zweikern Killerphrasen

Killerphrasen: Die Todsünde der Kommunikation

Wenn man in der Kommunikation von sogenannten Killerphrasen spricht, dann stellen diese Sätze dar, was man in der zwischenmenschlichen Interaktion tunlichst vermeiden sollte. Sie sind die Todsünde des Miteinanders und resultieren eigentlich fast immer in Missverständnissen bzw. Konflikten.

Aber warum ist das so?

Was macht "gute" Killerphrasen aus?

Killerphrasen, auch Totschlagargumente genannt, sind inhaltlich nahezu leere Aussagen. Sie dienen ausschließlich dazu, Widerspruch zu verhindern oder den Gesprächspartner in seinem Dasein herabzusetzen. Sie werden faktisch nur eingesetzt, wenn kurzfristig Ziele auf Biegen und Brechen durchgesetzt werden wollen oder man sich in seiner Position innerhalb eines Gesprächs nicht wirklich wohl fühlt. Heißt, man geht gerne aus der Verteidigung in den Angriff, um seinen Standpunkt zu vertreten. Im Endeffekt passiert das aber nur, wenn keine alternativen und inhaltskräftigen Argumente zur Verfügung stehen. So ist es umso wichtiger, sich auf Diskussionen vorzubereiten und sich genau zu überlegen, wie eigene Bedürfnisse innerhalb eines Gesprächs berücksichtigt werden können.

Die TOP 10 der alltäglich gebrauchten Killerphrasen

Viele sagen sich selbst nun wahrscheinlich: "Inhaltsleere Argumente bringe ich nie!" Vielleicht ist das tatsächlich so. Aber in den nachfolgenden Platzierungen sind sehr wahrscheinlich Sätze dabei, die Sie zumindest schon einmal gehört haben.

Platz 10

"Wie doch jeder weiß,....."

Wenn ein Argument so beginnt, hat man eigentlich schon verloren. Wir sollten nicht von uns auf andere schließen und zumeist löst diese Form der Argumentation beim Gegenüber Unbehagen aus. Denn dieser "weiß" es vielleicht nicht.

Platz 9

"Das haben wir schon immer so gemacht!"

Um ehrlich zu sein, verstehe ich nicht im Geringsten, was diese Phrase erreichen soll. Jeder Vorschlag, der Veränderung und damit vielleicht sogar Verbesserung erzeugen soll, wird im Vorhinein abgewürgt, nur weil Dinge gemacht werden, wie sie immer schon gemacht wurden. Jeder von uns würde dieses Argument keinesfalls gelten lassen, wenn es darum geht, Arbeitsprozesse zu optimieren.

Platz 8

"Dafür sind sie viel zu jung. Glauben Sie mir, ich weiß das besser!"

Man wird einfach auf Faktoren reduziert, die nichts mit unserem Verstand und unseren Fähigkeiten zu tun haben. Ganz im Gegenteil, es sind Faktoren, dir wir, egal wie sehr wir uns anstrengen, nicht beeinflussen können. Was so etwas auslösen kann, ist vermutlich jedem klar. Wut!

Platz 7

"Dazu fehlt uns die Zeit!"

Hmm... In einem Unternehmen, in dem es darum geht, jeden Tag das Beste herauszuholen, sollte man sich die Zeit nehmen. Macht man sich als Mitarbeiter die Arbeit, Veränderungsvorschläge auszuarbeiten und bringt diese zur Diskussion, ist ein Abwimmeln auf diese Art mit Sicherheit kein Motivationsfaktor.

Platz 6

"Es gibt Wichtigeres zu tun!"

Jemand stellt sich ohne Begründung und ohne jegliche Diskussion über Ihren Standpunkt und wimmelt Sie ab. Nicht gerade die feine englische Art. Die Konsequenz ist sicherlich nicht produktiv.

Platz 5

"Das fällt nicht in meinen Verantwortungsbereich."

Wenn man einen direkten Ansprechpartner sucht, um sein Anliegen vorzubringen, ist es frustrierend immer wieder auf diese Phrase zu stoßen. Hier bleibt in weiterer Folge nur eine Antwort: "In welchen Verantwortungsbereich fällt es denn?"

Platz 4

"Das geht nicht!"

Warum geht das nicht? Man sollte darauf achten, immer zu begründen, warum etwas nicht umsetzbar ist. Ansonsten führt dies beim Gegenüber zu Frustration.

Platz 3

"Das hat doch keinen Sinn."

Stimmt. Diese Aussage ist inhaltslos und hat damit keinen Sinn.

Platz 2

"Haben Sie keine anderen Sorgen?"

Dieser Satz dient in dieser Form keinesfalls der tatsächlichen Nachfrage, ob es noch andere Punkte gibt, die ich aufgreifen möchte. Nein, diese Phrase dient lediglich dazu, dem Gegenüber zu vermitteln, dass diese Aussage keinerlei Interesse vorfindet.

Platz 1

"Daran sind schon ganz andere gescheitert."

Ach ja? Wir sind aber nicht "ganz andere". Jeder von uns bringt eigene Ideen und Gedanken mit sich, die es ermöglichen Aufgaben zu lösen. In stressigen Momenten hilft es nichts so etwas zu hören. Im Gegenteil! So nimmt man demjenigen das Selbstvertrauen, die Aufgabe tatsächlich zu bewältigen.

Wie man den Top 10 entnehmen kann, führt keiner dieser Aussagen dazu, mich wohl zu fühlen. Nein, es schafft Frustration und im schlimmsten Fall löse ich damit eine gewisse Hemmung aus, mich weiterhin mit der Thematik zu beschäftigen.

Abwehrmöglichkeiten auf Killerphrasen?

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit auf Killerphrasen zu reagieren und so dem Gegenüber den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Antworten (Auf Sachebene zurückführen)

So legt man die Killerphrase in die Dienste des Verteidigers. Allerdings sollte man beachten, sich auf keinen Fall aus dem Konzept bringen zu lassen.

Rückfrage (Die sachliche Präzisierung)

Allerdings ist dies oft aufgrund der Inhaltsleere schwer durchzuführen. Zusätzlich bekommt der Kommunikationspartner zu viel Redezeit. So könnte er im schlimmsten Fall seinen Angriff gegen Sie ausbauen.

Killerphrase thematisieren

Ich spreche die Person darauf an, dass ich seine Aussage als Angriff werte und frage nach, warum so etwas nötig ist.

 

Man sollte auf keinen Fall mit einem Gegenangriff antworten. Es ist wichtig zu versuchen, dem Gesprächspartner den Wind aus den Segeln zu nehmen, um so wieder auf eine konstruktive Basis zurückzufinden.

 

Es ist nicht mein Ziel, geliebt zu werden. Mir genügt es,
wenn man mich respektiert.
Armand Jean du Plessis Richelieu

 

Portrait Andreas Kerneder

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Andreas Kerneder
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Kommentar von Sebastian Klaus |

Guten Tag, ich bin durch Zufall im Rahmen diverserer Recherchen hier gelandet – und hängen geblieben. Sehr richtig, was Sie hier schreiben. Vor allem Punkt 9 lässt bei mir immer viel Unbehagen entstehen – wo die Aussage „Das haben wir schon immer so gemacht!“ doch jegliche Neuerung im Keim ersticken kann. Fast genauso schlimm finde ich es aber, wenn man mich fragt: „Wie war Ihr Name?“ – Mein einziger Gedanke in diesem Moment: „Menno! Ich heiße immer noch so. Es IST mein Name!“

Antwort von Andreas Kerneder

Hallo Sebastian, vielen Dank für deinen tollen Kommentar. Du hast natürlich Recht mit dem, was du schreibst und wir alle sollten in Zukunft mehr darauf achten, auf diese Art von Sätzen zu verzichten.

Kommentar von Phil |

Hallo Andreas,
Killerphrasen sind wahnsinnig nervig. Vor allem können Sie Meetings komplett zerstören. Deine Top-10-Liste kann ich vorbehaltlos so teilen. Deshalb habe ich mich auch vor einer weile schon damit beschäftigt wie man möglichst gut darauf reagieren kann.

Dabei ist auch ein kleines Bullshit-Bingo-Spiel entstanden. Vielleicht ist das ja auch was für dich. http://mindboosting.com/blog/killerphrasen-im-meeting-kreativitaetskiller.htm

VG,
Phil