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Selbstvertrauen: Die Basis für gute Personalentwicklung

Innovative Unternehmen sind sich bewusst, dass die Qualität ihres Erfolgs erheblich von der Zufriedenheit der eigenen Mitarbeiter beeinflusst wird. Menschen, die mit sich im Einklang sind, strahlen Harmonie und Vertrauen aus, sind vital und motiviert, tragen folglich Zufriedenheit und Sicherheit auch nach außen. Diese Zufriedenheit und Harmonie fließt automatisch in jedes Produkt und jede Dienstleistung ein. Personalentwicklung bedeutet für die meisten Firmen den Aufbau von fachlichen Kompetenzen, das Aufzeigen von Karrierewegen und individuelle Führung des Einzelnen, Förderung sogenannter „Soft Skills“ sowie Trainings und Strategieworkshops für ganze Abteilungen. Beste Voraussetzungen für ein erfülltes Berufsleben also?

Sichtbare Auswirkungen

Ich lebe seit zweieinhalb Jahren in der Nähe von Stuttgart und bin oft dienstlich in der Innenstadt. Mein Beruf als Unternehmensberater erlaubt mir zudem direkten Einblick in die Unternehmenskulturen im weiten Umkreis. Meine Beobachtungen zeigen ein eindeutiges Bild der arbeitenden Gesellschaft, die hier in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands von innovativen Unternehmen und finanziellem Wohlstand geprägt ist. Was ich sehe sind Menschen, die rauchen, morgens als erstes nach Kaffee greifen (perfekt auch als to-go), viel schneller gehen, als ihre Beine mögen, Fast-Food konsumieren sowie oftmals Aggressivität und selbstsüchtiges Verhalten in Interaktionen miteinander zeigen. Würde man nicht als Außenstehender einen inspirierenden „Wow“-Effekt erwarten, sobald man diese Menschen trifft? Woher kommt also die Unstimmigkeit mit den einleitend genannten Fakten moderner Mitarbeiterentwicklung?

Back to the Roots

Gehen wir mal einen großen Schritt zurück davon und beginnen bei uns selbst, und zwar mit dem Punkt (Selbst-)Vertrauen. Die eigene Wertschätzung und damit folglich das Selbstvertrauen haben in unserer Gesellschaft einen niedrigen Stellenwert. Viele junge Menschen aller Altersgruppen haben aufgegeben, d.h. mit sich und der Welt innerlich abgeschlossen, haben einen Zustand akzeptiert, der weit unter ihrer Wahrheit liegt. Depressionen sind bereits bei der Altersgruppe um die 30 keine Seltenheit mehr. Laut psychomed.de bringen sich jährlich 9.000 Menschen in Deutschland selbst um, zehnmal mehr, also 100.000, bringen den Suizidversuch nicht bis zum Ende. Ursachen von Depressionen sind hauptsächlich ein Mangel an Zuwendung und zwischenmenschlichen Beziehungen und fehlender Wertschätzung.

Das Vertrauen in uns selbst

Nach Serge Benhayon haben etwa 90 % aller Frauen und 10 % aller Männer ein mangelndes Selbstvertrauen, weshalb sie sich und ihr Potential zurückhalten und sich nicht in Gänze zum Ausdruck bringen. Rund 90 % aller Männer und 10 % aller Frauen kompensieren diesen Mangel durch Überheblichkeit in solchen Bereichen, in deren Ausübung sie sicher sind, bzw. über ein spezifisches Fachwissen verfügen. Ist beispielsweise ein Mann sehr vielwissend in einem Thema, so wird er (meist unbewusst) das Gespräch um das Thema so lenken, oft auch höchst detailreich, dass er auf seinen Kenntnissen ruhen kann; er wirkt oberflächlich sicher und offen durch diese Managementstrategie, die er anwendet zum Schutz vor einer möglichen Zurückweisung und Abwertung oder Neid und Eifersucht. Die eigene Deutung einer Aussage oder einer Handlung des Gegenübers als Zurückweisung bzw. Abwertung kann aber nur aufgrund einer bereits lange bestehenden Selbst-Abwertung erfolgen. Derartige Interpretationen sind ein häufiger Grund für Missverständnisse in der Kommunikation und im Umgang mit Mitarbeitern in Unternehmen, die zu Eskalationen in Form von Mobbing, Angriff und Verteidigung, Wettkampf oder Opferhaltung und Angst führen können. Informationsdefizite durch Abgrenzung und informelle, kontraproduktive Prozesse sind damit vorprogrammiert und schaden der gesamten Belegschaft und den Kunden.

Selbstvertrauen braucht eine Basis

Wir müssen wissen, was wir mit einem gutem Gefühl dabei können und was nicht und auch wie genau wir es können und wie nicht. Wenn wir etwas erledigen mit einem schlechten Gefühl bei der Tätigkeit und es geht schief, ist es wie ein selbst auferlegter Fluch – wir haben es ja gleich gewusst und es hat sich bestätigt. Leider übertragen wir diese schmerzhafte Erfahrung auch auf viele Arbeiten, die uns wirklich liegen, einfach um „schlechte Erfahrungen“ nicht erneut zu erleben. Die Folge davon ist aber ein ständig schwankendes Selbstvertrauen, welchem wir mit dem Vermeiden von Höhen und Tiefen begegnen, um ein mittleres „stabiles“ Niveau und Gefühl mit uns zu haben. Ein typisches Beispiel dafür ist der coole Kollege, der anscheinend ständig „gut drauf“ ist. Für unseren Körper bleibt dieses Verhalten von Zurückhaltung jedoch nicht ohne Auswirkungen auf das vaskuläre System, nach Aussagen von Universal Medicine, Australien.

Viele Wege führen ans Ziel

Wenn wir gefragt wurden, wieviel 64 x 64 ist, kamen wir alle zum Ergebnis. Allerdings erhielt nur der Schnellste und der es laut sagte, das Lob des Lehrers. Die Anerkennung ist in unserem System also nicht die Zielerreichung, sondern an persönliche Erwartungen bezüglich der genauen Ausführungsweise geknüpft – in diesem Falle an die Vorstellungen des Lehrers. Jeder hat aber einen eigenen Weg zum Ergebnis: manche wissen es, andere schreiben es hin oder nehmen einen Taschenrechner oder zählen Murmeln. Dieses einfache Beispiel lässt sich übertragen auf die Ausführung jeglicher Tätigkeiten, Gestaltung von Arbeitszeiten usw.

Können Sie sich vorstellen, wie viel Aufwand wir darauf verwenden, nicht zu sein, wer wir sind?

Wir manipulieren uns in unserem Weg der Ausführung, um Anerkennung zu erhalten oder einen Job zu bekommen und zu behalten. Bei dieser Trennung von uns selbst sagen wir uns aber „Du machst es falsch, du kannst es nicht“, wodurch wir uns abwerten und damit unser Selbstvertrauen erheblich schwächen. Dies führt zu Zweifel, Angst und Unsicherheit mit Kontrolle. Wir verlieren jedoch niemals das Vertrauen, wenn wir uns selbst wertschätzen durch die Ausübung in unserer ureigenen Art und Weise. Dann reduzieren sich ebenfalls unsere Erwartungen und wir beginnen unsere Kollegen wertzuschätzen für genau das, was sie einbringen können auf eben ihrem Weg.

Wir sind nicht veranlagt alles richtig gut zu können

Daher ist jede Beurteilung in diese Richtung überflüssig und hinderlich, wie z.B. durch kann/kann nicht zu vergleichen, sowohl sich selbst mit anderen, wie auch andere miteinander, sondern einfach wertzuschätzen was der Andere kann. Es ist eine simple Entscheidung. Beispielsweise können wir andere wissen lassen, welchen Wert sie in der jeweiligen Situation bringen. Eine solche Kommunikation hat eine andere Qualität, als mitzuteilen, was der Einzelne falsch macht und was er tun soll. Wir müssen wissen, was wir richtig gut können für ein gesundes Selbstvertrauen, durch welches wir uns in jeder Situation halten können ohne zu argumentieren, selbst unter Kritik. Und dies ist nicht nur auf das Arbeitsumfeld bezogen, sondern umfasst gleichsam Freizeitaktivitäten und einfache Routinetätigkeiten, wie z.B. die persönliche Gehgeschwindigkeit und -dauer. Passen wir letztere bei einem Spaziergang an unseren Partner, oder in der Mittagspause an unsere Kollegen an, hinterlässt dies ebenfalls eine fremde Konfiguration in unserem Körper und wir missachten uns.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann.
Denn das zu wollen,
was er nicht kann, wäre töricht.

von Leonardo da Vinci

Wieviel Freiheitsgrad braucht also ein Mitarbeiter, um sein volles Potential zu leben? Und wie wird er sich diesem bewusst und traut sich nach Jahren der Zurückhaltung? Hier gibt es vor allem Bedarf auf der Führungsebene zum Erreichen von Verständnis, einander (An-)Erkennen sowie der geeigneten Herangehensweise. Wahre tief-innere Wertschätzung ist dafür der elementare Schlüssel, womit sich alles andere automatisch mit verändert.

Eine andere Form der Mitarbeiter-Entwicklung

Wertschätzung ist zugleich, was Mitarbeiter an ihrem Beruf, ihrer Arbeitsstelle, ihrer Firma wirklich honorieren durch Zuverlässigkeit, Loyalität und ein hohes Maß an Leistungsbereitschaft. Was würde geschehen, wenn die Geschäftsführung jeden Mitarbeiter als Chef betrachtet, unabhängig von der Position und den Aufgaben. Völlig unbekannte Fähigkeiten und Talente jenseits der bekannten Qualifikationen können dabei entdeckt, gefördert und expandiert werden zum Gemeinwohl. Hohe Motivation, Kreativität, Übernahme von Verantwortung und wahre Zusammenarbeit bedürfen keinerlei äußerer Anreize seitens des Unternehmens, sondern vielmehr einer anderen Form der Förderung zur wahren Mitarbeiterentwicklung. Neue Geschäftsideen und Produkte oder Technologien können entwickelt werden, die für alle Mitarbeiter von Nutzen sind. Der monetäre Geschäftserfolg wird zu einem Abfallprodukt von dem Wert, den die Firma lebt und somit jede Dienstleistung und jedes Produkt in sich weiter trägt zum Kunden. Es geht letztlich darum, unsere wahren Fähigkeiten zu schätzen, zu fördern und zu vereinen und damit eine fundierte, trag- und entwicklungsfähige Gemeinschaft zu bilden, aus der kein Mitarbeiter heraus fällt. Für die Personalentwicklung ist dies neben Fachkenntnissen und Handfertigkeiten immer mit entscheidend, denn davon hängen Kosten und Einarbeitungszeit ab, sowie Qualität und Zufriedenheit des Einzelnen und seinem Umfeld.

The only way to do great work is to love what you do

von Steve Jobs

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Ingo Klarenbach

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Kommentar von Claudia |

Ein interessanter Blog, der zu mehr Offenheit und ehrlicher Reflektion einlädt, ohne dabei mental "schwer" oder theoretisch zu werden, sondern die Frage stellt, welche Unternehmenskultur brauchen wir; eine, die weit über den Aspekt hinaus geht, dass Dinge funktionieren und auf Leistung ausgerichtet sind, sondern eine Qualität anbietet, die allen ein Angebot macht mitzuwirken.
In arbeite als Physiotherapeutin und Heilpraktikerin und sehe den Körper als ehrlichen "Befindlichkeitsanzeiger", der mir wieder spiegelt, wie ich mich fühle. Täglich erfahre ich in Gesprächen mit Patienten und auch aus meiner eigenen Erfahrung im Alltag, welchen großen Einfluss der Lebensbereich Arbeit auf uns und unseren Körper hat.
Sensibilität und Verbundenheit mit dem Körper ist noch immer eher die Ausnahme,
oft wird es sogar eher als ein Zeichen von Schwäche gesehen, dem es gilt entgegenzuwirken. Stattdessen begegnet mir oft Härte, mangelnde Vitalität, Resignation in der Praxis, ein Erschöpft-sein, weil wir mehr funktionieren , als aus unserem Innersten zu leben.
Auch Ansätze von betrieblicher Gesundheitsförderung sind mittlerweile wichtige Bausteine im betrieblichen Unternehmen und doch greifen sie manchmal nicht tief genug, treffen sie doch oft nicht den Kern, sondern schaffen nur die Illusion einer verbesserten
Unternehmensstruktur.
Natürlich kann man an dem Punkt sagen, so ist halt die Welt, wir sind eine Leistungsgesellschaft, da bleibt halt so manches und so mancher auf der Strecke und es als naive Betrachtungsweise abtun.
Aber spätestens an dem Punkt, wo der Körper nicht mehr mitspielt, wo die Schmerzen so stark sind, ist der Punkt erreicht und die Bereitschaft da, loszulassen und ein Umdenken ist erforderlich.
Was braucht es also wirklich für ein Miteinander und damit auch für ein gesundes Arbeitsklima?
Ein wichtiger Punkt wurde genannt, Wertschätzung, im Umgang mit sich selbst und dem anderen im dem Wissen, dass wir nur gemeinsam Größeres erreichen können.

Kommentar von Ingo Klarenbach |

Hallo Claudia,

das ist eine wertvolle und aufschlussreiche Ergänzung meiner Beobachtungen aus der Sicht einer Praktikerin, die genau mit diesen "Fällen" zu tun hat, wenn der Körper deutliche Symptome zeigt. Natürlich wirkt sich das Betriebsklima und die Unternehmenskultur auf die Gesundheit aus, aber auch der eigene Arbeitsstil.

Viel besser ist, es erst gar nicht soweit kommen zu lassen. Bestes Beispiel sind die Wochenenden und Urlaube, die der Erholung dienen. Das ist auch völlig notwendig und gut so, dass wir in unserem Land ein solches Bewusstsein entwickelt haben über die letzten hundertfünfzig Jahre der Industrialisierung. Doch für einen harmonischen All-Tag wäre es effektiver, weit vorher mal "auf die Bremse zu treten", bevor sich Regenerationsbedarf aufstaut. Denn erfahrungsgemäß ist der nach bereits weingen Tagen zurück am Arbeitsplatz aufgebraucht - und dann? Was hat sich verändert?

Ich erinnere mich, dass Freunde zu mir sagten "Ein Abend unter der Woche mit Dir ist wie ein ganzer Urlaub." Und ich hatte meistens volle Arbeitstage.
Es ist also möglich.