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Level up: Führung verbessern durch Selbstreflexion

Lesezeit: 4 Min.

Eine gute Führungskraft ist für ein Unternehmen unbezahlbar. Führungskompetenz zeigt sich in vielen Facetten. Gute Führungskräfte haben die Fähigkeiten, Menschen zu führen, sie zu begeistern, mit ihnen gemeinsam Unternehmensziele zu verwirklichen. Sie haben Weitsicht in komplexen Themen und Mut, etwas Neues zu riskieren. Vor allem aber haben wirklich gute Führungskräfte soziale Kompetenzen und die Fähigkeit sich selbst und ihr Führungsverhalten zu reflektieren. Wieso Selbstreflexion dazu beiträgt, die Führungskompetenzen zu verbessern, lesen Sie in diesem Artikel.

Die Struktur von Unternehmen

Vor einigen Jahrzehnten waren Unternehmensstrukturen noch ganz anders aufgebaut. Obwohl laut des SOEP-Berichts des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung die Anzahl der Führungskräfte 2013 geringer war als 2002, entsteht grundsätzlich das Gefühl, dass immer mehr Mitarbeiter Führungsaufgaben übernehmen müssen. Jeder Mitarbeitende soll sich in Selbstführung lernen und Verantwortungsbereiche annehmen, die zuvor unter die Leitung der ihm/ ihr übergeordneten Führungskraft gefallen waren. Dementsprechend wünschen sich nun mehr Menschen Führungskompetenzen, weil sie sich in Positionen befinden, die andere Tätigkeitsfelder und Persönlichkeitseigenschaften erfordern.

Dies ist mitunter ein Grund dafür, dass der Markt für Literatur zur Herausbildung von Führungseigenschaften und das Finden des eigenen Führungsstils zurzeit so boomt. Die Grundlagenliteratur ist vielfältig, doch meist fehlt mir bei den ganzen Ratgebern der Aspekt der Selbstreflexion.

Was bedeutet Selbstreflexion?

Als Selbstreflexion bezeichnet man die kognitive Fähigkeit, über sich selbst nachzudenken. Im Unternehmenskontext geht es darum, sich selbst Fragen zum eigenen Führungsverhalten, zur Vision im Unternehmen und zu persönlichen Werten zu stellen. Die „Arbeit an sich selbst“ bedeutet also, sich auf Mitmenschen (ganz gleich, welche Position sie im Unternehmenskontext einnehmen) einzustellen und die Beziehung mit ihnen zu pflegen. Außerdem wird man sich im Laufe der Selbstreflexion darüber bewusst, wie man auf andere Menschen wirkt und wie man lernen kann, selbstsicherer und emphatischer zu sein. Man wird sich seiner Rollen- und Beziehungsmuster klar und ist aufgrund dessen eher in der Lage, sie zu durchbrechen, damit sich schlechte Angewohnheiten nicht verfestigen.  

Mut zur Wahrheit

Selbstreflexion ist schmerzhaft, aber sinnvoll. Das Erkennen eigener (Fehl-)entscheidungen, Stärken aber auch Schwächen lässt uns selbstbewusster werden in dem, was wir tun. Wir erkennen, welche Wirkung wir auf unser Gegenüber haben, in welchen Situationen wir anders hätten reagieren müssen und welche zwischenmenschlichen Kompetenzen uns zu besseren Führungskräften werden lassen. 

Selbstreflexion ist aber auch eine leidvolle Erfahrung, denn wir als Individuen versuchen stets, unser Selbst zu schützen. Das Selbst (englisch: „me“) wird mit etwa ab dem zweiten Lebensjahr herausgebildet. In diesem Alter kann man Kinder dabei beobachten, wie sie sich selbst im Spiegele erkennen. Zunächst umfasst es rein körperliche Empfindungen, wie Aussehen, Alter und Geschlecht. Später kommen dann Weltanschauung, soziale Rollen und Werte hinzu und prägen sozusagen die Selbstbewertung. Das Selbstkonzept umfasst also alle Eigenschaften und Charakteristiken, die mich als Individuum ausmachen, und entwickelt sich aus zwischenmenschlichen Interaktionen. Das Selbstkonzept geht also über die rein biologische Betrachtung des eigenen Ichs (englisch „I“) hinaus.

Als Individuum bildet man aus Reaktionen und Zuschreibungen von seinen Mitmenschen sich selbst gegenüber, seinen Erinnerungen und Handlungen ein Konzept darüber, wer man wirklich ist. Wenn dies im Kern erschüttert wird, nimmt man eine Abwehrhaltung ein, um das eigene Selbst aufrecht zu erhalten. Genau aus diesem Grund fällt es uns so schwer, uns selbst zu reflektieren und diese Schutzhülle fallen zu lassen. Durch diese Abwehrhaltung versuchen wir unser Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten, das sich in unserer heutigen individualistisch-narzisstisch geprägten westlichen Kultur häufig durch eine auf Äußerlichkeiten und Fähigkeiten fixierte Fremdbeurteilung ergibt. 

Wie kann ich mich als Führungskraft selbst reflektieren?

Zunächst einmal ist es wichtig, sich grundlegende Fragen zu stellen

  • Was macht eine gute Führungskraft aus?
  • Und wie will ich als Führungskraft sein? (Vielleicht kennen Sie ja aus Ihrem direkten Umfeld bereits sehr gute Führungskräfte und können Eigenschaften ableiten, die diese Person als Leader so vorbildlich macht.)
  • Was sind meine unumstößlichen Kerneinstellungen?
  • Wie nehme ich mich in Interaktionen als Führungskraft wahr? (Selbstbeurteilung)
  • Und wie nehmen mich meine Mitarbeiter und Kollegen wahr? (Fremdbeurteilung) (in diesem Zusammenhang können Sie sich erneut fragen, ob Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind, ob Selbst- und Fremdbeurteilung gut zueinander passen oder ob Sie vielleicht ein anderes Bild von sich selbst haben, als andere von Ihnen)

Wenn Sie sich diese fundamentalen Fragen beantwortet haben, können Sie Ihre Wirkung auf andere besser einschätzen und in Bezug setzen zu Ihrem Ideal-Selbst. Sie können daran arbeiten, dass Sie bald Ihre positiv assoziierten Eigenschaften als gute Führungskraft ausstrahlen. Im Übrigen sind Befragungen innerhalb eines Unternehmens eine hervorragende Möglichkeit, die Rückmeldungen für Ihre Selbstreflexion zu nutzen.

Fazit

Im Unternehmen wird Ihre Reflexion bei Ihren Mitmenschen gut ankommen. Ihnen ist es nicht egal, wie Ihr Führungsstil von Ihren Mitarbeitern empfunden wird, sondern Sie legen viel Gewicht in die Fremdbeurteilungen Ihrer Mitarbeiter. Wenn Sie Fremd- und Selbstbeurteilungen in Bezug zueinander setzen, wird sich Ihr Führungsstil stärken und konsistenter nach außen wirken. Sie sind sozusagen „mit sich im Reinen“, was sich auch auf Ihre Entscheidungsfindung in komplexen Situationen widerspiegelt. Wenn Sie sich kritisch   mit Ihren Zielen, Wertvorstellungen und Handlungsmustern auseinandergesetzt haben, behindern diese Gedanken im Unternehmenskontext nicht mehr Ihr Arbeitsgedächtnis. Sie haben „Luft“ für wirklich wichtige verbale und nonverbale Informationen aus Ihrem Umfeld. 

Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt

mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande

von Johann Wolfgang von Goethe

 

Literatur

https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.561925.de/diwkompakt_2017-121.pdf

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