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Wissenstransfer: So überlebt firmeninternes Wissen die Rente

Mit einem generativen Wissenstransfer kann Wissen, trotz des Ausstiegs von Mitarbeitern aus dem Berufsleben, gesichert und transportiert werden. Wir fragen uns heute, wie dieser Transport funktionieren kann und welche Vorteile dies für die Mitarbeiter und das Unternehmen bedeutet.

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Nicht nur in Themen wie Altersvorsorge hält der demographische Wandel die Situation fest im Griff, sondern vor allem auch auf dem Arbeitsmarkt. Somit wird nicht nur die Bevölkerung Deutschlands immer älter, auch die nachkommenden Arbeitskräfte werden immer weniger. Folglich stellt sich nicht nur die Frage: Werden wir zukünftig überhaupt noch von unserer Rentenzahlung profitieren? Eine für den Arbeitsmarkt viel wichtiger Frage ist, die hier in diesem Artikel diskutiert werden soll: Wie kann Wissen innerhalb der Unternehmen erhalten und somit zwischen den Generationen übermittelt werden.

Demographischer Wandel – Bedeutung für den Arbeitsmarkt

Durch die sinkende Geburtenrate und die verbesserte medizinische Behandlung wird die deutsche Bevölkerung mit den Jahren immer älter werden, was dazu führt, dass der Arbeitsmarkt sich auf viele ältere Fachkräfte konzentrieren und nur wenig junge Arbeitskräfte für sich gewinnen wird. Jedoch steht man hier vor einem Dilemma: Wie erhalten die wenigen jungen Arbeitskräfte firmeninternes Wissen und vor allem wie kann das Wissen von ausgelasteten erfahrenen Unternehmensikonen - aufgrund ihres breiten Aufgabenfeldes - an jüngere Arbeitskräfte weitergeben werden. Der demographische Wandel ist kein neues Diskussionsthema, sondern bereits in vielen Zeitschriften toddiskutiert worden. Interessant ist jedoch zu wissen, wie sich dieser auf den Arbeitsmarkt und das dortige angesiedelte Wissen auswirkt. Nach dem Demographie Netzwerk e.V. werden im Jahr 2030 weniger als ein Fünftel der erwerbsfähigen Personen zwischen 15 und 29 Jahre alt sein. Hingegen dazu werden beinahe die Hälfte zwischen 30 und 49 Jahre alt sein und ca. ein Drittel der Erwerbsfähigen sind älter als 50 Jahre.

Diese Zahlen weisen nicht nur darauf hin, dass der Anteil der jungen Arbeitsfähigen immer geringer wird, sondern dass der ‚War for Talents’ – der Kampf um erfahrene ältere Arbeitskräfte – enorm zunehmen wird. Weiter stellt sich hierbei die Frage, wie Wissen sinnvoll eingesetzt werden kann und wie dieses übermittelt wird, um das Unternehmen voran zu bringen.

Intergenerativer Wissenstransfer

Ältere Mitarbeiter konnten sich über die Jahre hinweg ein breit gefächertes firmeninternes Fachwissen aneignen, welches ohne Dokumentation oder Transfer zu jüngeren Mitarbeitern einfach verloren gehen würde. Die Folge dafür wäre, dass in enormer Aufwand – zeitlich und finanziell – entstehen würde, um verlorenes Wissen wiedergewinnen zu können. Somit müssten sich neue Arbeitskräfte selbst in ein Thema einarbeiten und andere Arbeitskräfte um Unterstützung bitten, die selbst ihren Aufgaben während dieser Zeit nicht nachgehen können. Wäre das Wissen jedoch an die neuen Mitarbeiter direkt weitergegeben worden, durch Einarbeitung oder Wissenstransfer, würde sich das Unternehmen schlussendlich jede Menge Zeit und folglich Geld sparen können.

Die Lösung dafür ist ein Wissensaustausch innerhalb einer Organisation bzw. Unternehmens zwischen den Generationen: intergenerativer Wissenstransfer. Genutzt wird dieser Transfer, um die Zusammenarbeit zwischen Frischlingen und älteren Hasen innerhalb eines Betriebs zu fördern und einem Wissensverlust, der mit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben der älteren Mitarbeiter übereingehen würde, entgegenzuwirken und vorzubeugen. Wichtig ist notweniges Wissen und relevante Kompetenzen einer Person zu identifizieren, sowie die Personen, die an diesem Transferprozess beteiligt sein sollen. Neben der Sicherung von Wissen kann der intergenerative Wissenstransfer weitere Vorteile für das Unternehmen und seine Mitarbeiter mit sich bringen. Generationenkonflikten wird dadurch entgegengewirkt, da diese voneinander profitieren und die jüngere von der älteren Generation abhängig ist. Weiter wird die Entwicklung der Mitarbeiter durch den Erfahrungsaustausch gefordert. Zudem können Kosten, die durch Schulungen und Einarbeitung der neuen Mitarbeiter entstehen würden, eingespart werden.

Explizites Wissen und implizites Wissen

Wissen unterteilt sich in zwei Bereiche– das explizite und implizites Wissen. Dabei wird unter dem expliziten Wissen ein dokumentiertes Wissen verstanden, welches für Andere in Form von Anleitungen, Arbeitsanweisungen, Berichten und Zeichnungen greifbar ist.

Implizites Wissen definiert das Wissen und die Erfahrungen, welches in den Köpfen der Mitarbeiter verankert und somit schwer greifbar ist. Es basiert auf individuelle Erfahrungen und Emotionen. Betrachtet man das Wissen in einem Eisbergmodell, so macht das implizite Wissen einen Großteil des unternehmensinternen Wissens aus, welches unter der Wasseroberfläche ist und somit nicht offensichtlich und schwer erkennbar ist. Explizites Wissen hingegen ist oberhalb der Wasseroberfläche, somit sichtbar und weiter für jeden zugänglich. Somit tragen ältere Mitarbeiter wertvolle Erfahrungen mit sich, die aus explizitem sowie implizitem Wissen bestehen und oftmals durch langjährige Betriebszugehörigkeit erworben wurde.

Wissen kennt kein Rentenalter

Doch was können die Unternehmen tun, damit firmenspezifisches Wissen durch den Ausstieg ältere Mitarbeiter aus dem Erwerbsleben nicht verloren geht. Eine Idee ist hierbei sich ein internes Firmenwiki anzulegen, wobei Arbeitsvorgänge und kollektives Wissen in Bezug auf die Arbeitstätigkeit festgehalten und ständig überarbeitet wird. Hierbei ist jedoch auch klar, dass dies einen erstmal enormen Mehraufwand bedeutet, bis alle Vorgänge dokumentiert wurden. Weiter muss sich tatsächlich jeder Mitarbeiter für die Fortführung und Überarbeitung dieser Einträge verantwortlich fühlen. Ein klarer Vorteil ist jedoch, dass Wissen so nie verloren gehen werden kann und neue Mitarbeiter sich erst einmal via Firmenwiki Informationen einholen können, bevor sie andere Mitarbeiter befragen müssen. Rein wirtschaftlich und langfristig gesehen lässt sich dadurch enorm viel Budget einsparen, da Arbeitsvorgänge nicht immer wieder neu erklärt oder gar erfunden werden müssen, wenn die dafür verantwortliche Arbeitskraft in Rente gegangen ist oder den Betrieb gewechselt hat.

Weiter kann Wissen natürlich ‚am Leben erhalten’ werden, wenn junge Kollegen die Möglichkeit haben erfahrene Arbeitskräfte bei ihrem täglichen Tun zu begleiten. Somit sollten Azubis und Frischlinge alte Hasen bei Projekte begleiten, sowie Termine mit Kunden wahrnehmen, um sich so Wissen durch Beobachtung aneignen zu können. Weiter kann hier nicht nur etwas durch reines Zusehen gelernt werden, sondern gleichzeitig erhält man die Möglichkeit sich selbst und seine Ideen einzubringen. Durch das Zusammenspiel erfahrener und unerfahrener und somit nicht betriebsblinder Mitarbeiter prallen Wissen und Kreativität aufeinander, wodurch Neues entstehen kann. Somit wird Wissen nicht nur theoretisch übermittelt, sondern tatsächlich gelebt und bleibt somit besser im Gedächtnis.

Das Unternehmen kann durch diese Ansätze nur profitieren. Wissen bleibt trotz des Ausstiegs älterer Mitarbeiter aus dem Berufsleben innerhalb des Betriebs und die junge/ neue Belegschaft kann sich innerhalb kürzester Zeit betriebsinternes Wissen aneignen. Somit ist die Zukunft des Unternehmens durch geringem Wegfall von betriebsinternem Knowhow und transparenten Wissenstransfer gesichert.

Generativer Wissenstransfer ist besonders in den letzten Jahren ein immer wichtiger werdendes Thema, welches sicherlich in der Umsetzung noch Startschwierigkeiten hat. Kennen Sie selbst vielleicht auch eine Methode firmenspezifisches Wissen transportieren zu können, um dieses nicht zu verlieren? Sind Sie vielleicht selbst damit bereits in Kontakt gekommen? Wir freuen uns sehr auf Ihre Kommentare in der Kommentarbox und auf einen spannenden Austausch mit Ihnen.

Der beste Lehrer ist jener, der sich nach und nach überflüssig macht

von George Orwell

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