zu spielen. Abstinente berichten, dass Sie sich schon nach kurzer Zeit wohler fühlen, die allgemeine Zufriedenheit nimmt zu, die Aufmerksamkeitsspanne vergrößert sich. Am Arbeitsplatz kann man alle Ressourcen auf die anstehenden Aufgaben fokussieren, sodass man weniger müde und ausgelaugt nach der Arbeit nach Hause geht. Da die ständige Erreichbarkeit unglaublich viele kognitive Ressourcen zieht, hat man während einer Handy-, Internet- oder Spielabstinenz mehr Energie, sich auf Freizeitaktivitäten einzulassen.

Das Arbeitszeitkonzept der Spieleappentwicklung Filimundus sieht seit 2014 ein 6-Stunden-Modell vor. Für den Firmenchef Linus Feldt ist klar: Wenn wir produktiver werden, können wir weniger arbeiten. Von seinen Mitarbeiter verlangt er, dass sie Facebook und Co. während des Arbeitstages beiseitelegen. Das führt dazu, dass sich während der sechs Stunden Arbeitszeit um die Aufgaben gekümmert wird, die für das Unternehmen relevant sind. Zwei Stunden weniger arbeiten bedeutet für Feldt also nicht, dass zwei Stunden an Arbeitszeit verloren gehen, sondern es wird lediglich die Zeit gekürzt, in der sich seine Mitarbeiter aufgrund von Konzentrationsmangel in einem 8-Stunden-Tag anderweitig beschäftigen.

Fazit

Nicht nur der Chef und Ihre Kollegen werden es Ihnen danken, wenn Sie die handyfreie Zeit einmal ausprobieren. In den ersten Tagen meldet sich mit Sicherheit der innere Schweinehund, der Ihnen weismachen will, dass dieses Projekt doch eigentlich Quatsch ist. Doch dranbleiben lohnt sich. Nach einem Monat „Digital Detox“ werden Sie die genannten Veränderungen selbst feststellen und sind glücklich darüber, dass sie wesentlich fokussierter und ausgeglichener sind. Was werden Sie mit den drei gewonnen Stunden Handyzeit pro Tag machen?

 

Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann,
wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat,
sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann

von Antoine de Saint-Exupéry

 

Literatur

https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/aufmerksamkeit/1655

https://www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/allg/lehre/wct/w/w9_aufmerksamkeit/w960_theorien.htm

http://www.guter-rat.de/besser-leben/lifestyle/die-neue-droge-heisst-smartphone-wie-viel-handy-ist-gesund

https://www.britannica.com/science/attention

https://www.stepstone.at/Karriere-Bewerbungstipps/digital-detox-was-bleibt-nach-dem-urlaub-ubrig/

https://blog.dscout.com/mobile-touches

https://www.google.at/amp/s/www.sueddeutsche.de/karriere/arbeitszeiten-wenn-weniger-mehr-sein-soll-1.3318307!amp

https://www.youtube.com/watch?v=_HEnohs6yYw

Salvucci, D. D., & Taatgen, N. A. (2011). The multitasking mind.

Salvucci, D. D., Taatgen, N. A., & Borst, J. P. (2009). Toward a unified theory of the multitasking continuum: From concurrent performance to task switching, interruption, and resumption.

Prabu, David (2014). Mobile phone distraction while studying

Ionut Andone (2016) Menthal - Running a Science Project as a Start-Up

Rosen_Carrier_Cheever (2013) Facebook and Texting Made Me Do It – Media Induced Task-Switching While Studying

Gloria Mark, Daniela Gudith and Ulrich Klocke (2008) The Cost of Interrupted Work: More Speed and Stress

Buchtipp: The Five Hour Workday; Stephan Aarstol

 

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