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Körpersprache deuten: Die Macht der nonverbalen Kommunikation

Lesezeit: 5 Min.

Wie Paul Watzlawick so schön sagte: „Man kann nicht, nicht kommunizieren“. Dies bezieht sich nicht nur auf Worte, die wir sagen, sondern auch auf das, was unser Körper kommuniziert. Es gibt so gut wie kein Gespräch in unserem Alltag, bis auf das Telefonat, indem wir keine Informationen über unsere Körperhaltung, unsere Mimik und Gestik an unseren Gesprächspartner übermitteln. Zum Thema Körpersprache gibt es zahlreiche Theorien, die in der Wirtschaft durchaus Anwendung finden. Geht es zum Beispiel um ein Verkaufsgespräch, gibt es verschiedene Techniken, die den Kunden eher zu einem Kauf motivieren. Heute möchte ich Ihnen allerdings nicht zeigen, wie Sie Profite herausschlagen, indem Sie Körpersprache deuten. Vielmehr geht es darum, wie Sie den ersten Eindruck und Wirkung auf andere beeinflussen können und wie Ihr Körper auf das Bewusstsein wirkt.

Körpersprache deuten – für viele reiner Humbug

Der Versuch, die Körpersprache von anderen zu deuten, ist für viele Menschen reiner Unsinn. Es hört sich auch etwas unglaubwürdig an, dass man aufgrund der Augen, die Stimmung des Gegenübers erfährt oder sogar eine Lüge erkennt. Viele Methoden, die Körpersprache zu deuten, sind sehr umstritten. Auch die sogenannte Mehrabian Regel, von Albert Mehrabian 1971 entwickelt, die besagt, dass 55 % der Informationen über das Gesicht vermittelt werden, 38 % über die Stimme und nur 7% verbal, sehe ich persönlich eher skeptisch. Körpersprache deuten ist kein einfaches Unterfangen und man sollte sich auch nicht zu stark darauf verlassen. Es gibt keine klare Anleitung, was welche Geste oder Haltung einer Person bedeutet. Besser funktioniert dies in die andere Richtung, denn die eigene Körpersprache beeinflusst die Wirkung auf andere Menschen. So wird zum Beispiel der erste Eindruck von uns als Person, hauptsächlich von unserer Körpersprache geprägt.

Tipps wie Sie positiv auf andere wirken

Hände weg vom Smartphone

Sie haben noch ein wenig Zeit, bevor Sie den Seminarraum betreten, das Klassenzimmer, eine Tagung oder das Büro zu einem Vorstellungsgespräch. Was tun Sie? Sie nehmen Ihr Smartphone heraus und versuchen die Zeit zu überbrücken. Meist wirken wir wie ein Häuflein Elend, wie wir mit gesenktem Kopf auf unseren kleinen Bildschirm starren. Diese Pose macht keinen guten Eindruck, wir wirken unsicher, schwach und ohne viel Selbstvertrauen.

Richtige Dosis an Augenkontakt

Augenkontakt zeigt Ihrem Gegenüber Interesse und Aufmerksamkeit. Allerdings sollten Sie es nicht übertreiben „Starren“ wird genauso negativ aufgefasst, wie wenn Sie ständig irgendwo anders hinschauen. Eine Faustregel besagt, ca. 60 % Augenkontakt ist bei einem Gespräch unter vier Augen angemessen.

Namen einbauen

Einen besonders guten Eindruck können Sie bei einer Person hinterlassen, wenn Sie den Namen dieser Person im Laufe des Gespräches noch einmal erwähnen. Das wirkt sehr aufmerksam, da viele einen Namen sobald sie ihn hören, schon wieder vergessen haben. Diese Methode wirkt auch bei bereits bestehenden Kontakten, es verleiht einem Gespräch eine persönliche und individuelle Note.

Verschränkte Körperhaltung vermeiden

Ich persönlich finde es sehr angenehm meine Hände zu verschränken. Ich möchte sie ja nicht einfach herumbaumeln lassen. Da ich in dieser Pose meist konzentriert bin oder aufmerksam zuhöre, wirke ich dabei eher skeptisch oder abneigend. Das fällt mir sogar selbst auf und deshalb versuche ich, meinem Gegenüber nicht dieses Gefühl zu vermitteln, indem ich die Hände auch immer wieder löse und zustimmend Nicke. Besonders negativ wirkt es, wann man Hände und Beine gleichzeitig verschränkt.

Mit dem ganzen Körper zuhören

Achten Sie darauf, dass sich Ihr Körper dort hin orientiert, wo Ihre Aufmerksam gerade sein sollte. Kommt ein Mitarbeiter oder ein Kollege in Ihr Büro und möchte etwas besprechen, wenden Sie sich vom PC oder Laptop ab und Ihrem Gegenüber zu. Es reicht nicht aus nur den Kopf auszurichten. Dies wirkt desinteressiert und vermittelt das Gefühl: “Mach schnell, ich habe Wichtigeres zu tun!“.

Ein weiterer Tipp ist das aktive Zuhören. Mehr dazu können Sie hier nachlesen:Aktives Zuhören

Wie unsere Körpersprache uns selbst beeinflusst

Unsere Körpersprache hat also einen Einfluss darauf, wie andere Menschen uns wahrnehmen, wie wir auf sie wirken. Forscher haben allerdings herausgefunden, dass diese auch uns selbst beeinflussen kann. Amy Cuddy hat zum Beispiel herausgefunden, dass man Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit vortäuschen kann, bis man tatsächlich selbstbewusster geworden ist. Wenn man lacht ist man glücklich. Wir fühlen uns aber auch glücklicher, wenn wir nur aufgesetzt lachen. Das gleiche bei dem Gefühl der Stärke. Wenn wir uns stark fühlen, fällt es leicht aufrecht zu stehen, die Brust herauszustrecken und die Arme auszustrecken. Fühlt man sich schwach und führt diese Bewegungen trotzdem eine kurze Zeit aus, fühlt man sich tatsächlich stärker. Dieses Phänomen wurde in einem Experiment untersucht, indem verschiedene Personen entweder eine sehr starke oder schwache Pose einnahmen. Zum Beispiel, wie oben beschrieben, die starke Pose mit ausgestreckter Brust und Armen oder eine schwache Pose mit gekrümmten Rücken, Kopf gesenkt, Blick auf den Boden. Für zwei Minuten sollten die Probanden in der jeweiligen Pose verharren. Die Ergebnisse waren verblüffend. Die Personen mit starker Pose fühlten sich tatsächlich stärker, trauten sich mehr zu und wurden bei einem Bewerbungsgespräch eher genommen, als die Personen mit schwacher Pose. Etwas vorzutäuschen bis man sich tatsächlich so fühlt, ist also möglich.

Warum funktioniert das?

Klassische Machtmenschen, die gerne die Alpharolle einnehmen, haben nachweislich einen höheren Testosteron- und einen niedrigeren Cortisol Spiegel, als schüchterne Menschen. Testosteron wird auch als das Dominanz-Hormon und Cortisol als das Stress-Hormon bezeichnet. Eine erfolgreiche Führungskraft hat also im Idealfall ein ausgeprägtes Machtgefühl und ist trotzdem stressresistent. Diese Kombination an Hormonen ist nicht angeboren, sondern unser Körper kann unser Bewusstsein beeinflussen. Nimmt man zwei Minuten eine Macht-Pose ein, steigt der Testosteron Spiegel um 20 % an und der Cortisol Spiegel sinkt um 25 %. Nehmen die Personen hingegen eine schwache Pose ein, sinkt der Testosteron Spiegel um 10 % und der Cortisol Spiegel steigt um 15 % an.

Ein Beispiel dazu

Vielleicht können Sie sich noch an Ihre Schulzeit erinnern. Dort gab es immer die schüchternen Schüler, die ungern mitarbeiteten und sich voll und ganz auf ihre schriftlichen Noten verlassen mussten. Auf der anderen Seite die Schüler mit guter Mitarbeit, die sich trauten ihren Senf dazu zugeben, ohne die Antwort sicher zu wissen. So konnte man sich schnell einmal eine Note ausbessern. Dieses Selbstbewusstsein hat leider nicht jeder. Aber laut Amy Cuddy kann man dieses Selbstvertrauen vortäuschen, indem man so tut, als wäre nichts dabei, einfach seine Hand zu heben und eine selbstbewusste Antwort zu geben. Macht man das öfter, fühlt es sich irgendwann nicht mehr so an, als würde man es vortäuschen, sondern man ist zu diesem selbstbewussten Schüler geworden.

 

Was jemand denkt, merkt man weniger an seinen Ansichten als an seinem Verhalten
von Isaac Bashevis Singer

 

Literatur:

  • Cuddy A. (2012). TED Talk. Your body language shapes who you are. http://www.ted.com/talks/amy_cuddy_your_body_language_shapes_who_you_are?language=de
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Kommentar von Wiebke Wetzel |

Hallo Herr Kerneder,
gut, dass Sie dem Mehrabian-Mythos skeptisch sehen, denn seine Studien erlauben keine so weitreichenden Schlußfolgerungen.
Albert Mehrabian hat untersucht, was passiert, wenn bei der Kommunikation Stimme und Inhalt oder Mimik und Inalt nicht zusammen passen, wenn also eine Inkongruenz auftritt. Dabei haben die Versuchpersonen nur ein einziges Wort gesagt (maybe). Ein Beispiel: jemand sagt "maybe" und zeigt eine Grimasse des Ekels. Dann zeigt uns die Mimik, dass der Inhalt des Gesagten nicht wörtlich zu nehmen ist. In solchen Fällen sind Stimme und Mimik tatsächlich wichtiger, als das Gesagte.
Der Umkehrschluss gilt allerdings nicht: wenn Stimme, Mimik und Inhalt zusammen passen, dass ist der Inhalt nicht weniger wichtig. Dazu gibt es eine Reihe anderer Studien, die später von anderen Autoren veröffentlicht wurden.
Zwei gute Blog-Artikel zu dem Thema sind:
http://www.neurosemantics.com/the-7-38-55-myth/
http://www.speakingaboutpresenting.com/presentation-myths/misinterpretation-mehrabians-research/
Viele Grüße,
Wiebke Wetzel

Antwort von Andreas Kerneder

Hallo Frau Wetzel,
vielen Dank für Ihren Kommentar und den Einblick, den Sie uns alle geben, wie Herr Mehrabian in seiner Studie vorging.
Herzliche Grüße und einen schönen Wochenstart wünsche ich,
Andreas Kerneder