Lean Leadership - zweikern Blog

Auf den Kern gebracht #14: Lean Leadership

Lesezeit: 4 Min.

Tauchen in einem Unternehmen vermehrt Schwierigkeiten auf und sollen die Denk- und Arbeitsweise der Mitarbeitenden nachhaltig geändert werden, wird oft zuerst bei den Führungskräften angesetzt. Das ist ein wichtiger Schritt, da viele Erfolgsfaktoren von Organisationen vom Führungsstil der Chefs abhängen. Wer mit gutem Beispiel vorangeht, schafft es immerhin leichter, auch andere zu erreichen. Lean Leadership ist dabei ein gut bewährter Ansatz, der japanische Arbeitsweisen aufgreift und versucht, Mitarbeitende wertzuschätzen bei gleichzeitig erhöhter Wertschöpfung und reduzierter Verschwendung. Wie sich dieses Konzept umsetzen lässt, lesen Sie in diesem Teil von "Auf den Kern Gebracht".

Lean Leadership stammt aus dem Ansatz des Lean Management, welches ich in diesem Artikel bereits genauer erklärt habe. Ursprünglich entwickelt wurde das Konzept hinter Lean Leadership vom Automobilhersteller Toyota und dessen Produktionssystem (TPS). Dabei wurden die Kernideen und Lean-Prinzipien für die Entwicklung von Führungskräften und Mitarbeitenden angewandt.

Was macht einen Leader „lean“?

Im Gegensatz zu traditionellen Führungskräften, welche sich auf Macht und Autorität stützen, führen Lean Leader (lean = schlank) mittels Inspiration, Sinnstiftung und Vertrauen gegenüber den Mitarbeitenden. Sie schaffen eine Atmosphäre der Wertschätzung, in der Leistung zwar wichtig ist, aber mindestens genauso wichtig das Akzeptieren der eigenen Verletzlichkeit und Fehlerhaftigkeit. Die Ziele des Teams stehen in Einklang mit der Organisation, und es wird ein unternehmensweiter Informationsfluss geschaffen. Damit werden eine positive Stimmung und Möglichkeiten zur ständigen Weiterbildung ermöglicht. Der Fokus liegt beim Lean Management dabei immer auf ausgewogener Wertschöpfung und Wertschätzung.

Wichtig für Lean Leader ist die Anwendung des Mentor-Prinzips. Dabei führen Führungskräfte Gemba Walks durch, um sich am Ort des Geschehens über aktuelle Problembereiche zu informieren. Mitarbeitende werden dabei unterstützt, Probleme möglichst selbstständig lösen zu können. Mitarbeiterführung zeichnet sich dabei durch aktives Zuhören, konstruktives Feedback und eine positive Lernkultur aus.

Ein wichtiger Vorteil, den Unternehmen im Lean Leadership sehen, ist die Entlastung der Führungskräfte. Sind Mitarbeitende selbstständiger und arbeiten daran, ihr Verhalten und ihre Fehler zu reflektieren ohne dabei ständig überwacht zu werden, wird den Führungskräften Druck abgenommen. So kann Überlastung und sogar Burn-out vorgebeugt werden.

Sie werden sich nun vielleicht denken, dass der Lean Leader nach einer idealistischen Fantasiegestalt klingt und in Wahrheit kein Mensch so perfekt sein kann. Diese Eigenschaften sind jedoch durchaus erlernbar und steigern langfristig nicht nur die Leistung der Führungskräfte und Mitarbeitenden, sondern auch deren Motivation und Zufriedenheit. Mithilfe der vier Stufen des Lean Leadership Development Modells können Führungskräfte die Kernideen davon verstehen und anwenden.

Lean Leadership Development Modell

Grundsätzlich fokussieren sich die ersten beiden Schritte des Modells auf die individuelle Entwicklung und die letzten beiden auf Teams und andere Gruppierungen von Mitarbeitenden.

1. Persönliche Entwicklung

Im ersten Schritt geht es darum, sich selbst als Mensch kontinuierlich zu verbessern. Dafür ist die Fähigkeit zur Reflexion der eigenen Gedanken und des eigenen Verhaltens unabdingbar. Lean Leader sind sich ihrer Fehler bewusst, gestehen sich diese ein und arbeiten daran, sich weiterzuentwickeln.

2. Personalentwicklung

Im nächsten Schritt wird versucht, diese Fähigkeiten so gut wie möglich an die Mitarbeitenden weiterzugeben. Lean Leader machen es sich zur Aufgabe, andere Personen dahingehend zu führen, dass auch diese das eigene Potenzial erkennen und danach streben, sich kontinuierlich zu verbessern.

3. Ständige Verbesserung

Konzentrieren sich die ersten beiden Schritte auf die persönliche Entfaltung, liegt der Fokus nun auf dem Unternehmen und dessen Teams. Die japanische Lebens- und Arbeitsweise des Kaizen (das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung) wird gefördert und in den Arbeitsalltag fest integriert.

4. Gemeinsame Ziele

Im letzten Schritt zum Lean Lader werden die Aufgaben der einzelnen Teams und Bereiche aufeinander abgestimmt. Diese werden so ausgerichtet, dass die verfolgten Ziele mit den Werten der Organisation übereinstimmen. Damit sollen die übergeordneten Ziele erreicht und Ressourcen der Organisation entsprechend verteilt werden. Um dies zu erreichen, werden Visionen geschaffen und deren Sinnhaftigkeit den Mitarbeitenden vermittelt.

Lernen Führungskräfte, diese vier Schritte anzuwenden und an die Mitarbeitenden weiterzugeben, werden Schwachstellen in Unternehmen beseitigt, Verschwendung minimiert und Innovation erhöht. Mitarbeitende werden stets in die Prozesse der Problemlösung und Entscheidungsfindung eingebunden. Fehler werden toleriert, ohne bestraft zu werden, was die direkte Einbindung aller Beteiligten fördert.

Tools der Lean Leader

Im Lean Management gibt es zahlreiche Methoden, die zur optimalen Wertschöpfung eingesetzt werden können. Lean Leader bedienen sich oft zweier Werkzeuge, dem Shop Floor Management und dem agilen Projektmanagement, um die bereits genannten vier Schritte umzusetzen.

Shop Floor Management

Beim Shop Floor Management gehen Führungskräfte regelmäßig an den Ort des Geschehens, also konkret an jene Stellen der Organisation, an denen beispielsweise die Produktion erfolgt, und beobachten die Arbeitsabläufe. Sie erfassen dabei den Grad der Zielerreichung und analysieren gemeinsam mit den Mitarbeitenden Fehler- und Verschwendungsquellen (siehe Gemba Walk).

Agiles Projektmanagement

Wird Shop Floor Management in der Produktion eingesetzt, hilft agiles Projektmanagement, die Softwareentwicklung und Projekte zu optimieren. Hier besteht das Ziel darin, auf sich schnell wandelnde Rahmenbedingungen erfolgreich reagieren zu können. Ein wichtiges Merkmal ist dabei, dass der Kunde aktiv einbezogen wird und zur Verbesserung beitragen soll. Bei beiden Methoden werden häufige zielführende Gespräche eingesetzt, die Innovation fördern sollen.

Fazit zu Lean Leadership

Ein Lean Leader schafft Platz für Innovation, indem Mitarbeitende wertgeschätzt und gefördert werden. Er agiert dabei als Mentor und Coach und statten sich selbst und andere mit der Fähigkeit aus, eigenes Handeln reflektieren und überdenken zu können. Informationsaustausch wird vom Lean Leader optimiert, sodass Lernprozesse kontinuierlich stattfinden können. Mitarbeitende werden am Ort des Geschehens direkt in Entscheidungsprozesse eingebunden. Durch diese Eigenschaften, die mithilfe von Beratungstools individuell umgesetzt werden können, schafft es Lean Leadership, als einer der erfolgversprechendsten Führungsstile zu gelten.

 

 

Die Fähigkeiten eines Chefs erkennt man an seiner Fähigkeit, die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter zu erkennen.

von Robert Lembke, deutscher Journalist

 

Literatur:

Claushues, J., & Hurtz, A. (2018). Lean leadership.

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Portrait Selina Kern

Autor

Selina Kern
Marketing

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