Aktives Zuhören: Der Kern der Kommunikation
Beim aktiven Zuhören versucht der Empfänger eine Nachricht so zu verstehen, wie sie vom Sender gemeint war bzw. wie sie auch beim Empfänger ankommen sollte.

In unserer alltäglichen Kommunikation achten wir sehr darauf, was wir sagen, wie wir es sagen oder wann wir etwas sagen. Dabei konzentrieren wir uns oft so stark auf uns selbst, damit wir uns gut ausdrücken und die richtigen Worte finden, dass wir ganz vergessen unserem Gegenüber richtig zuzuhören. Mir fällt selbst oft auf, dass ich in interessanten Diskussionen, während mein Gesprächspartner spricht, neue Argumente suche, um meinen Standpunkt gut zu verdeutlichen. Es ist gar nicht so einfach, dem Anderen aktiv zuzuhören, das Gesagte auch zu verstehen und gleichzeitig das Gehirn rasseln zu lassen, was man darauf nun antworten könnte. So kann es auch einmal passieren, dass man eigentlich genau dasselbe meint, aber total aneinander vorbeiredet. Auch Missverständnisse können so recht schnell aufkommen, weil man das versteht, was man hören wollte oder einfach nicht konzentriert zugehört hat.
Ablenkungen beim Zuhören
Wenn wir eigentlich zuhören sollten, gibt es eine Menge an Dingen, die uns dabei ablenken können. Wie oben schon erwähnt können wir mit den Gedanken ganz bei uns selbst sein und bereits nach Gegenargumenten suchen, um als „Sieger“ den Schauplatz zu verlassen. So etwas machen wir häufig, wenn wir uns behaupten wollen, einen guten Eindruck erwecken wollen, unser Gegenüber unsympathisch finden, uns im vollen Recht sehen oder ein unausgesprochener Konflikt zwischen uns steht.
Wir sind manchmal aber auch ganz woanders mit den Gedanken: zu Hause bei der Familie oder bei privaten Problemen. Dann fällt es uns prinzipiell schwer, uns auf etwas zu konzentrieren und bei der Sache zu bleiben. Es kann allerdings auch sein, dass wir Schwierigkeiten damit haben, uns auf den Gesprächspartner einzulassen und wir uns stattdessen auf Kleinigkeiten konzentrieren. Das kann eine subjektiv wahrgenommene schrille Stimme sein, ständige Wortwiederholungen, oder ein Fleck am Hemd. Gab es bei Ihnen in der Schule eine „Ähm-Liste“, auf der Sie mitgezählt habe,n wie oft der Lehrer „Ähm“ sagt? Man konnte überhaupt nicht mehr im Stoff mitdenken, weil man nur noch „Ähm“ hörte.
Manchmal hören wir aufgrund von verschiedener Erfahrungen einfach das, was wir hören möchten. Dabei haben wir zwar das Gefühl zuzuhören, haben am Ende aber nur mehr Wortfetzen im Kopf, die wir erstmal zusammenstückeln müssen.
Verschiedene Arten von Zuhören
Pseudo Zuhören
Dabei werden „Ich-verstehe“ Floskeln eingesetzt, aber nur um den Gesprächspartner zu unterbrechen, um dann seine eigene Meinung preisgeben zu können. Man hört nicht richtig zu, sondern ist auf seine eigenen Gedanken fixiert.
Aufnehmendes Zuhören
Bei dieser Art des Zuhörens werden die eigenen Gedanken zum Thema zurückgestellt aber dennoch sorgfältig zugehört. Der Empfänger schweigt, schenkt dem Sender aber durch Blickkontakt, Kopfnicken, Körperhaltung seine Aufmerksamkeit.
Umschreibendes Zuhören
Der Empfänger konzentriert sich ganz auf den Sender und stellt seine eigene Meinung zurück. Mögliche Frage oder Ratschläge sollten vermieden werden. Das Gesagte wird inhaltlich kurz und bündig in eigenen Worten zusammengefasst, so kann Missverständnissen vorgebeugt werden.
Aktives Zuhören
Die Königsdisziplin des Zuhörens. Das Ausschlaggebende des Aktiven Zuhörens ist, dass man sich nicht nur auf den Inhalt des Gesagten konzentriert, sondern zusätzlich versucht, Gefühle und Empfindungen zu erfassen. Dabei ist eine Menge an Sensibilität vonnöten, um hier die Emotionen herauszufiltern und zwischen den Zeilen zu lesen.

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Aktives Zuhören - Techniken nach Carl R. Rogers
Beim aktiven Zuhören versucht der Empfänger derNachricht des Senders so zu verstehen, wie sie auch gemeint war bzw. wie sie auch beim Empfänger ankommen soll. Dabei sollte man sich in den Anderen hineinversetzen, sich selbst zurückstellen und sich komplett auf sein Gegenüber konzentrieren. Es gibt verschiedene Techniken, die das Zuhören bzw. auch das Verstehen vereinfachen sollen.
Paraphrasieren
Dabei formuliert man die Aussage des Senders noch einmal in eigenen Worten, so wie man es verstanden hat. Es ist sehr wichtig, das Gesprochene nicht einfach zu wiederholen. So kann der Empfänger erkennen, ob er den Inhalt der Aussage richtig verstanden hat. Diese Methode kann besonders hilfreich sein, um Aussagen von Aufforderungen zu differenzieren.
Verbalisieren
Dabei werden die Gefühle des Gegenübers gespiegelt. Es werden sozusagen die vermittelten Emotionen des Senders in eigene Worte verpackt. Beispiel: Ich kann dir richtig ansehen, wie sehr dich das Verhalten des Kollegen verletzt hat.
Nachfragen
Noch einmal nachfragen, damit die Aussage klarer wird. Vor allem bei Arbeitsaufträgen oder wenn es um ein gemeinsames Projekt geht, ist das Nachfragen extrem wichtig, um zu erkennen, ob beide Parteien das gleiche Ziel vor Augen haben. Darüber hinaus können doppelte Arbeiten aufgrund von Missverständnissen vermieden werden.
Zusammenfassen
Die Informationen, die ich vomSender erhalten habe, kurz zusammenfassen. Geht es zum Beispiel um die Planung eines Arbeitsablaufs oder um Problemlösungen, ist es wichtig, das Gesagte zum Schluss noch einmal zusammenzufassen. So gibt man dem Gegenüber die Möglichkeit noch etwas zu ergänzen oder etwas zu verändern, das nicht richtig beim Empfänger angekommen ist.
Unklares aufklären
Wenn wir uns selbst bereits länger und intensiv mit einem Thema auseinander gesetzt haben, überschätzen wir manchmal das Wissen Anderer. Das muss gar nicht bewusst geschehen, aber in Erklärungen lassen wir einfach Dinge aus, die für uns in diesem Moment als selbstverständlich erscheinen. Diese Lücken verwirren unseren Zuhörer und das Gesprochene wird unklar. Hier ist es für den Zuhörer an der Zeit nachzuhaken und noch einmal nachzufragen.

Denken Sie bei diesen Techniken aber immer daran, dass man all diese Methoden auch übertreiben kann, Sie sollten während des Gesprächs auf jeden Fall authentisch bleiben. Es macht wenig Sinn, wenn Sie jeden Satz wiederholen oder jedes kleine Detail nachfragen, obwohl es Sie überhaupt nicht interessiert.
Aktives Zuhören ist definitiv eines der wichtigsten Tools in der Kommunikation. Wer viel nachfragt bekommt auch mehr Informationen. So ist es einfacher, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Darüber hinaus kann das Arbeitsklima verbessert werden, der Umgang im Unternehmen, sowie die Anerkennungs- und Wertschätzungskultur. Missverständnisse können früh erkannt werden, oder entstehen erst gar nicht. Wenn man sich wirklich auf ein Gespräch einlässt, kann man viel über sein Gegenüber lernen - über seine Erwartungen, Ziele und Sichtweisen. So steht einer erfolgreichen Zusammenarbeit in Zukunft nichts mehr im Weg.
Wer Zuhören kann, erspart sich viele Worte
von Ernst Ferstl
Weiterführende Literatur
Hier sind einige wertvolle Quellen, die das Thema „Aktives Zuhören“ vertiefen und Ihnen zusätzliche Perspektiven sowie wissenschaftliche Erkenntnisse bieten:
Wirtschaftswissen.de: „Aktives Zuhören – Die Grundlage erfolgreicher Mitarbeiterführung“
Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Methoden und Vorteile des aktiven Zuhörens, insbesondere für Führungskräfte.
SpringerLink: „Aktives Zuhören nach Carl Rogers“
Ein Kapitel, das die Merkmale und Techniken des aktiven Zuhörens detailliert beschreibt, einschließlich der Bedeutung von Konzentration und unterstützender Körperhaltung.
Lectera.com: „Aktives Zuhören: Ein Schlüssel für bessere Kommunikation“
Eine praxisorientierte Einführung in die Anwendung des aktiven Zuhörens, um Beziehungen zu verbessern und persönliche Ziele zu erreichen.
Der Nervenarzt – Springer: „Kommunikation und aktives Zuhören im Beruf“
Eine wissenschaftliche Perspektive auf die Vermittlung von aktivem Zuhören und dessen Operationalisierung in verschiedenen Kontexten.
Hanseatisches Institut: „Aktives Zuhören: Wie Sie Wertschätzung und Zugehörigkeit fördern“
Der Beitrag zeigt, wie aktives Zuhören im Unternehmen eingesetzt werden kann, um Mitarbeitende zu motivieren und Konflikte zu vermeiden.
