intrinsische Motivation - zweikern Blog

Motivation × zwei(kern)

Lesezeit: 4 Min.

Im Beitrag der letzten Woche wurde das Thema Motivation aufgegriffen. Der Beitrag kann hier noch einmal nachgelesen werden: Die (zwei-)Kern Theorie der Motivation

Motivation ist ein sehr vielfältiger und unterschiedlich definierter Begriff, hinter dem eine Vielzahl an Theorien stehen. Im arbeitspsychologischen Bereich kann die Motivation als Bereitschaft der Mitarbeiter gesehen werden, gute Leistungen zu erbringen.

Ein guter Mitarbeiter braucht also nicht nur fachliche Qualifikation, sondern im gleichen Ausmaß auch die Motivation, dieses Wissen und Können bestmöglich anzuwenden.

Intrinsisch vs. Extrinsisch

Den Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation wurde letzte Woche bereits im kleinen Ausmaß behandelt. Bei der intrinsischen Motivation werden wir „von innen“ angetrieben etwas zu tun. Diese innere Kraft kommt nicht von ungefähr, sondern wird von drei verschiedenen Trieben angeregt. Diese sind die Neugierde und Interesse, der emotionale Anreiz (z.B. Spontanität und Begeisterungsfähigkeit) und die Erfolgserwartung und Anstrengungsbereitschaft (Der Wille, etwas zu schaffen oder zu können).

Bei der extrinsischen Motivation werden wir von „außen“ beeinflusst, etwas zu tun. Dazu zählen vor allem die positive und negative Verstärkung, also Belohnung und Bestrafung. Ein extrinsischer Motivationsfaktor muss allerdings keine materielle Form annehmen. Das heißt, dazu zählt nicht nur eine Gehaltserhöhung oder Prämien, sondern auch immaterielle Dinge wie zum Beispiel Lob, Anerkennung und Wertschätzung.

Nun hört man sehr oft, extrinsische Motivatoren sind nicht effektiv, bringen langfristig nicht die gewünschten Ergebnisse. Intrinsische Motivation sei das einzig Wahre. Diese Aussage ist nur teilweise richtig, denn ganz ohne extrinsische Faktoren macht auch die innere Motivation nicht glücklich. Stellen Sie sich vor, sie arbeiten in Ihrem Traumjob, die Arbeit macht Ihnen irrsinnig viel Spaß, und Sie gehen sehr gerne zur Arbeit. Mit der Bezahlung sieht es allerdings eher schlecht aus, Sie kommen jeden Monat gerade so über die Runden, obwohl Sie sehr hart arbeiten. Ein Lob dafür, was Sie täglich leisten kommt ihrem Chef nur sehr sporadisch über die Lippen, das Nörgeln hingegen, fällt ihm eindeutig leichter.

Wahrscheinlich würden Sie ihre Arbeit ein paar Jahre durchhalten, weil Sie es ja eigentlich gerne machen, aber auf lange Sicht, müssen Sie sich irgendwann eingestehen, dass sich etwas ändern muss.

Die extrinsischen Motivationsfaktoren stellen also die Rahmenbedingungen eines Jobs dar. Diese sind als eine Grundvoraussetzung zu sehen, ohne die auch die intrinsische Motivation nicht existieren kann.

Die umgekehrte Variante, nämlich, dass die extrinsischen Motivationsfaktoren vorhanden sind, es aber an der intrinsischen Motivation fehlt, ist häufiger in der Arbeitswelt anzutreffen.  Dieses Problem ist allerdings weit aus problematischer, da dieser innere Antrieb nicht von externen Faktoren beeinflussbar ist. Vermutlich hat ein Großteil der Menschen bereits einen Job ausgeübt, den er oder sie nur aus monetären Gründen hatte. Dabei ist die Arbeitsmotivation deutlich geringer als bei einer Arbeit die auch Spaß macht.

Der Konflikt der Motivation

Es kann auch zu Konflikten zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation kommen.

Dazu ein Beispiel: Lukas ist 10 Jahre alt und leidenschaftlicher Skifahrer. Er fährt bereits seit seinem 4 Lebensjahr. Jeden Winter freut er sich auf den ersten Schnee, damit er bald wieder auf seinen geliebten Brettern stehen kann. Der Vater von Lukas erkennt sein Talent und trainiert seinen Sohn regelmäßig, damit dieser bei Rennen erfolgreich mitfahren kann. Jeden Tag soll er trainieren und sein Bestes geben. Lukas darf nicht mehr selbst entscheiden, wann er Skifahren möchte, welche Ski er dabei fährt und wie er seine Schwünge in den Schnee setzt. Schließlich hat er keine Lust mehr Ski zu fahren. Sein Vater versucht Lukas mit Belohnungen zu motivieren und verspricht ihm für jedes gewonnene Rennen ein neues Computerspiel. Plötzlich gibt Lukas das Skifahren völlig auf.

Dies ist ein klassisches Beispiel dafür, wie Anweisungen und Motivationsversuche von „außen“ das Gefühl der Selbstbestimmung aushebeln und die Freude an einer geliebten Tätigkeit verloren gehen kann.

Dies soll verdeutlichen, dass es sehr schnell passieren kann, die intrinsische Motivation an einer Sache zu verlieren. Nun ist es in der Arbeitswelt bereits nicht einfach intrinsisch motivierte Mitarbeiter zu finden, zusätzlich können schlechte Belohnungssysteme dazu führen, dieses Interesse zu zerstören.

Warum ist intrinsische Motivation so wichtig für Unternehmen?

  1. Im Unternehmen gibt es Gemeingüter wie z.B. akkumuliertes Wissen, Beziehungen oder materielle Güter. Mitarbeiter, die nur aus materiellen Anreizen arbeiten, sind auf ihren eigenen Vorteil bedacht und verbrauchen diese unternehmerischen Ressourcen sehr schnell. Dieses rücksichtslose Verhalten kann Unternehmen langfristig zerstören. Intrinsisch motivierte Mitarbeiter wollen hingegen das Gemeingut und die Identität des Unternehmens erhalten und dabei helfen es weiter aufzubauen.
  2. In den Unternehmen ist oft eine große Menge an Wissen im Umlauf, das auch für Arbeitsprozesse von hoher Bedeutung ist. Diese Informationen müssen weitergegeben werden, um langfristig bestehen zu können. Nur die intrinsische Arbeitsmotivation, die mit Unternehmenszielen im Einklang steht, fördert die Weitergabe dieses Wissens.
  3. Kreativität und Lernprozesse sind die Grundlage für Innovation, für diese wiederum die intrinsische Arbeitsmotivation Voraussetzung ist.

Schlussendlich muss jedes Unternehmen sich mit den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter auseinandersetzen, um ihr Belohnungssystem daran anzupassen. Dabei muss allerdings mit materiellen Belohnungen sehr behutsam umgegangen werden, um eine kleine Flamme nicht mit zu großen Holzstücken auszulöschen.

 

Wenn ein Mensch keinen Grund hat, etwas zu tun, so hat er einen Grund, es nicht zu tun.

von Walter Scott

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Portrait Carina Andorfer

Autor

Carina Andorfer
Psychologin

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