Episode 37: Eine Überdosis Vitamin B
Jonas hat mal wieder einen interessanten Artikel gelesen, der besagt, dass eine Vielzahl von Bewerbungen in Unternehmen auf Vetternwirtschaft bzw. Vitamin B basieren. Doch hierbei spielt hauptsächlich das zwischenmenschliche Miteinander eine Rolle und die Expertise rückt in den Hintergrund.

In Episode 37 des Podcasts „KERNTALK – Senf statt Sänfte“ widmen sich Jonas und Andreas einem Thema, das in vielen Unternehmen Realität ist: Vetternwirtschaft, auch bekannt als Vitamin B. Gerade in der Vorweihnachtszeit, wenn die Familie näher zusammenrückt, lässt sich ein Blick auf die Rolle von Beziehungen und persönlichen Empfehlungen im Berufsleben werfen. Doch wie wirkt sich Vetternwirtschaft auf Unternehmen aus? Und wann wird aus einem nützlichen Vitamin eine schädliche Dosis?
Jonas teilt in dieser Episode seine Gedanken zu einem Artikel, der das Thema genauer beleuchtet. Er und Andreas diskutieren, warum ein gewisses Maß an Beziehungen im Beruf nicht nur normal, sondern auch hilfreich sein kann – und ab wann der „Vitaminüberschuss“ zu Problemen führt. Dabei müssen sie sich eingestehen, dass auch bei zweikern gelegentlich das eine oder andere Vitamin B im Spiel ist.
Was ist Vetternwirtschaft und warum ist sie so verbreitet?
Vetternwirtschaft bezeichnet die Bevorzugung von Verwandten oder Freunden bei der Vergabe von Arbeitsplätzen oder Aufträgen. Es geht also um die Unterstützung von Menschen aus dem persönlichen Umfeld – sei es durch Empfehlungen, persönliche Fürsprache oder die gezielte Weitergabe von Informationen. In vielen Kulturen und Ländern ist diese Art der Unterstützung ganz normal und wird als Ausdruck von Solidarität und Gemeinschaft angesehen.
Auch in Unternehmen spielt Vetternwirtschaft oft eine Rolle. Empfehlungen von bestehenden Mitarbeitenden können dazu beitragen, dass neue Bewerber schnell ins Team integriert werden und sich die Arbeitskultur positiv entwickelt. Denn wer durch eine persönliche Empfehlung ins Unternehmen kommt, hat oft schon ein gewisses Grundvertrauen bei den anderen Mitarbeitenden und kennt möglicherweise die Werte und Arbeitsweisen des Unternehmens.
Die Schattenseite: Wenn Vitamin B Überhand nimmt
Doch wie das bei Vitaminen so ist: Zu viel des Guten kann schädlich sein. Jonas und Andreas sprechen darüber, dass Vetternwirtschaft in Unternehmen problematisch wird, wenn sie zur Regel statt zur Ausnahme wird. Wenn die Qualifikation und die fachliche Eignung eines Bewerbers in den Hintergrund rücken und die persönlichen Beziehungen im Vordergrund stehen, kann dies auf Dauer das Arbeitsklima und die Leistungsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtigen.
Vetternwirtschaft kann zu einer toxischen Unternehmenskultur führen, in der es weniger um Kompetenz als um Beziehungen geht. Das Vertrauen in die Führungsebene und die Gerechtigkeit der Entscheidungen schwindet, wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, dass Beförderungen oder Stellenbesetzungen nicht aufgrund von Leistung, sondern aufgrund von Beziehungen erfolgen. Dies kann nicht nur die Motivation und das Engagement der Mitarbeitenden beeinträchtigen, sondern auch zu einer erhöhten Fluktuation führen, da qualifizierte Mitarbeitende sich benachteiligt fühlen und das Unternehmen verlassen.
Wann wird der Vitamin B-Überschuss problematisch?
Jonas und Andreas diskutieren, dass es auf den Kontext und das Maß ankommt. Ein gewisses Maß an Vitamin B kann förderlich sein, insbesondere wenn die Empfehlungen auf Erfahrung und Vertrauen beruhen. Doch wenn Vetternwirtschaft zur Norm wird und Beziehungen die Kompetenz übertrumpfen, entstehen Probleme. Die Grenze wird überschritten, wenn objektive Kriterien wie Fähigkeiten, Qualifikationen und Erfahrungen vernachlässigt werden.
Unternehmen, die sich zu sehr auf persönliche Beziehungen verlassen, riskieren es, wichtige Kompetenzen und Perspektiven zu verlieren. Eine Kultur, in der Positionen durch persönliche Empfehlungen vergeben werden, ohne die Eignung der Person kritisch zu hinterfragen, kann die Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig beeinträchtigen. Denn frische Perspektiven und diverse Meinungen sind entscheidend, um ein Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln.
Vetternwirtschaft bei zweikern?
Jonas und Andreas müssen zugeben, dass auch bei zweikern gelegentlich Vitamin B im Spiel ist. Empfehlungen und persönliche Netzwerke haben auch bei ihnen eine Rolle gespielt, und sie sehen dies nicht per se als schlecht an. Eine persönliche Empfehlung kann helfen, den Rekrutierungsprozess zu beschleunigen und sicherzustellen, dass die Person gut ins Team passt. Doch sie sind sich auch bewusst, dass sie stets darauf achten müssen, dass die objektiven Kriterien nicht in den Hintergrund geraten.
Eine gesunde Balance zwischen objektiver Beurteilung und persönlichem Vertrauen ist ihrer Meinung nach der Schlüssel, um Vetternwirtschaft nicht zum Problem werden zu lassen. Sie betonen, dass Unternehmen, die ihre Personalentscheidungen transparent und auf Grundlage klarer Kriterien treffen, das Vertrauen ihrer Mitarbeitenden gewinnen und eine leistungsorientierte Unternehmenskultur fördern können.
Fazit: Vitamin B in Maßen genießen
In Episode 37 von „KERNTALK – Senf statt Sänfte“ plädieren Jonas und Andreas dafür, Vetternwirtschaft nicht grundsätzlich zu verteufeln, sondern einen bewussten und reflektierten Umgang damit zu finden. Beziehungen und persönliche Netzwerke sind im Berufsleben wichtig und können den Einstieg in ein neues Unternehmen erleichtern. Doch wenn Vetternwirtschaft zur Norm wird und die Kompetenz in den Hintergrund tritt, ist Vorsicht geboten.
Letztlich geht es darum, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der Leistung, Qualifikation und Engagement die wichtigsten Kriterien sind – auch wenn persönliche Empfehlungen manchmal helfen können, den richtigen Kandidaten zu finden. Denn wie bei allen Vitaminen gilt auch hier: In Maßen genossen, kann Vitamin B bereichernd sein. Doch sobald es zur Routine wird, leidet nicht nur die Unternehmenskultur, sondern auch das Vertrauen der Mitarbeitenden.
Viel Spaß beim Reinhören!
