Florian Weigel Interview zweikern

zweikern beim Interview #01: Teambildung

Lesezeit: 4 Min.

Am Montag veröffentlichte zweikern einen Artikel zum Thema "Teambildung". Für alle, die ihn noch nicht gelesen haben, hier gehts zum Beitrag:
Teambildung

Zum Abschluss des Themas, geht der zweikern-Berater Florian Weigel noch einmal darauf ein und zeigt auf, warum Teambildungsmaßnahmen in Unternehmen oftmals nur müde belächelt werden und warum man das nicht tun sollte.

Herr Weigel, was bedeutet für Sie der Begriff Teambildung?

Ein Teambuilding ist für mich, die sensible Zusammenknüpfung einzelner Personen zu einer Gruppe, die gemeinsam, das selbe Ziel erreichen wollen.

Was sind die häufigsten Probleme bzw. Reibungspunkte, die in Teams auftreten können? Können diese durch Teambildungsseminare gelöst werden?

Aus meiner Erfahrung stellt das größte Problem die Erwartungshaltung dar, dass die Gruppe persönliche Bedürfnisse des Einzelnen erfüllen soll. Dies kann dazu führen, das einzelne Personen sich benachteiligt fühlen und andere Gruppenmitglieder oder die Gruppe als Ganzes dafür verantwortlich machen, dass ihr Wohlbefinden darunter leidet.

Diese Reibungspunkte werden durch Teambuildingseminare dadurch gelöst, dass jeder die Stärken und Entwicklungsfelder der anderen Personen kennenlernt. Außerdem wird das Gruppenziel sehr detailliert und klar erarbeitet und mit den persönlichen Zielen verknüpft. Dadurch ist jedem Gruppenmitglied ersichtlich, mit welchen Bedürfnissen er an welche Personen herantreten kann und inwiefern das Gruppenziel, das eigene, persönliche Ziel miterfüllt. Zusätzlich wird eine Vertrauensbasis untereinander aufgebaut, die es erlaubt, sich wohlzufühlen.

Welche Voraussetzungen gibt es Ihrer Erfahrung nach, für eine erfolgreiche Teamarbeit? Gibt es Erfolgsfaktoren wie z.B. bestimmte Persönlichkeiten, Sympathie oder unterschiedliche Expertengebiete der einzelnen Teammitglieder?

Natürlich ist es hervorragend, wenn eine gewisse Sympathie für die anderen Gruppenmitglieder vorherrscht. Dies ist aber nur bis zu einem gewissen Grad von Vorteil, da z.B. Liebesbeziehungen oder familiäre Verhältnisse eine eigene Dynamik mit in die Gruppe bringen, die die Gruppenarbeit sehr positiv aber auch sehr negativ beeinflussen können.
Ob unterschiedliche Expertengebiete von Vorteil sind, hängt meistens von dem zu erreichenden Ziel ab. Für eine Zielerreichung, die eine gewisse Kreativität erfordert oder die verschiedene Lösungsansätze benötigt, ist ein heterogenes Team sicher von Nutzen. Dennoch ist und bleibt der größte Erfolgsfaktor für die Teamarbeit, die Eigenverantwortung. Wenn jedes Teammitglied seine Aufgaben kennt und gewissenhaft erfüllt, beachtet, bei welchen Anliegen die anderen Mitglieder zu konsultieren sind, zusätzlich weiß, welche von seinen persönlichen Entwicklungsfeldern in der Gruppe zu bearbeiten sind und welche an einem anderen Ort, steht einem erfolgreichen Zielerreichen wenig im Wege.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum das Thema Teambildung im Rückzug ist und von manchen Menschen als vergeudete Zeit bezeichnet wird?

Ich kann mir vorstellen, dass einige dieser Personen schon „negative“ Erfahrungen mit Teambuildings gemacht haben (mich eingeschlossen). Ein Teambuilding ist weit mehr als aneinander gereihte Vertrauensübungen durchzuführen und Spiele zu spielen, bei denen man sich auf einer persönlichen Ebene besser kennenlernt. Dadurch entsteht ein kurzes Hoch bei den Mitgliedern und ein scheinbarer Erfolg ist erkennbar. Dies kann bei Projektteams funktionieren, die nur kurze Zeit miteinander zusammenarbeiten. Doch echte Nachhaltigkeit für den Zusammenhalt der Gruppe ist nicht gegeben, was wiederum bei einem Führungskräfteteam oder dem executive board notwendig wäre, um die Produktivität des Unternehmens nachhaltig zu steigern.
Daher kann ich mir gut vorstellen, dass viele, für schnelllebige Maßnahmen, die nach einem kurzen Hoch wieder verpuffen, keine Ressourcen aufwenden möchten. Wenn ich ehrlich sein darf, würde ich das auch nicht wollen. Ein Teambuilding muss sorgfältig geplant und intensiv vorbereitet werden, um das Ziel des Teams durch die einzelnen Mitglieder erreichbarer zu machen.

Wie wichtig ist Teambildung für Unternehmen Ihrer Meinung nach bzw. welche Vor- und Nachteile gibt es?

Ich glaube, dass Teambuildings heutzutage wichtiger sind als jemals zuvor. Vor allem, da in der heutigen Arbeitswelt nicht nur danach gestrebt wird, möglichst viel Geld zu verdienen, um eine Familie zu versorgen, sondern diese Arbeitszeit auch als Lebenszeit gesehen wird und somit auch der Selbstverwirklichung dienen soll.
In fortschrittlichen Firmen, die eine nachhaltige Zukunftsplanung betreiben, ist dieser Gedanke auch schon angekommen. Es wird nur wahrscheinlich noch etwas dauern, bis auch traditionelle Unternehmen diesen Vorteil erkennen und solche bzw. andere (Weiter-)Entwicklungsmaßnahmen einsetzen. Nachteile gibt es bei allen (Weiter-)Entwicklungsmaßnahmen nur kurzfristig. Es muss sorgfältig geplant werden, wer an solchen Maßnahmen teilnimmt und wie dies in den Arbeitsalltag einzubauen ist. Das braucht Zeit und kostet Ressourcen. Der Planungsaufwand weitet sich auch auf die Kosten für die Trainer, Seminarräume und Nebenkosten aus. Nachhaltige, fortschrittliche Unternehmen sehen dies jedoch als Investition.

Ein sorgfältig geplantes und inhaltlich, den Team- und Unternehmenszielen angepasstes Teambuilding, kann nachhaltige Teams entwickeln, die dem Unternehmen den Fortschritt bringen, der notwendig ist, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ein Klären der internen und externen Strukturen, sowie der persönlichen Bedürfnisse der einzelnen Gruppenmitglieder, hilft, die Mitarbeiter mit ihrer individuellen Persönlichkeit in die Strukturen des Unternehmens einzugliedern. Dadurch entsteht ein einheitliches Unternehmensbild. Immerhin sind es die Mitarbeiter, die den wichtigsten Baustein eines Unternehmens darstellen und eine Firma erst lebendig machen.

 

Ich finde zu diesem Thema ein Zitat von Hans Christoph von Rohr sehr passend.


Kapital lässt sich beschaffen, Fabriken kann man bauen, Menschen muss man gewinnen.

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Portrait Carina Andorfer

Autor

Carina Andorfer
Psychologin

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