Change Prozess: 10 Pain-Points warum Veränderungsprozesse scheitern
Change Prozess: Seit den 70er Jahren hat sich an der Nachhaltigkeitsquote angestoßener Change Prozesse nicht viel getan. Denn noch immer scheitern 70 - 80 % aller Veränderungen. Wie kann das sein?

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass in den 70er Jahren 70–80 % aller angestoßenen Veränderungsprozesse gescheitert sind. Nun könnte man sagen, naja, früher war man eben noch nicht so weit wie heute, es gab einfach zu wenig Informationsquellen und Studien zu diesem Thema. Inzwischen gibt es über 83.000 Bücher auf Amazon und Millionen von Artikeln zum Thema Change und Nachhaltigkeit, doch die Quote der gescheiterten Veränderungsprozesse liegt auch im Jahr 2017 noch immer bei 70–80 %. Wie kann das sein? Ich stelle mir heute die Frage, warum sich in den letzten 40 Jahren hier nichts verändert hat und noch immer so viele Veränderungsprozesse scheitern.
Dazu gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten: Entweder die 83.000 Bücher zum Thema Change sind nicht hilfreich, Menschen mögen im Allgemeinen keine Veränderungen, weil sie sich in gewohnten Strukturen wohlfühlen, oder die dritte Möglichkeit, es liegt nicht an den Inhalten, sondern vielmehr an der Umsetzung der Veränderungsprozesse. Capgemini hat im Jahr 2010 10 Pain Points formuliert, die für nachhaltige Veränderungsprozesse unabdingbar sind. Leider merken wir immer wieder in Unternehmen, dass genau jene Faktoren nicht gegeben sind und die Chancen für einen erfolgreichen Veränderungsprozess schmälern.
Platz 10: Kultur entwickeln
In vielen Veränderungsprozessen wird kein Wert daraufgelegt, die Kultur des Unternehmens mitzuentwickeln. 13 % der Befragten dieser Studie sind der Meinung, dass die Kulturentwicklung ein wesentlicher Erfolgsfaktor für nachhaltige Veränderungsprozesse ist. Das heißt, das Grundgerüst des Unternehmens bleibt bestehen, während man versucht, einzelne Stangen aus dem Gerüst zu verschieben.
Platz 9: Konflikte vermeiden
Oft wird verabsäumt, die Menschen, die die Veränderungsprozesse direkt betreffen, richtig abzuholen. So entstehen meist Ängste, die in Konflikten und Auseinandersetzungen enden. 14 % der Befragten sehen die Konfliktvermeidung als wichtigen Erfolgsfaktor für Veränderungsprozesse. Den Mitarbeitenden sollte ein offenes Ohr für ihre Bedenken geschenkt und der konstruktive Umgang mit Widerständen gefördert werden. So können Unsicherheiten ausgeräumt und Konflikte konstruktiv bearbeitet werden.
Platz 8: Strukturierung von Veränderungsprozessen
Vielen Veränderungsprozessen fehlt die Struktur und Planung. 15 % der Befragten sagen, ohne klare Strukturierung kann ein Veränderungsprozess nicht erfolgreich sein. Es gibt oft keine klaren Zielvereinbarungen, und Verantwortlichkeiten bleiben unklar. Eine sorgfältige Planung und klare Rollenverteilung sind essenziell, um die Veränderungsprozesse erfolgreich zu gestalten.
Platz 7: Transparenz in Veränderungsprozessen
Oft werden Mitarbeitende vor vollendete Tatsachen gestellt und nicht in die Veränderungsprozesse eingebunden. 17 % der Befragten sehen eine transparente Kommunikation als Schlüsselfaktor für erfolgreiche Veränderungsprozesse. Mitarbeitende müssen die Hintergründe der Veränderung verstehen und in die Planung einbezogen werden, um die Vorteile für sich selbst und das Unternehmen zu erkennen.
Platz 6: Spezifische Entwicklung in Veränderungsprozessen
20 % der Befragten sehen die spezifische Entwicklung und Qualifizierung von Mitarbeitenden und Führungskräften als wichtige Maßnahme in Veränderungsprozessen. Neue Rollen und Strukturen erfordern gezielte Trainings und eine klare Abstimmung der neuen Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Ohne gezielte Entwicklungsarbeit können Veränderungsprozesse ins Stocken geraten, da Mitarbeitende überfordert oder unzufrieden sind.
Platz 5: Erfolge in Veränderungsprozessen identifizieren
Veränderungsprozesse sind oft langwierig. 24 % der Befragten sehen es als entscheidend an, auch kleine Erfolge zu erkennen und zu kommunizieren, um die Motivation aufrechtzuerhalten. Dabei sollte jedoch der langfristige Erfolg im Fokus bleiben, um die nachhaltigen Ziele des Veränderungsprozesses nicht aus den Augen zu verlieren.
Platz 4: Prozesse erfassen
Um Veränderungsprozesse erfolgreich zu gestalten, müssen die bestehenden Prozesse im Unternehmen erfasst und analysiert werden. 27 % der Befragten sehen die detaillierte Erfassung der Unternehmensprozesse als unverzichtbar, um Soll-Zustände zu definieren und den Veränderungsprozess effektiv zu steuern.
Platz 3: Führung in Veränderungsprozessen
35 % der Befragten sehen das Führungsverhalten als entscheidend für den Erfolg von Veränderungsprozessen. Führungskräfte müssen den Wandel vorleben und ebenfalls eingebunden werden, um die Mitarbeitenden zu überzeugen. Ohne das Engagement der Führungsebene können Veränderungsprozesse scheitern.
Platz 2: Analyse in Veränderungsprozessen
Eine sorgfältige Analyse der Ausgangssituation ist der Schlüssel für erfolgreiche Veränderungsprozesse. 51 % der Befragten sehen die Analyse als einen der wichtigsten Faktoren. Bevor ein Veränderungsprozess beginnt, muss klar sein, welche Bereiche des Unternehmens betroffen sind und welche Chancen und Risiken bestehen. Eine umfassende SWOT-Analyse kann hier hilfreich sein.
Platz 1: Commitment der Mitarbeitenden
Der wichtigste Faktor für erfolgreiche Veränderungsprozesse ist das Commitment der Mitarbeitenden und Führungskräfte. 66 % der Befragten betonen, dass alle Beteiligten an Bord sein müssen. Ein offener Austausch über Bedenken und Unsicherheiten ist unerlässlich, um eine breite Akzeptanz und Identifikation mit dem Veränderungsprozess zu gewährleisten.
Das waren die 10 der Pain Points von Capgemini und gleichzeitig die Top 10 der häufigsten Gründe warum Change Prozesse scheitern. So leicht in der Theorie und doch so schwer in der Umsetzung.
Ich würde mich wie immer sehr darüber freuen mit Ihnen über das Thema Change Prozess und die 10 Pain Points von Capgemini zu diskutieren! Schreiben Sie dazu einfach Ihr Kommentar unten in die Kommentarbox und ich bin gespannt auf einen interessanten Austausch mit Ihnen
Sei selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt
von Mahatma Gandhi
