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Denkfehler: Die Top 5 der falschen Annahmen von Unternehmen

In den verschiedensten Gesprächen in Unternehmen sind mir immer wieder Denkfehler bei Geschäftsführern und Führungskräften aufgefallen, die schwerwiegende Folgen haben können. Ihre Meinungen und Annahmen sind meist wie in Stein gemeißelt und man muss einiges an Überzeugungsarbeit leisten, um Menschen dazu zu bringen, diese angeblichen Tatsachen zu hinterfragen. Einsicht ist bekannter Weise der erste Schritt zu Besserung. Diesem Sprichwort kann ich leider nicht ganz zustimmen. Wenn der Denkfehler einmal erkannt ist, heißt das leider noch lange nicht, dass in Zukunft auch tatsächlich etwas verändert wird. Ich möchte Ihnen heute die Top 5 der häufigsten Denkfehler von Geschäftsführern und Führungskräften vorstellen, die mir immer wieder unterkommen.

Platz 5 - "Das haben wir immer schon so gemacht!"

Weil man etwas immer schon so gemacht hat und dies auch nicht so schlecht funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass dies auch der beste Weg ist. Oft hört man dann Aussagen wie: „Naja der Umsatz stimmt ja, da können wir ja nicht so viel falsch machen!“. Das stimmt, „so viel“ vielleicht nicht, aber die Frage ist doch, wie könnte der Umsatz aussehen, wenn man die eigene Herangehensweise doch mal in Frage stellt und versucht sie zu optimieren? Außerdem gibt es noch immer Unternehmen, die ihre geplanten Umsätze mit Hilfe einer Schreckensherrschaft erreichen. Hier ist aber auch die Frage wie lange diese Strategie noch aufrecht erhalten werden kann.

Platz 4 - "Jede Maßnahme ist eine gute Maßnahme!"

Mal ehrlich, allein in Deutschland gibt es über 100.000 Unternehmensberater, von denen sicher 70% schlechte Maßnahmen anbieten und überhaupt keine Ahnung von der Thematik haben, weil sie eigentlich KFZ Techniker oder Elektrotechniker gelernt haben. Zu dem Titel Berater oder Coach kommt man leichter, als man denkt. Viele Maßnahmen kommen auch einfach zu spät. Stellen Sie sich von, in der letzten Mitarbeiterbefragung hat sich herausgestellt, dass es in ihrer Abteilung ein Kommunikationsproblem gibt. Sie haben sich gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern viele Gedanken gemacht, wie man diese verbessern könnte und Ihre entworfenen Maßnahmen tragen bereits Früchte. Ihr Vorgesetzter schickt Sie aber trotzdem 6 Monate später in ein Kommunikationstraining, weil zuvor keine zeitlichen Ressourcen gefunden wurden. Wie würden Sie sich fühlen? Vermutlich hätten Sie das Gefühl, dass Ihre Bemühungen, das Problem selbst anzugehen, gar nicht gesehen, geschweige denn wertgeschätzt werden. Nun sitzen Sie in einem sinnlosen 0-8-15 Seminar, obwohl ihr Hauptproblem zu diesem Zeitpunkt ganz wo anders liegt. Durch solche Maßnahmen, die überhaupt nichts bringen und keinen Mehrwert bieten, steigt die Frustration der Mitarbeiter, da sie ihre Zeit verschwendet haben, es keine Veränderung gibt und sie einfach nicht gehört werden.

Platz 3 - "Niedrige Fluktuation ist immer positiv!"

Viele Geschäftsführer prahlen mit ihren niedrigen Fluktuationsraten ohne einmal zu hinterfragen, welche Gründe es dafür geben könnte. Ist das Unternehmen tatsächlich so beliebt bei den Mitarbeitern, oder sind es demographische Faktoren, wie zum Beispiel, dass das Unternehmen in Buxtehude angesiedelt ist, es dort keinen anderen großen Arbeitgeber gibt? Es könnte ebenso an einer schlechten Situation am Arbeitsmarkt liegen, sodass viele Mitarbeiter Angst haben, zu kündigen, da sie keinen neuen Job finden könnten. Ansonsten kann ich mir nicht erklären, warum es bei lediglich 15 % gebundener Mitarbeiter in Deutschland immer noch Unternehmen mit einer Fluktuationsrate von 1 bis 2 % gibt. Eines am Rande, eine zu geringe Fluktuation kann auch negative Folgen haben, in Sachen Innovation und Entwicklung können zu wenig Wechsel in der Belegschaft zum Stillstand führen.

Platz 2 - "Es ist ausreichend meine Mitarbeiter alle 3 Jahre einen Fragebogen hinzuknallen!"

Eine Mitarbeiterbefragung hat ein Ziel: den Mitarbeitern eine anonyme Möglichkeit zu bieten, auszudrücken, was sie stört und was sie gerne ändern würden. Wenn ich als Mitarbeiter ein Problem habe, möchte ich aber gleich eine Lösung dafür finden und nicht 3 Jahre warten, um meine Meinung anbringen zu können. Soll heißen, die meisten Mitarbeiterbefragungen werden viel zu selten durchgeführt. Darüber hinaus sind die meisten diese Fragebögen nicht wissenschaftlich fundiert und messen einfach ins Blaue. Außerdem bekommt der Mitarbeiter selbst meist keine Auswertung über seine eigenen Ergebnisse, sondern über die gesamte Abteilung. Mitarbeitern wird die Sinnlosigkeit von solchen Befragungen sehr schnell klar, was sich meist in Frustration äußert und zu einem geringerem Commitment führt.

Platz 1 - „Wir wissen wo das Problem liegt, wir haben ein reines Maßnahmenproblem!“

Mein absoluter Favorit unter den Denkfehler und Fehleinschätzungen. Viele Geschäftsführer und Führungskräfte sind Meister der Analyse und meinen ganz genau zu wissen, was das Problem in ihrem Unternehmen ist. Dann engagieren sie den nächstbesten Trainer oder Coach, der eine passende Mappe parat hat um genau an dieser Problematik zu arbeiten. Mit solchen Annahmen schießen viele Geschäftsführer allerdings oft ins Blaue. Man interveniert an der Hauptproblematik vorbei und am Ende sind die Mitarbeiter noch gefrusteter als zuvor. Laut einer Studie von Kienbaum sind 60 % der Top Manager in Deutschland zum Beispiel davon überzeugt, dass Unternehmenskultur in ihrem Betrieb tatsächlich gelebt wird. Von den Mitarbeitern und Führungskräften in unteren Hierarchieebenen sind nur 30 % der gleichen Meinung. Das selbe Phänomen zeigt sich zum Thema „gemeinsame Ziele im Unternehmen“. Wieder haben die Topmanager das Gefühl, dass im Unternehmen Großteils alle an einem Strang ziehen, das Mittlere Management und der HR Bereich ist aber ganz anderer Meinung. Daran erkennt man, dass die Geschäftsführung oft keine Ahnung hat, welche Problemfelder es tatsächlich gibt und aus reinen Annahmen Entwicklungsfelder definieren um dahingehend Maßnahmen zu entwickeln. Das ist ungefähr so, als würde ich zum Arzt gehen und sagen ich hätte einen Tumor im Frontallappen, bitte nehmen Sie ihn sofort raus!

Das waren die Top 5 der häufigsten Denkfehler und falschen Annahmen von Geschäftsführern und Führungskräften, die nicht nur mir, sondern auch vielen Mitarbeitern das Leben schwer machen. Ich würde mir wirklich wünschen, dass solche Pauschalaussagen in Zukunft mehr reflektiert und hinterfragt werden. Ich würde mich freuen, mit Ihnen über dieses Thema zu diskutieren und in einen spannenden Austausch zu gehen. Schreiben Sie dazu einfach Ihr Kommentar unten in die Kommentarbox.

 

Einen Denkfehler macht der, der denkt, er mache keine Fehler

Von Raymund Krauleidis

Portrait Carina Andorfer

Autor

Carina Andorfer
Psychologin

Datum

Kommentare

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Kommentar von Ingo Christian |

Anlehnen an SixSigma und Kaizen bedeutet, willkürliche Aussagen und Standpunkte vermeiden helfen.

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