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Mitarbeiterbindung: 10 Tipps für weniger Fluktuation

Letzte Woche haben wir bereits besprochen, wie viele Kosten auf ein Unternehmen mit hoher Fluktuationsrate zukommen. Schließt man alle direkten und indirekten Kosten mit ein, die entstehen, wenn sich ein Mitarbeiter dazu entscheidet zu kündigen, kann dies dem Unternehmen bis zu sieben Monatsgehältern des Mitarbeiters kosten. Mit dieser Zahl im Hinterkopf wird vielen erst bewusst, wie wichtig die Prävention von Fluktuation ist und immer wichtiger wird. Denn nicht nur die Kosten spielen hier eine Rolle. Es wird auch schwieriger, hochqualifizierte Fachkräfte zu finden. Viele Unternehmen fürchten ihre Mitarbeiter nicht binden zu können und gerade in dieser schnelllebigen Zeit, in der Jobwechsel zum Alltag gehören, sind diese Befürchtungen auch berechtigt. Die frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema Fluktuation und Mitarbeiterbindung wird immer mehr zum Erfolgsfaktor. Die große Bedeutung von Mitarbeiterbindung ist vielen Unternehmen durchaus bewusst, rund 74 % der Unternehmensführung und Führungskräften sehen diese als eines der drei wichtigsten Themen in der Unternehmensphilosophie. (HR-Report 2012/2013 mit Schwerpunkt Mitarbeiterbindung)

Nun stellt sich die Frage, warum steigt die Fluktuation überhaupt und was kann man dagegen unternehmen? Im Beitrag der letzten Woche haben wir zwischen globalen und lokalen Faktoren unterschieden. Die globalen Faktoren sind wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Natur, worauf ein einzelnes Unternehmen nur schwer Einfluss hat. Die lokalen Faktoren betreffen hingegen das Unternehmen selbst und die Mitarbeiter, die dort arbeiten. Hier sollte ein Unternehmen ansetzen, denn es gibt Optimierungsbedarf. Hier gehts zum letzten Beitrag über Fluktuation: Fluktuationsrate: Der Leader unter den Kostenfressern

Tipps zur Steigerung der Mitarbeiterbindung

Natürlich ist die Mitarbeiterbindung nicht das Gegenteil von Fluktuation und nicht DIE Lösung für jedes Fluktuationsproblem. Es kann viele verschieden Gründe dafür geben, dass es in einem Betrieb einen regen Wechsel in der Belegschaft gibt. Dazu gehört die Mitarbeitermotivation, die Zufriedenheit, der Standort des Unternehmens und vor allem auch individuelle Gründe, sowie die Lebensumstände der Mitarbeiter. Nichts desto trotz, wenn viele Mitarbeiter aus heiteren Himmel ein Unternehmen verlassen, ist die logische Gegenmaßnahme der Versuch sie zu binden. Zur Unterstützung gibt es hier einige Tipps, wie man die Mitarbeiterbindung erhöhen kann. Manche der Tipps sind sofort umsetzbar, für andere braucht es etwas Zeit und auch viel Geduld.

Tipp 1: Arbeitsbedingungen anpassen

Die Arbeitsbedingungen sind definitiv ein Kündigungsgrund für so manchen Mitarbeiter. Versuchen Sie Ihren Mitarbeitern mit flexibleren Arbeitszeiten entgegenzukommen. Mit Gleitzeit oder der Möglichkeit einen Tag in der Woche Homeoffice zu betreiben, helfen Sie Ihren Mitarbeitern Arbeit mit Privatleben besser vereinen zu können.

Tipp 2: Unternehmenskultur klar kommunizieren

Arbeiten Sie an Ihrer Unternehmenskultur, was ist die Vision und Mission Ihres Unternehmens? So können Sie Ihren Mitarbeitern einen Sinn in ihrer Arbeit vermitteln und es steht ein übergeordnetes Ziel hinter allen Tätigkeiten. Darüber hinaus sollten Sie vermitteln, dass Sie ein offenes Ohr für Probleme oder Ideen haben und auch Unterstützung anbieten. Dabei ist sehr wichtig, dass diverse Anliegen auch ernst genommen und nicht unter den Tisch gekehrt werden. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter mitentscheiden und kreative Lösungsansätze entwickeln, so bleibt das ganze Unternehmen innovativ und die Bindung steigt.

Tipp 3: Arbeitsklima verbessern

Menschen brauchen Harmonie. Wird in einem Unternehmen ständig gestritten oder Mitarbeiter gemobbt, muss unbedingt eingegriffen und gegengesteuert werden. Auch Beziehungen zwischen den Mitarbeitern können die Fluktuationsrate mindern. Mentoren-Programme oder Patenschaften für Nachwuchskräfte können beispielsweise den Teamgeist stärken. Dazu gehören auch gemeinsame Fortbildungen oder Teambildung-Seminare. Auch als Führungskraft hat man einen großen Einfluss auf das Arbeitsklima in einem Unternehmen. Welche No Go's es an dieser Stelle gibt, finden Sie hier: No Go's, die das Arbeitsklima gefährden

Tipp 4: Wertschätzungs- und Anerkennungskultur etablieren

Mangelnde Anerkennung und Wertschätzung ist definitiv ein Kündigungsgrund. Versuchen Sie nicht weiter die Strategie „nicht geschimpft ist Lob genug“ zu fahren, sondern tatsächlich eine ehrliche Lobkultur zu pflegen und somit den Mitarbeiter das Gefühl zu geben ein wichtiger Teil der Firma zu sein. Am besten können Sie damit anfangen regelmäßige Mitarbeitergespräche einzuführen, in denen Sie Mitarbeiter für bisherigen Leistungen anerkennen und bei eventuellen Schwierigkeiten unterstützen können. Hierbei hat sich ein quartalsweiser Turnus bewiesen, denn Mitarbeiter bekommen hierdurch zeitnahes Feedback und erhalten ein regelmäßiges Lob. Hier finden Sie einen Beitrag zum Thema Dankbarkeit und Anerkennung im Betrieb.

Tipp 5: Kommunikation verbessern und Informationswege verkürzen

Die Kommunikation in einem Unternehmen stellt meist einen indirekten Kündigungsgrund dar. Müssen Informationen erst über 5 Ecken und 10 Hierarchieebenen geleitet werden, bevor alle Mitarbeiter von Veränderungen erfahren, kann dies sehr mühsam sein. Versuchen Sie Informationswege zu verkürzen und die Kommunikation transparent zu gestalten. Teilen Sie auch schlechte Nachrichten mit Ihren Mitarbeitern, das stärkt das Zusammengehörigkeits-Gefühl. Darüber hinaus ist darauf zu achten, keine Killerphrasen zu verwenden und in Ich-Form zu sprechen. Ein Teil einer positiven Kommunikation im Unternehmen ist auch das aktive Zuhören.

Tipp 6: Teamsitzungen und Mitarbeitergespräche einführen

Wie oben schon erwähnt, ist der Austausch mit Mitarbeitern von großer Bedeutung. Mitarbeiter sollten die Möglichkeit erhalten, Teamsitzungen abzuhalten um sich auszutauschen, Ideen und Innovationen zu entwickeln, um sich in die Unternehmensprozesse einbinden zu können. Darüber hinaus sollte jährlich eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt werden, um herauszufinden, was den Mitarbeitern fehlt bzw. was sie brauchen. Auch wenn hier nicht alle Wünsche erfüllt werden können, sollten diese ernstgenommen und auch kommuniziert werden, dass diese angekommen sind, jedoch derzeit aus diesen und jenen Gründen nicht umsetzbar sind. Also auch die Begründung der Nicht-Umsetzung ist wichtig, damit sich der Mitarbeiter gehört fühlt.

Tipp 7: Weiterentwicklungsmöglichkeiten bieten

Viele Mitarbeiter kommen irgendwann an den Punkt, an dem alles stillsteht. Sie können sich nicht mehr weiterentwickeln, jeden Tag der gleiche Trott, es gibt keine Herausforderungen mehr. Dies verleitet gerne dazu, sich in einem anderen Unternehmen neuen Aufgaben zu stellen. Dem müssen Sie entgegenwirken! Bieten Sie ihren Mitarbeitern mit verschiedenen Kursen und Ausbildungen an, sich weiterzuentwickeln um gegebenenfalls neue Aufgabengebiete zu übernehmen oder überhaupt in andere Abteilungen zu schnuppern.

Tipp 8: Arbeitgeberattraktivität steigern

Die Arbeitgeberattraktivität ist nicht nur ein wichtiges Maß, um Mitarbeiter in das Unternehmen zu holen, sondern auch um diese zu halten. In einer Studie der Universität St. Gallen zeigt sich, dass Mitarbeiter die in einem „attraktiven“ Unternehmen arbeiten, häufiger Verhaltensweisen zeigen, die dem Unternehmen nutzen (z.B. neue Ideen entwickeln, Commitment zeigen, Wunsch gute Leistungen abzuliefern), als jene, die sich negativ auswirken (z.B. Zeit absitzen, häufiger Krankenstand, Demotivation). Darüber hinaus sinkt die Kündigungsabsicht um ganze 19 %! Die Mitarbeiter betreiben zudem Werbung, indem sie Bekannten und Freunden das Unternehmen als Arbeitgeber weiterempfehlen. Förderer der Arbeitgeberattraktivität sind laut dieser Studie ein internes Unternehmertum, das Vertrauen und die Familienförderung sowie das Arbeitsklima, in dem produktive und angenehme Energien herrschen sollten. Mehr zu diesem Thema finden Sie hier: Arbeitgeberattraktivität

Tipp 9: Mitarbeitergesundheit fördern

Ihre Mitarbeiter dürfen keinesfalls das Gefühl haben, dass ihnen ihr Job auf lange Sicht gesundheitlich schadet. Es gibt eine Vielzahl an Menschen, die ganz klar sagen:“ Das momentane Arbeitspensum kann ich nicht auf Dauer fortsetzen!“. Die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter ist von großer Bedeutung, um sie auch auf lange Sicht im Unternehmen zu halten. Nach besonders stressigen Phasen ist es wichtig, für Regeneration zu sorgen. Wenn Ihre Mitarbeiter der Belastung nicht standhalten können, müssen Sie etwas unternehmen, indem Sie z.B. Personal aufstocken. Dazu sind ebenfalls Mitarbeitergespräche hilfreich. Ganz einfache Fragen wie: “Wie kann ich Sie in der momentan sehr hektischen Zeit am besten unterstützen? Was würde Ihnen am meisten helfen?“, zeigen ersten, dass Sie für die Mitarbeiter da sind und Sie können für Entlastung sorgen. Darüber hinaus kann die körperliche Gesundheit mit Hilfe von Gutscheinen für verschiedene Sportprojekte in der Region oder internen Kursen gestärkt werden. Hier finden Sie mehr zum Thema Gesundheitsrisiken durch steigendes Arbeitspensum.

Tipp 10: Monetäre Faktoren beachten

Auch wenn das Gehalt nicht alles ist, spielt es beim Jobwechsel jedoch oft eine Rolle. Wird man in einem Betrieb schlicht und weg unterbezahlt hat man das Gefühl, die Arbeit sei dem Unternehmen nicht mehr wert. Dem ist natürlich entgegenzuwirken indem man auf eine marktübliche Gehaltszahlung achtet.

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Ganzheitlicher Ansatz in der Mitarbeiterbindung

Es wird nicht ausreichen, sich eines der angeführten Themen zuzuwenden und umzusetzen, um die Mitarbeiterbindung nachhaltig zu stärken. Hier ist ein ganzheitlicher Ansatz von Nöten. Vom Recruiting, über Mitarbeiter- und Feedbackgespräche, sowie Mitarbeiterbefragungen bis hin zum Exit-Gespräch, gilt es zu analysieren, was Ihre Mitarbeiter brauchen und was sie antreibt, das Unternehmen zu verlassen oder eben zu bleiben.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Thema Fluktuation und Mitarbeiterbindung gemacht? Was würde Sie veranlassen sich von ein Unternehmen zu trennen und welche Gründe gibt es, zu bleiben?

Nach unserer Überzeugung gibt es kein größeres und wirksameres Mittel zu
wechselseitiger Bildung als das Zusammenarbeiten.
von Johann Wolfgang von Goethe

Literatur

  • Bruch, H., Fischer J.A., Färber J. (2015). Arbeitgeberattraktivität von innen betrachtet - Geschlechter- und Generationenfrage. Universität St. Gallen.
  • Breitschopf, K., Rump, J. (2012/2013). HR-Report 2012/2013 mit Schwerpunkt: Mitarbeiterbindung. Institut für Beschäftigung und Employability IBE im Auftrag der Hays AG.
Portrait Andreas Kerneder

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Andreas Kerneder
Gründer / Geschäftsführer
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Kommentar von Rottler |

Ein sehr grundsätzlicher Fehler innerhalb von vielen Unternehmen ist die organisierte Verantwortungslosigkeit. Ich fing im Januar bei meinem neuen AG an und wurde gleich in die Fertigung gesteckt, um den Technikern dort über die Schulter zu schauen und etwas zu lernen. Nur, dass diese bereits aus- und überlastet waren und entsprechend schroff reagierten. Ich fühlte mich sofort eingeschüchtert und teile meinem Chef dies auch mit. Nur dass dies nichts an der Situation geändert hat. Mit einer dünnen Personaldecke fährt man halt billiger und das ist auch der Grund, warum ich kaum als Zweittechniker draussen vor Ort war, um etwas zu lernen. Sehr vermutlich werde ich mal wieder meinen Hut nehmen. Love it, change it or leave it. Das eigentlich tragische neben dieser anonymen vornehmen Gier ist eigentlich die Kälte und das Kalkül dass hinter dieser Fassade zu finden ist - Dazu empfehle ich sehr das Buch von Heinz-Peter Röhr über Narzissmus. Positiveres berichte ich hoffentlich, wenn ich einen neuen besseren Job habe - hoffentlich.

Antwort von Anna Grunwaldt

Hallo Herr Rottler,

vielen Dank für Ihren offenen und ehrlichen Beitrag. Leider steht in vielen Unternehmen der Umsatz immer noch vor dem Menschen, ohne zu bedenken, dass der Mensch die Firma überhaupt erst zum Fliegen bringt. 
Gerne können Sie sich jederzeit unverbindlich an uns wenden, wenn Sie sich austauschen oder ein Feedback möchten.


Ich wünsche Ihnen, dass Sie bald einen neuen besseren Job finden und freue mich über positive Berichte in naher Zukunft. 


Herzliche Grüße 
Anna Grunwaldt