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Adaptive Unternehmenskultur: Agilität im Systemdschungel

Lesezeit: 4 Min.

Im ersten Teil (Auf den Kern gebracht #6: Unternehmenskultur) der Reihe Unternehmenskultur ging es darum, was Unternehmenskultur eigentlich bedeutet, wie sie entsteht und weshalb eine stabile Unternehmenskultur unerlässlich für den Unternehmenserfolg ist. In dieser Woche soll es darum gehen, welche externen Einflüsse Auswirkungen auf die Unternehmenskultur und dessen Agilität haben, und wie es gelingen kann, eine adaptive und agile Unternehmenskultur zu entwickeln. 

 

Heutzutage gibt es mehr denn je eine Reihe von äußeren Einflussfaktoren, die auf ein Unternehmen und dessen Kultur einwirken. Dazu zählen nicht nur technologische und ökonomische Faktoren, sondern auch kulturelle und soziopolitische, die maßgeblich für die Agilität eines Unternehmens verantwortlich sind. 

Die wohl augenscheinlichste Veränderung ist wohl mit Abstand die ständige Beschleunigung, die auch außerhalb von Unternehmen sämtliche Lebensbereiche durchdringt. Ausgehend davon werde ich ausgewählte Einflussfaktoren aufzeigen, die sich in der Kultur der Unternehmen niederschlagen. 

1. Der gesellschaftliche (Werte-) Wandel

1.1 Generation Y

Grundsätzlich hat jeder externe Umfeldeinfluss auch immer interne Auswirkungen im Unternehmen selbst. Dementsprechend wirken sich beispielsweise gesellschaftliche Veränderungen auch unternehmensintern aus und prägen indirekt auch die Unternehmenskultur. 

Ein Beispiel ist hier die immer größer werdende Bedeutung der Generation Y (Falls Ihnen dieser Begriff nicht geläufig ist, können Sie im Glossar nachlesen, was er bedeutet.) Laut des statistischen Bundesamtes zählen rund 20 % der Generation Y zu den Arbeitskräften in Unternehmen. Den gesellschaftlichen Wertewandel, der sich in Alltag bereits vollzieht, tragen diese jungen Menschen auch zunehmend in ihren Beruf. Vermehrt fordert diese junge Generation eine Vereinbarkeit zwischen Freizeit und Arbeit. Da diese Menschen zukünftig die Manager in den Unternehmen ersetzen werden, haben Sie im Zuge des demographischen Wandels ein Ass im Ärmel. Unternehmen werden sich also über kurz oder lang damit auseinandersetzen müssen, wie sich die Unternehmenskultur dahingehend entwickeln kann, Mitarbeitern einen sinnhaften Beruf mit fairen Arbeitszeiten und flexiblem Arbeitsmodell bieten zu können, um dieser Generation gerecht werden zu können. Aber auch die Vereinbarkeit mit der älteren Generation, für die es selbstverständlich ist, die Arbeit als Berufung anzusehen und somit die Freizeit dem unterzuordnen, ist ein Problemfeld, das es zu bewältigen gilt. 

Interessante Möglichkeiten zur Maßnahmengestaltung für eine Moderation des Generationenkonfliktes innerhalb eines Unternehmens wären beispielsweise die Möglichkeiten des Jobsharings, in dem sich zwei Teilzeitkräfte die Arbeit eines ursprünglichen Vollzeitmitarbeiters teilen. Eine andere Perspektive für die Generation Y stellt die Möglichkeit einer Auszeit dar (sei es in Form eines Sabbatjahres, zur Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen). Außerdem können die Vermittlung von Betreuungsplätzen oder die Inanspruchnahme von unbezahltem Urlaub zukünftige Mitarbeiter der Millennials dazu bewegen, sich einem solchen Unternehmen anzuschließen. 

In diesem Beispiel lassen sich Gegenmaßnahmen zur rasanten Beschleunigung des Lebens feststellen. Die Generation Y, die als erste Generation mit der Technisierung aufgewachsen ist, versucht dieser Beschleunigung entgegenzuwirken. 

1.2 Das Wirtschaftssystem

Das kapitalistische Wirtschaftssystem beeinflusst auch maßgeblich unsere Gesellschaft. Der Wirtschaftsprofessor Sandel von der Harvard Universität betont, dass auch unsere Lebensbereiche außerhalb des wirtschaftlichen Kontextes nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage gestaltet werden. Diese Werte stehen in starkem Kontrast zu dem, was Gesellschaften und Unternehmenskulturen funktionieren lassen, wie beispielsweise Verlässlichkeit, Empathie, Rücksichtnahme und ehrliche Kommunikation. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Werte ein Unternehmen leben will und durch entsprechende Maßnahmen nach außen zeigen will. Wachsende psychische und physische Belastungen (z. B. Stress, Burnout) am Arbeitsplatz fordern nach Flexibilität, betrieblicher Gesundheitsvorsorge und psychoedukativen Maßnahmen (Aufklärung über psychische Gesundheit). 

2. Technologisierung (Networking, rasante Wissensproduktion)

Die Quantensprünge der technischen Industrie setzen auch Unternehmen, die nur indirekt mit der Wirtschaft zu tun haben, massiv unter Druck. Dieser Fortschritt hat dazu geführt, dass die Kommunikationsdichte weltweit enorm zugenommen hat und länderbasierte Monopole der Vergangenheit angehören. Umso wichtiger ist der offene Zugang zu Kommunikationslösungen innerhalb einer Unternehmenskultur. Künstliche Intelligenz und die Weiterentwicklung in der Robotik müssen zukünftig stärker in Unternehmensprozesse integriert werden. Ebenso muss man sich als Unternehmen die Frage stellen: Besitze ich momentan und auch in Zukunft ein Monopol mit meinen Produkten? Oder würde ich von einem offenen, internen sowie externen Informationsaustausch profitieren? Bin ich bereit, ausgemusterte Denkweisen über Bord zu werfen und mich für neue Erkenntnisse zu öffnen? Welche Form der Zusammenarbeit wird das Unternehmen in Zukunft sichern?

Die adaptive Unternehmenskultur

Die bereits gezeigten gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen verlangen nach einer Unternehmenskultur, die sowohl einen stabilen Kern hat, als auch anpassungsfähig an die sich ständig wandelnden Umfeldeinflüsse ist. Da die Unternehmenskultur stark davon abhängt, in welcher Branche sich das Unternehmen bewegt, gibt es kein Patentrezept, wie eine funktionierende Unternehmenskultur auszusehen hat. Dennoch gibt es Eigenschaften, die es Unternehmen leichter machen, auf dem Markt zu bestehen. 

Ist das Unternehmen bereit, sich mit Mitbewerbern und potenziellen Informationsquellen, wie Start-ups oder Universitäten auszutauschen? In diesem Fall führt dieses Networking dazu, voneinander zu lernen und sich als Unternehmen stetig weiterzuentwickeln. 

Ist das Unternehmen dazu in der Lage, Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden wahrzunehmen und in die zukünftigen Pläne miteinzubeziehen? Also: Besitzt das Unternehmen die Sensitivität, die Veränderungen zu registrieren? Diese Informationen sollten dazu genutzt werden, die Produkte bzw. Dienstleistungen des Unternehmens grundsätzlich am Kunden auszurichten. 

Ist das Unternehmen gewillt, die interne Kommunikation und den Informationsaustausch dazu zu nutzen, eine einheitliche Unternehmenskultur aufzubauen, in der jeder Mitarbeiter weiß, was der andere tut? Das Wissen darum, wofür das Unternehmen eigentlich steht und was andere Bereiche tun, um die Unternehmensziele zu erreichen, ist ein wichtiger Bestandteil eines übergeordneten Zusammengehörigkeitsgefühls. Wie bereits im Artikel Auf den Kern gebracht #6: Unternehmenskultur angesprochen, ist das Wissen um das Endprodukt von großer Bedeutung, damit die Motivation für die eigene Arbeit erhalten bleibt. 

Fazit

Letzten Endes hängt das Reaktionsvermögen und die Anpassung eines Unternehmens an äußere Einflussfaktoren maßgeblich davon ab, wie stabil (intern) und sensitiv (extern) es zugleich ist. 

In einer hoch technisierten Welt schaffen vor allem Kommunikation, Vertrauen und Empathie eine Basis, auf der sich Unternehmen (-skulturen) bilden können. 

 

Wer hohe Türme bauen will, muss lange am Fundament verweilen. 

Von Anton Bruckner (österreichischer Komponist)

 

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