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7 fatale Feedbackfehler: So geht Feedback nicht

Lesezeit: 4 Min.

Viele erfolgreiche Unternehmen preisen an, eine gute Feedbackkultur zu leben. Doch Feedback adäquat geben und annehmen zu können, ist nicht so einfach. Es gibt einige Regeln, die zu beachten sind, wenn das Feedback auch zu einer nachhaltigen Änderung des Verhaltens führen soll. In diesem Artikel erklärte zweikern bereits, warum eine gute Feedbackkultur so wichtig ist und was diese ausmacht. Im Folgenden werde ich näher darauf eingehen, was man dabei beachten sollte und welche fatalen Feedbackfehler zu vermeiden sind.

Warum schadet schlechtes Feedback?

Generell führt wertschätzendes, positives Feedback eher zu nachhaltigen Änderungen im Verhalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass verbesserungswürdige Schwachstellen einfach ignoriert werden sollen. Auch negatives Feedback kann wertschätzend formuliert und aufgefasst werden und zieht dann auch echte Veränderungen und eine verfestigte Beziehung zwischen Feedbackgeber und -nehmer nach sich.

Bekommen Mitarbeitende das Feedback jedoch in den falschen Hals, folgt das genaue Gegenteil. Dann entstehen Reaktanz und Verletzungen des Selbstbilds, und das bemängelte Verhalten wird nur sehr widerwillig bis gar nicht verändert. Vor allem bei Männern führt negatives Feedback sogar zu Leistungseinbrüchen. Menschen streben nach Anerkennung und Verbundenheit. Deshalb kann die Belohnung von günstigem Verhalten oft mehr bewirken als die Bestrafung von unerwünschtem. Es lässt sich trotzdem oft nicht vermeiden, prozessbehindernde Verhaltens- oder Arbeitsweisen anzusprechen, um die Effizienz eines Unternehmens zu sichern. Werden die folgenden Fehler vermieden, kann Feedback gut angenommen und verarbeitet werden.

1. Falsche Zeit, falscher Ort

Am besten wird Feedback angenommen und umgesetzt, wenn direkt danach gefragt wurde. So wird ausgedrückt, dass man bereit ist, an sich zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln. Kritik wird auch besser aufgenommen, wenn es in kleineren Mengen, aber öfter gegeben wird, anstatt wie in viele Unternehmen nur einmal jährlich. Strömen zu viele (negative) selbstbezogene Informationen auf einmal auf einen ein, kann das schnell zu Überforderung führen. Dies kann durch kleinere, gut platzierte Kritikpunkte verhindert werden. Somit fällt es leichter, einzelne Aspekte zu reflektieren und an ihnen, eins nach dem anderen, zu arbeiten.

Zudem erhalten Menschen, die direkt nach Feedback fragen, oft auch bessere Bewertungen und positivere Kritik. Stellen Sie sich vor, ein Mitarbeitender würde Sie als Führungskraft um eine Leistungsbeurteilung und Feedback bitten. Sie würden der Person höchstwahrscheinlich automatisch Qualitäten wie Bescheidenheit, Offenheit, Selbstvertrauen und Ehrgeiz zuschreiben. Damit macht man nicht nur einen guten Eindruck, sondern bekommt auch die Chance, sich wirklich zu bessern.

2. Schlechte Vorbereitung

Daran anknüpfend ist es ebenso fatal, wenn Feedback unüberlegt ausgesprochen wird. Kritik sollte immer in bedachten Ich-Botschaften und mittels konkreter Beispiele gegeben werden. Verallgemeinerungen und Übertreibungen schaden nur und führen schnell dazu, dass sich der Mitarbeitende gezwungen fühlt, eine Verteidigungshaltung einzunehmen. Wer negatives Feedback gibt, sollte dieses immer mit konkreten Zielen und Lösungsansätzen verbinden.

3. Persönlich werden

Ein Feedbackgespräch ist nicht der richtige Zeitpunkt, um persönliche Probleme zu klären. Es geht vielmehr um konkrete, arbeitsbezogene Themen, die verbunden mit Verbesserungsmaßnahmen vermittelt werden. Sollten soziale Kompetenzen wie beispielsweise Teamfähigkeit verbessert werden, können Kurse oder Workshops diesbezüglich angeboten werden. Ein respektvoller und wertschätzender Umgang sollte unabhängig vom Inhalt des Feedbacks immer beibehalten werden. Dies ist natürlich leichter gesagt als getan. Sollten Führungskräfte Hilfe beim Feedbackgeben brauchen, kann Coaching oder Beratung dabei helfen.

4. Nett statt Ehrlich

Das bedeutet jedoch nicht, dass man Kritikpunkte vollkommen außer Acht lassen soll aus Angst, den anderen zu überfordern oder zu verletzen. Durch Ignorieren eines Problems löst es sich bekanntlich meist nicht von selbst in Luft auf. Die Führungskraft mag dadurch zwar das eigene Bedürfnis befriedigen, es allen recht zu machen, aber auf lange Sicht häufen sich dadurch nur Probleme an, bis sie dem Unternehmen letztendlich schaden. Aus einer falschen Bescheidenheit heraus zu beschließen, Problembereiche nicht anzusprechen, bringt also keinen weiter. Natürlich sollen diese dabei aber immer respektvoll und objektiv vermittelt werden.

5. Schwammige Formulierungen

Allgemeine, pauschale Aussagen sind bei konstruktiver Kritik fehl am Platz. Denn daraus können keine konkreten Schwachstellen und Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet werden. Verallgemeinerungen, sowohl bei positivem als auch bei negativem Feedback, sind oft gut gemeint, weil man so Gefühle schonen möchte. Im Endeffekt richten sie langfristig gesehen aber eher Schaden an, als dass sie Gutes tun. Konkrete Angaben, was momentan nicht optimal läuft und wie es verbessert werden könnte, bringen für alle Beteiligten den meisten Nutzen. Gibt es dennoch Fragen oder Unklarheiten, sollten diese unbedingt geklärt werden, um Missverständnisse aus dem Weg räumen zu können.

6. Einseitiges Feedback

Wird erst einmal begonnen, unüberlegt zu kritisieren, führt dies oft zu einseitigen Äußerungen, die wasserfallartig aneinander anknüpfen und damit schnell überfordernd wirken können. Wird nur negatives Feedback gegeben, fühlt sich die Person am anderen Ende schnell persönlich angegriffen. Wird dagegen nur positives Feedback gegeben, fällt es oft schwer, dieses ernst zu nehmen. Deshalb ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen positivem und negativem Feedback wichtig. Kritik wird nur dann angenommen, wenn es vom Umfang her verarbeitet werden kann und verstanden wird. In kleineren, ausgewogenen Häppchen kann es deshalb oft besser verdaut werden.

7. Keine Konsequenzen

Wird zwar Feedback gegeben und auch angenommen, aber letztendlich keine Maßnahme daraus abgeleitet oder Konsequenz gezogen, bringt der ganze Prozess nichts. Viele Unternehmen suchen Beratungen und Coachings auf, um damit ihr Image aufzubessern, ohne je Maßnahmen von den Ergebnissen abzuleiten und umzusetzen. Damit werden Probleme aber nicht gelöst und der ganze Prozess wiederholt sich Jahr für Jahr, ohne dass je eine Verbesserung erreicht wird.

Fazit zu Feedbackfehlern

Feedback so zu geben, dass es auch angenommen wird, ist eine Kunst für sich. Trotzdem sollte es eine Kernkompetenz einer jeden Führungskraft sein. Wird darauf geachtet, eine wertschätzende Haltung einzunehmen, Problembereiche direkt anzusprechen und mit Lösungsoptionen zu verbinden, steigt die Motivation, das Feedback anzunehmen. Maßnahmen können mithilfe professioneller Unterstützung abgeleitet und auch umgesetzt werden. Das steigert das Commitment der Mitarbeitenden und verbessert die gesamte Organisationskultur.

 

 

Es gibt nur einen Weg, um Kritik zu vermeiden: Nichts tun, nichts sagen, nichts sein.

von Aristoteles, griechischer Universalgelehrter

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Portrait Selina Kern

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Selina Kern
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