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Auf den Kern gebracht #10: Mediation

Lesezeit: 4 Min.

 

In Unternehmen kracht es oft gewaltig. Konflikte sind in Organisationen an der Tagesordnung, mal mehr, mal weniger brisant. Obwohl Meinungsunterschiede Zündstoff für verbale Auseinandersetzungen sind, bieten sie doch den Nährboden für Veränderungen, die nur genau durch diesen Konflikt entstehen können. Die Mediation dient dazu, nicht mehr den Fokus auf die einzelnen Positionen der Konfliktparteien zu legen, sondern die Bedürfnisse der Parteien miteinander in Einklang zu bringen. Wie dies gelingen kann und welche Möglichkeiten es für Unternehmen gibt, von Mediatoren zu profitieren, lesen Sie im neuen zweikern Artikel dieser Woche.

Was ist Mediation?

Mediation ist ein Kommunikationsverfahren, das dazu dient, in Konfliktsituationen nachhaltige und umsetzbare Lösungen mithilfe eines Mediators, also einem/ einer außenstehenden dritten Person zu entwickeln. Bei einer Mediation streben die beiden Konfliktparteien eine Beilegung des Streits auf freiwilliger Basis an. Meist wird ein Mediator erst dann konsultiert, wenn die Fronten bereits verhärtet sind und eine Kommunikation außerhalb dieses Konflikts nahezu unmöglich ist. 

Es ist aber ratsam, in allen Konfliktsituationen einen Mediator einzusetzen, bei denen auf Anhieb keine Lösung gefunden werden kann. Vorausgesetzt, man hat die Möglichkeit auf einen solchen zurückgreifen. 

Der Vorteil einer Konfliktlösung durch einen Mediator ist, dass eine Lösung erreicht werden kann, die beide Parteien befürworten (Win-win-Lösung) statt lediglich eine Lösung umzusetzen, die auf einem gegenseitigen Nachgeben (Lose-lose-Lösung) basiert. Ein wesentlicher Unterschied zwischen diesen beiden Lösungen ist, dass sich zukünftig die Parteien mit ihrer Lösung akzeptieren, da die Lösung gemeinsam erarbeitet wurde und durch das Verständnis für einander gestützt wird.

 

An dieser Stelle fragen sich sicherlich einige Leser, welche Zauberkräfte der/ die Mediator/in hat, dass es ihm/ ihr gelingt, Konfliktsituationen zu einer (für beide Seiten zufriedenstellenden) Einigung zu bringen. 

Die Rolle des Mediators

Der/ die Mediator/in ist wie ein/e Moderator/in eine vom Konflikt unabhängige, neutrale Person. Im Unternehmen kann dies eine Person sein, die aus einer anderen Abteilung hinzugezogen wird, oder beispielsweise eine Person, die grundsätzlich sehr gute analytische Fähigkeiten besitzt und überparteilich agieren kann. Es gibt allerdings auch externe Mediatoren, die eine Mediation auf einem sehr hohen Niveau durchführen.

 

Ein Mediator spielt eine wesentliche Rolle in der Mediation, weil es seine/ ihre Aufgabe ist, die verhärteten Fronten dazu zu bringen, ihre gegenseitigen Bedürfnisse hinter ihrer eigentlichen Position aufzudecken. Als Beispiel:

Herr Müller, die neue Führungskraft der Abteilung, stellt seinen Mitarbeitenden klar strukturierte Aufgaben und ist häufiger dort präsent, wo die Arbeit der Mitarbeitenden geschieht. Herr Müller versucht nachzuvollziehen, wer im Arbeitsprozess welche Fortschritte gemacht hat und ist dementsprechend sehr kommunikativ und fordernd. Einige Mitarbeitende sind weniger produktiv als zuvor und schlechter gelaunt, seitdem Herr Müller die Abteilung leitet. Es kommt zu nicht eingehaltenen Deadlines, Getuschel auf dem Flur innerhalb der Belegschaft und misslungenen Mitarbeitergesprächen. Alle Parteien sind sich sicher: Hier muss etwas passieren, jedoch weiß niemand, wie man beginnen kann, die Situation aufzulösen.

Genau hier kommt der Mediator ins Spiel. Er/ Sie als dritte, außenstehende Person ist in der Lage, die Konfliktsituation neutral zu betrachten. Sein/ Ihr Ziel ist es, ein Bewusstsein bei jedem der beiden Parteien dafür zu schaffen, dass hinter den Meinungen Bedürfnisse stecken. Diese Bedürfnisse müssen jedoch zunächst aufgedeckt werden, da sie sich im Konflikt nicht so offensichtlich zeigen. 

Der Mediator schafft es, durch Fragetechniken und Perspektivenwechsel, dass mein Gesprächspartner Verständnis für meine Bedürfnisse entwickelt und mich demnach mit meiner Situation verstehen kann.

 

In dem oben genannten Beispiel versucht der Mediator beispielsweise herauszufinden, was hinter den Positionen der Parteien steckt. 

Welches Bedürfnis hat Herr Müller, wieso ist er häufig vor Ort und gibt klare Anweisungen bezüglich der Arbeitsaufträge? 

Möglicherweise ist Herr Müller gerne gut organisiert und die vorgelebte Strukturierung gibt ihm ein Gefühl von Kontrolle. Beispielsweise könnte er in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit einem Laissez-faire-Führungsstil gemacht haben, sodass er nun besonders gut darauf achtet, dass er Arbeitsprozesse regelmäßig nachverfolgt. 

Die Bedürfnisse der Mitarbeitenden könnten in diesem Zusammenhang dadurch entstehen, dass sie sich ihrer Autonomie beraubt fühlen. Sie fühlen sich bevormundet, wie Kinder behandelt und denken, dass sich Herr Müller ihnen gegenüber viel zu direktiv verhält. Sie fühlen sich ihrer Verantwortung beraubt, Arbeitsaufträge selbst durchzuführen. 

 

Der Mediator schafft es mit Fragetechniken, Gefühle und Gedanken offen zu legen und sie für die Konfliktpartei greifbar zu machen. Auf Basis dessen können beide Parteien dann daran arbeiten, Optionen zu entwickeln, die eine Konfliktlösung begünstigen. In dieser Phase der Mediation sammeln beide Parteien Lösungsmöglichkeiten, die zunächst unbewertet im Raum stehen. Im nächsten Schritt tragen die Konfliktparteien zusammen, welche Optionen und Ideen umsetzbar sein könnte. Dabei stellt der Mediator sicher, dass die Lösungsoptionen stets die Bedürfnisse beider Parteien berücksichtigen.

Fazit

Durch die Mediation kann es gelingen, Konflikte zwischen zwei Parteien zu entschärfen und ein Bewusstsein auf beiden Seiten dafür zu schaffen, welche Bedürfnisse der jeweils andere eigentlich hat. Die Konfliktbearbeitung bleibt also nicht, wie bei einer Lösungsfindung zwischen den beiden Konfliktparteien an der Oberfläche, sondern deckt tieferliegende Gefühle, Interessen, Gedanken und Vorerfahrungen auf. Dies ermöglicht eine Lösungsfindung, die beiden Parteien gerecht wird. Die Chance auf eine wirkliche Beilegung des Konflikts und damit auf eine zukünftig unbelastete Zusammenarbeit zwischen den Parteien ist also mit einer Mediation wesentlich höher als durch die alleinige Bearbeitung durch die Parteien. Für Unternehmen zahlt sich also die Ausbildung von Mediatoren doppelt aus.

 

Um klar zu sehen, genügt oft schon ein Wechsel in der Blickrichtung.

 

Von Antoine de Saint Exupéry

 

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