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Konfrontationen aussitzen: Das regelt sich doch von selbst!

Konfrontationen aussitzen: Abwarten und Tee trinken ist die Devise. Konflikten geht man aus dem Weg, wird sich doch von selbst lösen! Entscheidungen zu treffen vertagt man auf morgen, denn da ist man sicher schlauer! Unangenehme Aufgaben schiebt man vor sich her, vielleicht helfen irgendwann die Heinzelmännchen?

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Bei beruflichen oder privaten Problemen einfach mal den Kopf in den Sand stecken, wird sich doch von selber lösen. Nirgendwo anecken, sich vor Meinungsverschiedenheiten drücken und den Weg des geringsten Wiederstands gehen. Das unfaire Verhalten eines Kollegen oder Vorgesetzten einfach runterschlucken und damit leben. Sich selbst einreden, dass man zu schwach ist, sich Konflikten oder Problemen zu stellen. Nie die eigene Meinung sagen, aus Angst andere könnten nicht derselben Meinung sein.

Jeder kennt vermutlich das Gefühl sich vor etwas drücken zu wollen. Egal ob es um ein unangenehmes Gespräch, eine Entschuldigung, das Übernehmen der Verantwortung über ein misslungenes Projekt geht oder einfach nur einen Hautarzt-Termin auszumachen, weil man ein komisches Muttermal entdeckt hat. Wir neigen dazu, unangenehme Termine oder Entscheidungen ganz einfach hinaus zu zögern. Das Gleiche gilt für Auseinandersetzungen und Konflikte, viele Menschen sitzen solche unangenehme Situationen lieber aus, als sich einer Konfrontation zu stellen. Man wartet ab und ignoriert das Problem, bis scheinbar Gras über die Sache gewachsen ist. Abwarten und Tee trinken ist die Devise.

Scheu vor Führungsverantwortung

Viele Führungskräfte sind ebenfalls sehr konfliktscheu und versuchen Konfrontationen stets aus dem Weg zu gehen. Sie scheuen sich zum Beispiel mit ihren Mitarbeitern ein konstruktives Feedback Gespräch zu führen. Macht ein Mitarbeiter einen Fehler, bekommt er vom Chef eine auf den Deckel oder sagt einfach gar nichts und erledigt die Aufgabe lieber selbst. Die Kontrolle wird verstärkt, da so viele Fehler gemacht werden und die Führungskraft ärgert sich, warum sich die Mitarbeiter nicht mehr Mühe geben oder höhere Motivation zeigen. Der Mitarbeiter selbst fühlt sich wiederrum unfair behandelt, niemand hat ihm ausführlich erklärt was zu tun ist, er fühlt sich kontrolliert, hat keinen Entscheidungsspielraum.

Die Scheu, sich Auseinandersetzungen zu stellen und Führungsverantwortung zu übernehmen, zeigt sich auch bei Streitigkeiten zwischen Mitarbeitern. Gibt es Konflikte zwischen den Mitarbeitern, die offensichtlich nicht von den Mitarbeitern selbst geklärt werden können, ist es Aufgabe der Führungskraft einzuschreiten. In den meisten Fällen ignorieren diese aber das Problem, in der Hoffnung es würde sich von selbst in Luft auflösen. Dieses Verhalten führt allerdings zu einem schlechten Arbeitsklima, sowie zu einer niedrigeren Produktivität durch die ständige Ablenkung. Natürlich ist es ebenso wenig sinnvoll als Führungskraft einfach ein Machtwort zu sprechen. Allerdings in Anwesenheit der Führungskraft kann, wenn diese neutral fungiert, ein Kompromiss ausgehandelt oder gemeinsam an einer Lösung gearbeitet werden.

Scheu vor Entscheidungen

Ein weiterer Punkt, vor dem wir sehr gerne davonlaufen ist es, Entscheidungen zu treffen. „Das entscheide ich lieber morgen!“. Diese Kultur des „nicht-entscheiden-wollens“ in unserer Gesellschaft kostet nicht nur wertvolle Zeit, sondern auch einiges an Geld. Nach langem hin und her wird dann eine Entscheidung getroffen, doch wenn sich diese als schlecht herausstellt ist Rückgrat Mangelware. Angriff ist doch die beste Verteidigung. Es wird geschrien und mit Rechtfertigungen um sich geworfen, anstatt zu seiner Entscheidung zu stehen. Mangelnde Entscheidungsfindung lähmt ein Unternehmen und von Entwicklung und Veränderung sind wir weit entfernt. Es wird zwar immer wieder angekündigt, dass bald gehandelt wird, aber passieren wird nichts. Zu diesem Thema ist das Verbot von Mikroplastik in Kosmetikprodukten ein gutes Beispiel. Das Gesetz legt die Verantwortung in die Hand der Konzerne. Diese reden seit Jahren davon, kein Mikroplastik mehr in ihren Produkten zu verarbeiten, doch tun sie es immer noch. Die Konkurrenz macht es ja auch noch, warum also selbst damit aufhören? Die endgültige Entscheidung wird immer wieder aufgeschoben, in diesem Fall bis 2020, aber dies ist nur ein Beispiel von vielen.

Scheu vor Meinungsverschiedenheiten

Viele Menschen zögern es unglaublich lange hinaus, bevor sie ein Problem, einen Konflikt oder eine Meinungsverschiedenheit bei einem Kollegen oder dem Vorgesetzten ansprechen. Man beißt die Zähne zusammen, doch die innerliche Verärgerung macht sich zunehmend breit. Man beginnt unbewusst unkooperatives Verhalten an den Tag zu legen, schnippische Bemerkungen zu machen oder ständig nach dem „Haar in der Suppe“ zu suchen. Umso schlechter die Erfahrungen mit Konflikten in der Vergangenheit, desto größer wird das Wattebausch, in dem wir unsere eigene Meinung einhüllen, um Auseinandersetzungen zu vermeiden. So kommt man schnell in einen Schlamassel, auf der einen Seite scheut man sich davor etwas zu sagen, die eigene Meinung anzubringen, auf der anderen Seite kann man den Ärger aber auch nicht einfach hinunterschlucken. Noch schwieriger wird es, dem Vorgesetzten zu sagen, dass etwas nicht gut läuft, man in gewissen Bereichen anderer Meinung ist oder einem etwas am Führungsverhalten geärgert hat.

Gibt es eine Lösung für dieses Problem?

Die meisten Probleme, mit denen wir im Leben zu kämpfen haben, regeln sich nicht von selbst. Sie werden auch nicht kleiner, wenn man versucht das Problem auszusitzen. Ganz im Gegenteil, die Sorgen werden immer größer und wirken bedrohlicher, je länger wir sie aufschieben. Ständig hat man ein schlechtes Gewissen und empfinden Druck, eine Entscheidung treffen zu müssen oder sich einer Konfrontation stellen zu müssen. In so einem Zustand wird es ein Ding der Unmöglichkeit abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Schlafprobleme sind ein häufiger Nebeneffekt von aufgeschobenen Problemen. Dies sollte man immer im Hinterkopf haben, wenn man gerade versucht, einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen.

Im Grunde genommen ist es meistens ein sehr angenehmes Gefühl etwas lang aufgeschobenes zu erledigen. Im Nachhinein betrachtet, wirkt das Problem überhaupt nicht mehr bedrohlich und man fragt sich oft, warum man dies nur so lange hinausgezögert hat. Ähnlich wie beim Sport: Ist der Schweinehund einmal besiegt, fühlt man sich nach dem Sport toll und obwohl man das weiß, ist es trotzdem jedes Mal wieder ein Kampf mit sich selbst. Auch wenn man ein Problem angehen möchte, das man bereits länger vor sich her schiebt, ist der erste Schritt der schwerste, dann wird es immer einfacher. Der Prozess geht voran und man kann aus der Entwicklung und aus klärenden Gesprächen neue Motivation schöpfen.

Darüber hinaus sollte man lernen, seinen Egoismus bei Seite zu legen und auch zu hinterfragen, was bedeutet mein Aufschub für mein Gegenüber? Das Bewusstsein, dass andere Menschen von den eigenen Entscheidungen abhängig sind und eventuell drauf warten, in den Vordergrund zu stellen, ist wichtig. Dazu gehört zum Beispiel einen Mitarbeiter über die schlechte Lage des Unternehmens aufzuklären und frühzeitig zu kommunizieren, dass eine versprochene Vertragsverlängerungdoch nicht eingehalten werden kann. So vermeidet man, den Mitarbeiter vor vollendete Tatsachen zu stellen. Große Firmen bedenken oft nicht, was es für ein Kleinunternehmen bedeutet, wenn diese im letzten Moment einen Auftrag oder eine Bestellung stornieren, weil sie die Entscheidung so lange hinausgeschoben haben.

Ich würde mich sehr freuen, mit Ihnen über das Thema 'Konflikte und Konfrontationen auszusitzen' diskutieren zu können. Ich denke es kommt stark auf die Unternehmenskultur an, inwieweit diese offene Kommunikation gefordert und gefördert wird. Es gibt noch immer zu viele Unternehmen, in denen es ein Tabu ist, Probleme offen anzusprechen. Wie lösen Sie Ihre Probleme am liebsten? Einfach sofort ansprechen und erledigen oder tragen Sie Ihr Päckchen auch wochenlang mit sich, bis es nicht mehr anders geht? Ich bin sehr auf Ihre Erfahrungen und Meinungen gespannt.

Die meisten Menschen wenden mehr Zeit und Kraft daran, um die Probleme herumzureden, als die anzupacken.

Henry Ford

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