Richtlinien Compliance zweikern

Richtlinien: Was ist eigentlich dieses Compliance?

Lesezeit: 3 Min.

Compliance ist ein häufig verwendeter Begriff in der heutigen Wirtschaft. Die Compliance, auf deutsch Regeltreue oder auch Regelkonformität genannt, beschreibt die Einhaltung von Richtlinien und Gesetzen sowie alle Grundsätze und Maßnahmen, die in einem Unternehmen gelten. Dazu gehört auch das Einhalten von Strukturen, Werten und Normen, die in der Unternehmenskultur verankert sind.

Es liegt im Interesse vieler Menschen die Compliance von Mitarbeitern und Führungskräften zu verbessern. Die Regierung möchte das Compliance System optimieren, um Korruption und Wirtschaftskriminalität in Schach zu halten. Unternehmen versuchen ihre Verluste, die durch ein geringes Maß an Compliance entstanden sind, einzudämmen.

In einer Studie vom Ponemon Institut aus dem Jahr 2011 wurden die Kosten, die durch Compliance und Non-Compliance entstehen, abgeschätzt. „Non-Compliance“ bedeutet das nicht Einhalten von Regeln und Gesetzen. Dabei konnte herausgefunden werden, dass die Kosten, die durch Maßnahmen zur Erhöhung der Compliance entstehen, weit unter den Kosten liegen, die durch Non-Compliance auftreten.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass die Investitionen in Compliance Aktivitäten mit durchschnittlich 3,5 Millionen US-Dollar weit aus günstiger sind, als die Folgen von Non-Compliance mit 9,4 Millionen US-Dollar jährlich. In dieser Studie wurden rund 160 Fachbereichsleiter aus 46 multinationalen Unternehmen befragt.

Die Branchen mit denen man Compliance sicherlich sofort in Verbindung bringt ist der medizinische Sektor mit der Patienten-Compliance und der IT Sektor im Bezug auf Datensicherheit. In anderen Bereichen wird dieses Thema oft nicht so viel Bedeutung zugesprochen. Dabei ist die Compliance stark mit der Unternehmenskultur verknüpft und spielt auch bei der Mitarbeiterbindung sowie Identifikation eine große Rolle und ist nicht zu unterschätzen.

Unwissenheit über Richtlinien

Wenn es um die Umsetzung von Maßnahmen zur Compliance geht wird in den meisten Fällen mit der Erhöhung des Drucks und zunehmender Kontrolle gearbeitet. Dies ist unserer Meinung nach der falsche Weg. Oft liegt das Problem zum Beispiel in der Komplexität, die durch verschiedene Rechtslagen, Gesetze und unternehmensinterne Regeln entsteht. Dabei kann es zu einem regelrechten Richtlinienurwald kommen, der zu Unübersichtlichkeit und zu einer Intransparenz im Unternehmen führen kann. Um dem entgegenzuwirken ist eine klare und transparente Kommunikation unabdingbar. Regeln und Gesetze müssen so einfach wie möglich formuliert und auch überschaubar sein. Dabei ist es besonders wichtig, dass Richtlinien schriftlich festgehalten werden und für alle Mitarbeiter zugänglich sind, falls Missverständnisse auftreten. Auch über Veränderungen müssen die Mitarbeiter informiert und aufgeklärt werden, damit Unwissenheit keine Option darstellen kann.

Richtlinien in der Unternehmenskultur

Die Unternehmenskultur spielt eine wichtige Rolle in jedem Unternehmen. Darin sind ebenfalls Richtlinien niedergeschrieben, zum Beispiel Normen über das Verhalten oder die Kommunikation im Betrieb, Wertvorstellungen sowie Denk- und Handlungsweisen. Die Unternehmenskultur steuert sozusagen das Verhalten, wie Mitarbeiter Entscheidungen treffen, wie sie mit Konflikten umgehen und wie die Kommunikation intern und mit Kunden auszusehen hat. Mehr zum Thema Unternehmenskultur finden Sie hier:Unternehmenskultur Teil 1/Unternehmenskultur Teil 2

Eine gut etablierte und klare Unternehmenskultur hat nicht nur die Vorteile einer Steigerung des Mitarbeiter-Engagements und der Identifikation mit dem Unternehmen, sondern fördert auch die Compliance. Können sich die Mitarbeiter einmal mit den grundlegenden Überzeugungen und Werten des Unternehmens identifizieren, fällt es ihnen leichter, sich an Normen, Regeln und Richtlinien zu halten.

Mitarbeiter Engagement und Identifikation mit dem Unternehmen

Mitarbeiter, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren können und in ihrem Job großes Engagement zeigen, handeln meist im Sinne des Unternehmens. Ihnen liegt der Erfolg des gesamten Teams sehr am Herzen und wollen nur das beste für den Betrieb. Aus diesem Grund sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter mit hoher emotionaler Bindung durch Nicht-Einhaltung von Regeln und Gesetzen, eigennützige Profite herausschlagen wollen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Compliance Maßnahmen umzusetzen. Der beste Weg ist sicherlich mit einer positiven und gut etablierten Unternehmenskultur die Basis für weitere Richtlinien und Gesetze zu schaffen. Druck und Kontrolle sind vielleicht kurzfristig effektiv, dies stellt allerdings keine nachhaltige Lösung dar um die Compliance der Mitarbeiter auf einen längeren Zeitraum zu verbessern.

 

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit dem Thema Compliance und mit zu vielen Richtlinien in Unternehmen gemacht? Welche Folgen könnte es haben einfach den Druck auf die Mitarbeiter zu erhöhen?

 

Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird. 

von Berthold Brecht

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Portrait Carina Andorfer

Autor

Carina Andorfer
Psychologin

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Kommentar von Lars |

Ich denke auch Mitarbeiter müssen sich mit dem Unternehmen identifizieren können, damit sie keinerlei Verbrechen begehen. Kriminelle Eigenschaften wirken verlockender auf einen Mitarbeiter, der unzufrieden mit dem Unternehmen ist. Man sollte auf jeden Fall eine gute Wirtschaftsdetektei kennen, wenn Mitarbeiter keine "Compliance" aufweisen und eventuell sogar in kriminelle Machenschaften verwickelt sind!

Antwort von Andreas Kerneder

Hallo Lars,

erstmal vielen Dank für deinen Kommentar und bitte entschuldige meine späte Antwort. Das ging tatsächlich irgendwo unter.
Du hast aber natürlich vollkommen Recht. Je stärker die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter ein hohes Maß an Compliance aufweisen. Die Frage ist immer nur, wie man die Identifikation mit dem Unternehmen hoch hält. 

Herzliche Grüße
Andreas