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VUCA: Spielball oder Mitgestalter?

Lesezeit: 5 Min.

Schon wieder ein Begriff, der in der Unternehmenswelt für Aufsehen sorgt. Wie so oft ist vielen, die diesen Begriff hören oder benutzen, nicht ganz klar, was er bedeutet und wofür man ihn verwendet. Wir bringen Licht ins Dunkel und erklären, was VUCA bedeutet, wie sich Störeinflüsse der Umwelt auf das Unternehmen auswirken und wie ein Unternehmen resistenter gegenüber Veränderungen der Umwelt werden kann.

 

VUCA ist ein Akronym, also eine Verkürzung von mehreren Worten auf die Zusammensetzung ihrer Anfangsbuchstaben. VUCA setzt sich zusammen aus den englischen Begriffen Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity. 

1. Volatility

Der Begriff Volatilität oder Unbeständigkeit (lat. volatilis „fliegend“, „flüchtig“) wird häufig im Finanzwesen und in der Statistik verwendet und beschreibt das Ausmaß der Veränderungintensität. Hohe Volatilität bedeutet also signifikante Wertsprünge über die Zeit hinweg. Beispiele in der Wirtschaft sind Preisschwankungen auf den Aktienmärkten.

2. Uncertainty

Mit zunehmender Volatilität wird auch die Vorhersage der Zukunft immer schwerer. Was vor einiger Zeit noch abgeschätzt werden konnte, ist auf einmal kaum noch möglich. Es herrscht mangelnde Klarheit darüber, wie man Veränderungen von außen richtig bewertet um Herausforderungen und Chancen einschätzen zu können.

3. Complexity

Der Begriff Complexity bedeutet, dass die Verbindung von Ursache und Wirkung in unserer vernetzten Umgebung immer schwerer erkennbar ist. Lineare Kausalität erreicht ihre Grenzen. Komplexität bedeutet in diesem Zusammenhang auch, dass die Vernetzung so hoch ist, dass die gleichen äußeren Bedingungen (z. B. Bedarf in der Bevölkerung) zu unterschiedlichen Reaktionen des Systems führen können (z. B. Umsatzdruck durch interne Prognosen, wachsende Kosten in der Produktion etc.).

4. Ambiguity

Ambiguität (Mehrdeutigkeit) heißt, dass Situationen auf unterschiedliche Art und Weise interpretiert werden können und dass sie keiner Regel oder keinem Prozess mehr unterliegt. Wenn man also verschiedene Personen nach der Lösung einer bestimmten Problemstellung fragt, kann es unterschiedliche Handlungspläne geben, die alle zu einer Lösung führen (z. B. Produktionskosten durch Automatisierung senken; Preise des Produkts anpassen, Produktpalette erweitern/ verändern etc.).

Herkunft des VUCA Begriffs

Der VUCA-Begriff entstammt dem amerikanischen Militär und beschreibt eine Weltordnung, in der die Bedrohungen diffus und unsicher sind. Auf die Welt der Arbeit übertragen, bedeutet dies, dass unsere Umwelt unvorhersehbare Situationen für uns bereithält. Das führt dazu, dass bestehende Modelle aufgrund der situativen Komplexität und Unsicherheit der modernen Welt schnell veralten. Zum Beispiel hätte man früher ein Produkt mit hoher Nachfrage ohne einen starken Umsatzeinbruch nicht verändert. Eine missglückte Social-Media-Kampagne, oder schlechte Produktrezensionen können dies bei gleichbleibender Nachfrage heutzutage dennoch bewirken.

Je mehr die Globalisierung in unseren (Arbeits-)Alltag vordringt, desto mehr wird unsere Welt mit anderen Welten verbunden sein. Mit der Anzahl der dazugehörigen Veränderungen, steigt auch die Komplexität unseres Systems. Es kann keine Lösung sein, unser Schaffen einfach zu gestalten und das System Welt als kompliziert anzusehen, sondern die komplexen Strukturen herunterzubrechen und für uns greifbar zu machen.

Die Frage ist, wie man mit der steigenden Komplexität und Unsicherheit in unserer Welt umgeht. Wenn es darum geht, Komplexität zu greifen, definiert jeder Mensch diesen Sachverhalt für sich anders. Komplexität ist kein objektiver Begriff, sondern ein subjektiver Eindruck, bei dem jede/r selbst für sich „entscheidet“, was für ihn/ sie komplex ist und was nicht.

Personen empfinden Systeme als komplex, wenn sie den Prozess grundsätzlich mit der Vision verbunden sehen, anstatt das System als die Summe der kleinen, aufeinanderfolgenden Schritte, die zu einem Teilprozess des Systems gehören. Zum Beispiel mag uns ein großer Airbus als extrem komplex vorkommen. Wie soll man es schaffen, ein 560 Tonnen Ungetüm (Airbus 380) sanft in die Lüfte zu befördern? Zerlegt man ein Flugzeug in seine Komponenten und erklärt deren Funktionalität und Leistungskraft, dürfte es jedem Laien zumindest ungefähr einleuchten, wie ein Flugzeug dieser Größe genug Auftrieb für einen Start erzeugen kann.

Komplexe Systeme können also nur verstanden werden, wenn man deren Komplexität reduziert und erkennt, wie die einzelnen Teile miteinander verbunden sind.

VUCA-Fähigkeiten erhöhen

Erfahrene Manager wissen auch ohne explizite Kenntnisse, dass sie ihr komplexes Arbeitsumfeld nicht vollständig kontrollieren können. Sie haben sich aber Strategien angeeignet, wie sie mit Unsicherheiten und Komplexität umgehen, bzw. wie sie die Wirkung der VUCA-Phänomene, die sie direkt betreffen, reduzieren können, sodass sie sich weniger bedroht fühlen. 

Eine dieser Strategien ist es, den Grad von VUCA im Unternehmen zu erhöhen, sodass die Differenz zwischen der Umwelt und dem Unternehmen verringert wird; (man gleicht sich also der Komplexität der Außenwelt an. Dies kann beispielsweise durch die so genannte Oszillation geschehen.

Bei der Oszillation wird zunächst die Anzahl möglicher Optionen für einen Manager erhöht (Vergleichbar mit einem Brainstorming). Dies soll die Fülle möglicher Lösungsansätze in komplexen Situationen simulieren. Die entscheidende Person muss sich im Klaren darüber sein, dass die Wahrscheinlichkeit einer „falschen“ Entscheidung bei sehr vielen Möglichkeiten immer größer wird, desto mehr Optionen zur Verfügung stehen. Die zunächst als VUCA erscheinende Vielzahl an Entscheidungsoptionen kann im Umkehrschluss als Werkzeugkoffer für den Manager dienen, bei gescheiterten Maßnahmen auf eine andere Maßnahme zurückgreifen zu können bzw. diese weiterzuentwickeln. Denn wie beim Airbus sollten die Optionen in ihren einzelnen Funktionen nachvollziehbar sein (z. B. Welcher Prozess würde bei einer Automatisierung einer Produktion angestoßen werden?).

Ein Unternehmen hat die Aufgabe, eine Umwelt zu schaffen, in der die Reduktion der Komplexität erreichbar ist und sozusagen als ständiges Training dient, wie man mit einer solchen wandelnden Umwelt agiert. Der Anspruch muss zudem sein, bei auftretenden Veränderungen durch die Umwelt geeignete innere Ressourcen parat zu haben, um auf diese Veränderungen reagieren zu können. Dies ist nur möglich, indem man die innere Komplexität einheitlich erhöht. Sprich: Je größer die Vielfalt der möglichen Optionen auf den Einfluss von außen ist, desto größer ist die Bandbreite an Einflüssen, die das System kompensieren kann.

Ein Beispiel für eine solche Maßnahme wäre die Dezentralisierung von Abteilungen innerhalb eines Unternehmens. Klingt leichter gesagt als getan. Über eine gemeinsam erarbeitete Analyse und eine nachfolgende Beratung kann zweikern die Fertigkeiten zum Umgang mit VUCA innerhalb der Führungsebene verbessern und aufzeigen, welche kleinen Schritte notwendig sind, um das große Ganze ohne Unsicherheit verstehen und nutzen zu können. 

Fazit

Menschen können das Ausmaß einer VUCA-Umgebung nicht reduzieren, aber ein Unternehmen kann seine Fähigkeit erhöhen, in einer solchen Umgebung zu agieren. Es gibt Maßnahmen, die bei VUCA-Problemen Licht ins Dunkel bringen. Darüber hinaus schaffen es maßgeschneiderte Analysen und Maßnahmen, die Fertigkeiten innerhalb der Führungsebene zu erhöhen und zu festigen.

 

Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht. 

Von Joachim Ringelnatz

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