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Generation GO: High Potentials gehen wandern

Lesezeit: 4 Min.

Hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden stellt sich für Unternehmen immer mehr als Herausforderung dar. Studenten werden von der Universität abgeworben, bevor sie überhaupt ihren Abschluss in der Tasche haben und das Personalvermittlungs-geschäft boomt. Über Xing oder andere Plattformen versuchen Head-Hunter qualifizierte Mitarbeiter von ihrer jetzigen Stelle abzuwerben. Das Internet wird sozusagen als Mitarbeiterbörse verwendet, um die besten High Potentials zu ergattern. Um die qualifiziertesten Mitarbeiter in das eigene Unternehmen zu locken, muss man für den Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt auch attraktiv sein. Attraktiv nicht nur im Sinne von „viel Geld zahlen“, sondern das ganze Image, die Unternehmens- und Wertekultur und den Lifestyle, den das Unternehmen lebt.

War for Talents

Ich habe in letzter Zeit öfters den Ausdruck „War for Talents“ gelesen, denn der Kampf um die heiß begehrten Nachwuchs-Fachkräfte wird immer größer. In Zukunft soll es für Unternehmen immer schwerer werden, hochqualifizierte Fachkräfte zu finden. Laut einer Studie von Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) in Zusammenarbeit mit Monster.de (Recruiting Trends 2013) befürchten Unternehmen, dass sie Schwierigkeiten bei der Besetzung von ca. einem Drittel der offenen Stellen im Betrieb haben werden. Bei 5,7 Prozent der freien Stellen sehen sie keine Chance, diese zu besetzen.

Für gut ausgebildete Absolventen, die sich für „die richtige“ Ausbildung entschieden haben, ist das natürlich klasse, sie haben die Qual der Wahl und können sich aussuchen, in welchem Unternehmen sie tätig sein möchten. Bei dieser Entscheidung spielen für Arbeitnehmer immer häufiger menschliche Faktoren eine große Rolle und das Gehalt wird zur Nebensache.

Gründe für den „War for Talents“

Ich habe mich gefragt, welche Gründe es haben könnte, dass es für Unternehmen schwieriger wird, qualifizierte Fachkräfte zu finden, während die Arbeitslosigkeit immer weiter steigt. Hier habe ich einige Gründe aufgezählt, die Einfluss auf diese Entwicklung haben könnten.

Steigender Wettbewerb

Viele Unternehmen müssen sich auf dem internationalen Markt behaupten, die Konkurrenz wird immer größer. Hohe Qualität aber dennoch niedrige Preise. Diese Anforderungen und der hohe Druck können nur mit Hilfe von Spitzenmitarbeitern bewältigt werden, die zum Unternehmen passen. Nur wenn immer wieder neue qualifizierte Mitarbeiter ihren Weg in das Unternehmen finden, kann es auf Dauer konkurrenzfähig bleiben.

Fachkräftemangel

Zum einen sinkt die Geburtenrate stetig, was zu einem Mangel an Nachwuchs-Fachkräften führt. Darüber hinaus versuchen viele High Potentials ihr Glück im Ausland und möchten dort Erfahrungen sammeln. Auf der anderen Seite kommen auch viele gut ausgebildete Kräfte aus dem Ausland. Je flexibler sich der Arbeitsmarkt entwickelt, umso schwieriger ist es Mitarbeiter zu rekrutieren und diese auch zu halten. So werden bereits viele Studenten von Universitäten oder Fachhochschulen abgeworben und abgepasst.

Wissen und Kompetenzen

Die Jobs, die eine große Menge an Wissen und fachspezifische Kompetenzen voraussetzen nehmen in der Anzahl zu, während „alte“ Berufe, die vielleicht etwas weniger Wissen abverlangen, am Aussterben sind. Dadurch werden mehr Fachkräfte benötigt als noch vor 20 oder 30 Jahren. Darüber hinaus muss sich ein Unternehmen ständig weiterentwickeln, um nachhaltig erfolgreich zu bleiben. Dafür wird viel innovatives und kreatives Personal benötigt.

Wertewandel

Früher standen Sicherheit und ein hohes Gehalt ganz oben auf der Prioritätenliste von Arbeitnehmern. Hier hat sich allerdings einiges verändert, denn die High Potentials von heute und morgen suchen nach Flexibilität, einer ausgeglichenen Work-Life-Balance und persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten.

Generation GO

Die Gründe, warum sich Menschen für ein Unternehmen als Arbeitgeber entscheiden, haben sich über die Jahre definitiv stark verändert. Wie zuvor schon angeschnitten rückt das Gehalt immer stärker in den Hintergrund und menschliche Aspekte übernehmen die Führung auf der Prioritätenliste. Die Generation GO, ist flexibel, will die Welt erkunden, Erfahrungen sammeln und verharrt nicht Jahrzehnte im selben Betrieb. Darüber hinaus ist ihnen die Unternehmenskultur, das Betriebsklima, die Transparenz und der Sinn in der Arbeit besonders wichtig. Dennoch versuchen viele Arbeitgeber immer noch zukünftige Mitarbeiter mit Geld anzulocken. Das funktioniert vielleicht über einen begrenzten Zeitraum und bei gewissen Menschen, für nachhaltigen Erfolg sogt dies allerdings nicht. Mitarbeiterbindung und eine geringe Fluktuation können nur mit menschlichen Faktoren erreicht werden.

Steigerung der Arbeitgeberattraktivität

Laut einer aktuellen Studie von Kienbaum (HR-Klima Index 2016) ist vielen Unternehmen die Wichtigkeit der Arbeitgeberattraktivität durchaus bewusst. Die Steigerung der Attraktivität am Markt empfinden 60 % der Unternehmen in Österreich als die wichtigste Aufgabe im Personalbereich. Dazu sieht auch etwa die Hälfte der befragten Unternehmen den Bedarf an Verbesserungen in der Führungs- und Managementqualität. Denn nur so kann die Wettbewerbsfähigkeit auf lange Sicht gesichert werden.

Es zahlt sich aus, die Arbeitgeberattraktivität zu verbessern, denn laut einer Studie der Universität St. Gallen zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen attraktiven und unattraktiven Unternehmen in ihrer Leistungsfähigkeit. Attraktive Unternehmen erzielen eine um 16 % höhere Gesamtleistung, um 12 % mehr Innovation und um ebenfalls 12 % mehr Kundenbegeisterung. Außerdem wurde herausgefunden, dass die Attraktivität eines Unternehmens bei Frauen und der Generation Y besonders wichtig ist. Diese sind schneller bereit ein unattraktives Unternehmen zu verlassen, als Männer und ältere Arbeitnehmer.

Darüber hinaus können Kündigungsabsichten der Mitarbeiter und die Fluktuation gesenkt werden. Das Engagement, Commitment sowie die Begeisterung der Mitarbeiter steigt hingegen deutlich an.

Zusammenfassung High Potentials

Besonders interessant ist hier der Generationenvergleich. Die Generation Y zeigt sich in einem unattraktiven Unternehmen doppelt so stark emotional erschöpft, als die Generation X. Die Kündigungsabsichten sind bei der Generation Y ebenso deutlich höher. Auch im Vergleich zwischen Männern und Frauen gibt es hier viele Unterschiede. Männer legen mehr Wert auf Vertrauen, ein internes Unternehmertum und Familienorientierung. Frauen wünschen sich an erster Stelle ein internes Unternehmertum, darüber hinaus streben sie nach Lernmöglichkeiten und einer ergebnisorientierten, gesunden und inspirierenden Führung. (Trendstudie 2015 - Universität St. Gallen)

Natürlich kann man es nicht immer jedem Recht machen. Am wichtigsten ist meiner Meinung nach, dass sich zukünftige Mitarbeiter mit den Werten und der Unternehmenskultur eines Betriebes identifizieren können. Aus diesem Grund ist es für Unternehmen besonders wichtig, diese auch zu kommunizieren und nach außen zu tragen.

Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind.
von Henry Ford

 

Literatur:

  • Bruch, H., Fischer J.A., Färber J. (2015). Arbeitgeberattraktivität von innen betrachtet - Geschlechter- und Generationenfrage. Universität St. Gallen.
  • Weitzel T. (2013). Recruiting Trends 2013 von CHRIST und Monster.de
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Portrait Carina Andorfer

Autor

Carina Andorfer
Psychologin

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Kommentar von Ulrike Höhndorf |

Interessanter Artikel :)

Antwort von Carina Andorfer

Vielen Dank =)

Kommentar von Klaus Lindinger |

Hallo Frau Andorfer,

Sehr gut aufbereiteter und recherchierter Artikel! Würde mir wünschen in Kürze auch Lösungsansätze und die Thematik in Bezug auf meine, die Baby-Boomer-Generation zu ergänzen - stehe gerne für Input aus erster Hand zur Verfügung ;-)

Herzliche Grüße
Klaus Lindinger

Antwort von Carina Andorfer

Lieber Herr Lindinger!

Vielen herzlichen Dank, ich gebe mir Mühe =) Sehr gerne, ein Vergleich zur Baby Boom Generation wäre tatsächlich ein sehr spannendes Thema, vielen Dank für den Input! Haben Sie bereits eine Idee oder einen Vorschlag in welche Richtung es gehen könnte? Welche Erfahrungen haben Sie zu diesem Thema gemacht? Ein zugegebenermaßen sehr klischeehafter Gedanke dazu wäre, dass die Generation der Baby Boomer eher eine lange berufliche Karriere im selben Unternehmen anstrebte und die Generation Y flexibler ist und immer neue Herausforderungen in unterschiedlichen Betrieben sucht. Dadurch könnte sich der ganze Arbeitsmarkt stark verändern, wenn die Generation der Baby Boomer einmal in der Pension ist.

Liebe Grüße

Carina Andorfer

Kommentar von Geldgierer |

Ich glaube nicht , dass hier alles stimmt, meine Generation Y , hat das Lösen von Existenz auf dem ersten Platz.
Ich brauch einen Arbeitgeber der mir die finanzielle Garantie gibt, alles anderes kann Ich durch meine Tätigkeit schaffen.
Ja es ist arrogant, aber Jemand muss Ihre Rente bezahlen oder?

Antwort von Carina Andorfer

Lieber Geldgierer =)

Meine Darstellung der Generation Y war in der Tat sehr allgemein und klischeehaft beschrieben. Natürlich gibt es auch in dieser Generation unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Wertigkeiten. Seine eigene Existenz zu sichern, seine Wohnung bezahlen zu können, genügend Geld für Essen oder seine Familie zu verdienen, ist mit Sicherheit noch immer auf Platz eins unserer Bedürfnisse. Allerdings ist Geld nicht mehr der Hauptgrund, warum sich Bewerber für eine Stelle entscheiden. Wenn der Faktor "Existenz und Überleben" einmal gesichert ist, wird sich ein Bewerber eher für eine Stelle entscheiden, wo er einen Sinn in der Arbeit, eine gute Unternehmenskultur und den größeren Handlungsspielraum sieht. Auch wenn eine andere Stelle vielleicht mit mehr Geld vergütet worden wäre. 

Liebe Grüße,

Carina Andorfer