Employer Branding: Ehrlichkeit statt oberflächliche Plattitüden
Employer Branding: Oberflächliche Floskeln und Plattitüden sind Schnee von gestern, heute zählen Ehrlichkeit, Individualität und Authentizität!

Das Employer Branding beschreibt die Bildung einer Arbeitgebermarke. Es soll ein Unternehmensprofil entstehen, das die Vision, Mission, sowie die Unternehmenskultur widerspiegelt. Dabei sollen die Besonderheiten und Vorteile, die das Unternehmen zu bieten hat, besonders hervorgehoben werden, um für zukünftige Mitarbeiter attraktiv zu wirken. Dabei geht es allerdings nicht darum Luftschlösser zu zeichnen, sondern authentisch am Arbeitsmarkt aufzutreten. Das Employer Branding hat nicht nur das Ziel die Arbeitgeberattraktivität zu steigern, sondern auch die Mitarbeiterbindung der bestehenden Belegschaft zu stärken. Hört oder liest man den Ausdruck Employer Branding ist die Diskussion zum Fachkräftemangel nicht weit.
Ist der Fachkräftemangel nun als bedrohende Gefahr, in Zukunft keine Bewerber mehr zu finden wahrzunehmen, oder als Mysterium, das reine Panikmache ist? Diese Frage sei dahingestellt. Denn, nichts desto trotz, wirklich gute Bewerber wachsen nicht auf Bäumen und können nicht einfach eingesammelt werden. Die besten Bewerber haben die Qual der Wahl und die Entscheidung ist definitiv nicht mehr nur vom Gehalt abhängig. Ein hoch qualifizierter Mitarbeiter hat genaue Vorstellungen, welche Unternehmenskultur für ihn passend ist und möchte, dass die eigenen Wertvorstellungen mit denen des Unternehmens übereinstimmen.
Fachkräftemangel
Der Mythos Fachkräftemangel ist ein heiß diskutiertes Thema. Ist da nun wirklich etwas dran, oder alles reiner Humbug? Vielleicht ist der Mangel nur auf bestimmte Branchen gerichtet, oder auf Unternehmen mit schlechten Arbeitsbedingungen, die durch die Digitalisierung immer mehr an die Öffentlichkeit gelangen? Eine Studie von Manpower zeigte zum Beispiel, dass in Österreich rund 34 % von 751 Arbeitgeber im Jahr 2016 Schwierigkeiten hatten, freie Stellen zu besetzen. Am schwierigsten stellten sich die Neubesetzung von Positionen im Bereich Facharbeiter/Handwerker, Vertriebsmitarbeiter und Assistenz-/Bürokräfte heraus. In Deutschland zeigen Studien sogar, dass es zwei von drei Betrieben schwer fällt geeignete Fachkräfte zu finden und aus diesem Grund auch Aufträge ablehnen müssen. Eine andere Studie, die in Deutschland durchgeführt wurde, zeigt keinen flächendeckenden Mangel an Fachkräften, allerdings kann es vor allem in technischen Branchen, sowie im Bereich Gesundheit und Pflege, immer wieder zu Engpässen kommen. Was stimmt nun?
Eines ist sicher: Unternehmen, die am Arbeitsmarkt attraktiv sind haben immer noch die Möglichkeit aus den Vollen zu schöpfen. Hier gibt es vermutlich nicht viele Stellen, für die sich kein neuer Mitarbeiter finden lässt. Blickt man aber in Unternehmen, die für zukünftige Mitarbeiter unattraktiv wirken, zum Beispiel zu wenig Gehalt zahlen, ihre Mitarbeiter unfair behandeln, schlechte Arbeitsbedingungen vorherrschen oder für schlechtes Führungsverhalten bekannt sind, kann es zu Engpässen kommen. Durch Plattformen wie Xing oder Kununu dringen immer mehr Informationen über Unternehmen an die Öffentlichkeit und es wird immer wichtiger, das eigene Unternehmen als Marke zu promoten.
Employer Branding
Die Arbeitgeberattraktivität spielt eine immer größer werdende Rolle bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Das Employer Branding sorgt allerdings nicht nur für die Sicherung des zukünftigen Mitarbeiterbestandes, sondern soll die Mitarbeiterbindung der bestehenden Belegschaft stärken.
Mitarbeiterbindung
Employer Branding beginnt bei den bestehenden Mitarbeitern. Es spricht nicht gerade für Nachhaltigkeit, wenn auf der einen Seite hochqualifizierte junge Talente angelockt werden und auf der anderen Seite Mitarbeiter in Scharen das Unternehmen verlassen. Es ist von großer Bedeutung die Mitarbeiterbindung der bestehenden Belegschaft zu stärken, indem diese gefördert, motiviert und wertgeschätzt werden und die Unternehmenskultur verbessert wird. Die Mitarbeiter sollten immer an erster Stelle stehen und zwar in guten wie in schlechten Zeiten! Mitarbeiter merken schnell, dass in schlechten Zeiten als erstes die Kosten für Personal gestrichen werden und sie selbst für das Unternehmen zur finanziellen Belastung werden.
Markenbotschafter
Die Arbeitszufriedenheit von bestehenden Mitarbeiter, oder von jeden die das Unternehmen aus verschiedenen Gründen verlassen haben, wird immer transparenter. Viele Mitarbeiter nutzen ihre Chance auf verschiedenen Plattformen, wie zum Beispiel Kununu, ihre Bewertung über ein Unternehmen abzugeben. Dies kann auf der einen Seite eine gute Werbung für zukünftige Mitarbeiter sein, aber mit negativen Bewertungen auch eine abschreckende Wirkung haben. Sind die Mitarbeiter mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitgeber zufrieden, tragen diese ihre Meinung als Markenbotschafter nach außen. Wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt, ist es besonders wichtig die Gründe dafür herauszufinden und daran zu arbeiten. In Zukunft wird man es sich als Arbeitgeber nicht mehr leisten können schlechte Bewertungen zu bekommen.
Ehrlichkeit
Beim Employer Branding steht Ehrlichkeit ganz oben auf der Prioritätenliste. Viele Unternehmen haben oberflächliche Floskeln und Plattitüden formuliert, die zukünftigen Mitarbeitern eine positive, wertschätzende Unternehmenskultur vorheucheln sollen. Diese Strategie kann vielleicht kurzfristig eine Lösung darstellen, aber hoch qualifiziert Mitarbeiter lassen sich nicht an der Nase herumführen und sind genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. Für das Employer Branding sollte keine Übersetzung notwendig sein, wie zum Beispiel bei einer übertrieben guten Hotelbeschreibung, in der die „lebhafte und verkehrsgünstige Lage“ einfach ein Synonym für „laute Partymeile“ und „an der Hauptverkehrsader gelegen“ ist.
Individuell [&] Authentisch
Viele Unternehmen sind der Meinung, sie können eine Employer Branding Strategie einer erfolgreichen Firma einfach kopieren. Leider gibt es kein Rezeptwie Employer Branding funktioniert. Viele Unternehmen verlieren ihre Vision und Mission aus dem Auge und setzen stattdessen auf allgemeine Floskeln und Phrasen. Dabei sollte bei der Entwicklung einer Employer Branding Strategie die Authentizität, Individualität und Einzigartigkeit eines Unternehmens im Mittelpunkt stehen. Dazu kann es hilfreich sein, zu Beginn des Prozesses zu reflektieren, in welchen Faktoren sich das Unternehmen von anderen abhebt und abgrenzt. Sind diese Charakteristika noch nicht klar, sollte zu allererst an der Corporate Identity des Unternehmens gearbeitet werden.
Natürlich gehört zu einer erfolgreichen Employer Branding Strategie noch viel mehr als die oben genannten Punkte. Dazu gehört zum Beispiel der große Faktor Social Media oder Personalmarketing Kampagnen. Die Mitarbeiterbindung, die bestehende Belegschaft als Markenbotschafter, sowie die Ehrlichkeit und Individualität im Employer Branding sind für mich persönlich wichtige Aspekte, denen oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Ich würde mich sehr freuen, mit Ihnen über dieses Thema zu diskutieren! Welche Erfahrungen haben Sie mit Employer Branding gemacht? Was ist Ihnen bei der Job Suche besonders wichtig, auf welche Faktoren achten Sie als erstes? Schreiben Sie Ihr Kommentar unten in die Kommentarbox!
Heute ein Zitat, das ich schon einmal verwendet habe; Ich finde es in diesem Zusammenhang aber sehr passend und man kann es auch sehr gut auf ein Unternehmen umwälzen.
Ein edler Mensch zieht edle Menschen an und weiß sie festzuhalten
von Johann Wolfgang von Goethe
Literatur
- Bundesagentur für Arbeit (2016). Blickpunkt Arbeitsmarkt – Fachkräfteengpassanalyse. Abgerufen von: https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Fachkraeftebedarf-Stellen/Fachkraefte/BA-FK-Engpassanalyse-2016-12.pdf
- Manpower Group (2016). Studie Fachkräftemangel 2016. Abgerufen von: https://www.manpower.at/dokumente/oesterreich-studie-fachkraeftemangel-manpower-2016.pdf
- EY – Building a better working world (2016) Mittelstandsbarometer Januar 2016. Abgerufen von: http://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/EY-Mittelstandsbarometer-Januar-2016/$FILE/EY-Mittelstandsbarometer-Januar-2016.pdf
