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Change Management: 10 Wege zurück in die Comfort-Zone

Lesezeit: 4 Min.

Während meinen Recherchen zu unserem Blog bin ich immer wieder auf eine bestimme Zahl gestoßen: 70 Prozent. In unzähligen Artikeln wird geschrieben, dass rund 70 % aller Change Prozesse scheitern. Dies soll auch schon in diversen Studien empirisch überprüft worden sein. Es ist allerdings nicht sehr einfach diese Studien zu finden, denn Quellen gibt es dazu fast überhaupt keine. Seit 1993 schwirrt diese Zahl in diversen Publikationen zum Thema Change Management herum und kommt immer wieder zum Vorschein. Mir persönlich erscheint diese Zahl extrem hoch, kann das wirklich sein? Da eine Veränderung mit sehr viel Arbeit, Widerstand und auch Fehlschlägen verbunden ist, ist es natürlich möglich, dass tatsächlich 70 % aller Veränderungsmaßnahmen scheitern. Ob diese Zahl nun stimmt oder nicht spielt am Ende eigentlich keine Rolle, ein Change Prozess stellt immer eine große Herausforderung dar. Aus diesem Grund habe ich heute 10 Tipps zusammengefasst, die dabei helfen sollen, Veränderungen nachhaltig im Unternehmen zu etablieren.

10 Tipps zum Change Management

1. Verständnis für Veränderung aufbauen

Veränderungen sind immer schwer umzusetzen und meistens gibt es im Vorhinein viele Zweifel, Widerstände und Befürchtungen. Viele Mitarbeiter werden sich fragen: „Warum müssen wir diesen überflüssigen Blödsinn machen, früher war doch alles viel unkomplizierter und einfacher!?“. Wenn ihnen niemand angemessen erklärt, welche Gründe es für eine Veränderung gibt und welchen Mehrwert diese bringen soll, werden die Mitarbeiter nicht einsehen, warum sie etwas verändern sollten. Hier sollte man sich die Zeit nehmen, notwendige Schritte genau zu erklären, um Verständnis zu schaffen und auch die Angst zu nehmen.

2. Mitarbeiter mobilisieren und einbinden

Viele Entscheidungen über bevorstehende Veränderungen werden über die Köpfe der Mitarbeiter hinweg entschieden. Der Mitarbeiter selbst kennt die Probleme in seinem Bereich am besten und kann dadurch wertvolles Know-how in die Optimierung von Prozesse mit einbringen. Es wäre durchaus schade, diese Expertenmeinung außen vor zu lassen. Darüber hinaus, können sich die Mitarbeiter besser mit der Veränderung identifizieren, wenn sie selbst Teil der Planung und Vorbereitung waren.

3. Projektplan aufstellen

Will man eine Veränderung nachhaltig im Unternehmen etablieren und verankern, ist es wichtig, einen Projektplan zu erstellen. Was genau, welche Schritte sollen bis wann umgesetzt werden. Wann werden diese Entwicklungen überprüft und reflektiert, wer ist für welche Aufgabenbereiche zuständig. Veränderungen lassen sich nicht nach dem Motto „Machen wir einfach mal und dann schauen wir weiter“ umsetzen, es braucht eine gute Planung und strukturierte Umsetzung. Jeder im Unternehmen muss wissen, welche Aufgaben bis wann zu erledigen sind und wem welche Rolle obliegt. Man sollte allerdings auch darauf vorbereitet sein, wenn nicht alles nach Plan läuft und sich nicht davon entmutigen lassen.

4. Transparente Kommunikation

Transparente Kommunikation ist immer ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur um für Klarheit zu sorgen. Gerade in Change Prozessen ist diese noch wichtiger, da der Erfolg eines Veränderungsprozesses hauptsächlich von der Kommunikation abhängt. Viele Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter in Change Prozessen im Dunklen tappen. Transparente Kommunikation auf Augenhöhe ist hier der Schlüssel zum Erfolg.

5. Realistische Ziele vereinbaren und besprechen

Es ist nicht nur wichtig die Gründe für einen Change Prozess zu erklären, sondern auch was das Ziel der Veränderung ist. Was ist der Soll Zustand und wie wird man es merken, wenn eine Veränderung erfolgreich umgesetzt wurde. Diese Ziele sollten so oft wie möglich, bei jeder Gelegenheit kommuniziert werden, damit wirklich alle Mitarbeiter integriert werden. Dazu können auch alle internen Kommunikationswege, die es im Unternehmen gibt, genutzt werden. Einmal gesagt heißt noch nicht, dass es alle gehört, geschweige denn verstanden haben. Dann erst kann mit den Mitarbeitern gemeinsam besprochen werden, wie man diese Ziele erreichen kann und welche Teilziele gesteckt werden.

6. Wertschätzung für kleine Schritte zeigen

Veränderungen sind meist ein langer Prozess und passieren nicht von heute auf morgen. Aus diesem Grund ist es wichtig auch kleine Schritte in die richtige Richtung wertzuschätzen und zu loben, ansonsten kann die Motivation sehr schnell verloren gehen.

7. Veränderungen vorleben

Oft verlangen Führungskräfte von ihren Mitarbeitern ein gewisses Verhalten bzw. stellen Regeln auf, die sie selbst nicht einhalten. Soll zum Beispiel ein wertschätzender Umgang im Unternehmen etabliert werden, liegt es in der Verantwortung der Führungskraft, diese Kultur vorzuleben und eine Vorbildfunktion einzunehmen. Ein Chef kann nicht von seinen Mitarbeitern Pünktlichkeit erwarten, wenn er selbst oft zu spät zu Meetings erscheint. Darüber hinaus ist es extrem wichtig, dass die Führungskraft selbst überzeugt davon ist, dass eine Veränderung dringend notwendig ist. Es gibt nichts schlimmeres als ein Chef, der sagt: „Keine Ahnung was das bringen soll, die Befehle kommen von ganz oben und sind ab sofort umzusetzen!“. Die Führungskraft muss zum Change Prozess stehen und die Mitarbeiter dafür begeistern können.

8. Teamgefüge stärken

Gemeinsam sind wir stark und können diese Hürde meistern! Im Zuge eines Change Prozesses ist es hilfreich Teambildungs-Maßnahmen durchzuführen. In Zeiten der Veränderung ist es wichtig, dass das ganze Team an einem Strang zieht und es nicht zu zusätzlichen Belastungen in Form von Streitereien kommt. Lernt sich ein Team besser kennen, fällt es leichter sich in den anderen hineinzuversetzen und ist eher gewillt an Veränderungen teilzuhaben, die vielleicht für einen Kollegen mehr Vorteile bringen, als für sich selbst.

9. Ergebnisse immer wieder überprüfen

Ein großes Problem bei Veränderungsmaßnahmen ist die Nachhaltigkeit. Ein eintägiges Seminar oder Training ist schnell gemacht, doch der Alltag übernimmt früher als erwartet wieder das Kommando. Deshalb ist es wichtig, in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, ob sich alte Verhaltensweisen oder Angewohnheiten eingeschlichen haben. Dazu können zum Beispiel Nachbesprechungen stattfinden, um zu reflektieren, was noch immer sehr gut läuft und in welchen Bereichen man Schwierigkeiten hat, Veränderungen aufrecht zu erhalten.

10. Auch Misserfolge kommunizieren

Zu einer transparenten Kommunikation gehört es auch Misserfolge zu kommunizieren. Die Mitarbeiter merken sofort, wenn irgendetwas nicht stimmt und dass „etwas im Busch ist“. Negative Neuigkeiten geheim zu halten, um nicht für Aufregung zu sorgen, geht genau in die falsche Richtung. Die „stille Post“ in Unternehmen ist nicht zu unterschätzen, dabei entstehen schnell Horrorszenarien. Ehrlichkeit schafft Vertrauen, auch wenn nicht immer alles glatt laufen kann und dabei wird auch das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt.

 

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Nichts ist so beständig wie der Wandel

von Heraklit von Ephesus

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Portrait Carina Andorfer

Autor

Carina Andorfer
Psychologin

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